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Stichwort des Monats
Zentralrat Deutscher Sinti und Roma

Sinti und Roma bilden mit ca. 11 Millionen Angehörigen die größte Minderheit in Europa und haben seit dem 14. Jahrhundert die europäische Kultur mitgeprägt. Es gibt verschiedene Gruppen, die nach Region, Nationalstaatszugehörigkeit und Sprache unterschieden werden können. Individuelle Lebensentwürfe und der Lebensalltag von Angehörigen dieser Minderheit sind so divers wie die der Mehrheitsgesellschaft.
Der Zentralrat der deutschen Sinti und Roma versteht sich als bürgerrechtliche und politische Interessensvertretung der deutschen Sinti und Roma und sitzt in Heidelberg. Während er sich auf seiner Internetseite dezidiert auch für die Unterstützung von Roma in anderen Ländern einsetzt, schweigt er zu seinem Verhältnis zu in Deutschland oft prekär lebenden Roma ohne deutschen Pass.
Gegründet hatte sich der Zentralrat 1982 aus einer Bürgerrechtsbewegung heraus. Ihr Ziel war seit den 1970er Jahren der Kampf gegen fortdauernde Diskriminierung und Kriminalisierung von Sinti und Roma. Die Bürgerrechtsbewegung betrieb damals vor allem Aufklärung darüber, dass ca. 500000 Menschen dem Völkermord an den Sinti und Roma zu der Zeit des Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind und forderte eine offizielle Anerkennung desselben. Nach Ende des zweiten Weltkrieges fanden die Opfer und Überlebenden des Völkermords weder gesellschaftlich, noch politisch oder wissenschaftlich Beachtung auch juristisch fand keine Aufarbeitung statt. Der Zentralrat führte nach seiner Gründung den Kampf um moralische und rechtliche Anerkennung der Überlebenden des Völkermords kontinuierlich weiter. Im März 1982 erfolgte eine offizielle Anerkennung des Völkermords an Sinti und Roma durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Zudem erreichte der Zentralrat Entschädigungsleistungen für Überlebende. Im 1997 gegründeten Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma gibt es eine Dauerausstellung über die Dimensionen des Völkermords. Inzwischen findet er auch in Ausstellungen und Gedenkensembles von Mahn-und Gedenkstätten Beachtung. 2012 wurde schließlich ein nationales Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in der Nähe des Reichstages eingeweiht.
Als eine Schwerpunktaufgabe sieht er den Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus, wovon Sinti und Roma bis heute besonders betroffen sind. Zuletzt hat die Studie der Leipziger Universität „Die enthemmte Mitte“ 2016 dies bestätigt. Zum Beispiel geben 57,8 % der Befragten an, dass sie ein Problem damit hätten, wenn Sinti und Roma in ihrer Nähe wohnen würden. Formen von Diskriminierung erstrecken sich auf alle Lebensbereiche wie Arbeit, Bildung und Wohnen.
Ein Baustein, Sinti und Roma stärker ins politische und gesellschaftliche Leben mit einzubeziehen, vor Diskriminierung zu schützen und u.a. das kulturelle Erbe, die Tradition und Sprache (Romanes) zu bewahren, stellt die Anerkennung von Sinti und Roma als nationale Minderheit in Deutschland dar. Seit 1997 gehören sie durch eine Rahmenvereinbarung des Europarates neben Dänen, Friesen und Sorben zu den vier anerkannten nationalen Minderheiten in Deutschland. Der Zentralrat setzt sich dafür ein, dass dazugehörige internationale Abkommen auf Bundes- und Länderebene vollständig umgesetzt werden. In diesem Rahmen ist er zum Beispiel an Gesetzesinitiativen des Bundestages mit minderheitspolitischem Bezug beteiligt. Auf Landesebene unterstützt er Landesverbände bei vertraglichen Vereinbarungen „Staatsverträgen“, die den Minderheitenschutz umsetzen.
Eine aktuelle Forderung des Zentralrats im Bereich des Minderheitenschutzes ist die Beteiligung von Vertreter*innen von Sinti und Romain in Rundfunkräten und Landesmedienanstalten, um für diskriminierende Fernseh- und Rundfunkbeiträge zu sensibilisieren. Denn bis heute werden Vorurteile gegen Sinti und Roma durch negative rassistische Stereotype und Antiziganismus in Film- und Fernsehbeiträgen und durch vorurteilsschürende Bebilderung von Nachrichten reproduziert. Zu den aktuellen Forderungen des Zentralrats im Bereich der kulturellen Teilhabe gehört neben der Repräsentation in Rundfunkräten und Landesmedienanstalten die Verankerung der jahrhundertealten Geschichte von Sinti und Roma in den Bildungsplänen und Bildungsmaterialien der Schulen,
Der Zentralrat setzt sich auch auf EU-Ebene dafür ein, dass der Antiziganismus als spezifische Form des Rassismus ernst genommen wird und Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Antiziganistische Denkstrukturen sind tief in der europäischen Kulturgeschichte verankert und beeinflussen das Denken und Handeln von Personen und Institutionen. Dem Zentralrat der Sinti und Roma geht es darum, dies bewusst zu machen und dagegen zu steuern. Ziel ist es, dass Antiziganismus genauso wie Antisemitismus gesellschaftlich geächtet wird. Ein Erfolg auf diesem Wege ist die im April 2015 durch das Europäische Parlament erfolgte Anerkennung des Völkermords an Sinti und Roma und des Antiziganismus als spezifische Form des Rassismus.

Literatur


Bildquelle: http://zentralrat.sintiundroma.de/zentralrat/wer-wir-sind/


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Letzte Änderung: 21.08.2015