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Stichwort des Monats
Jeckes

Jeckes ist ursprünglich eine Bezeichnung  für die in den 30er Jahren nach Palästina eingewanderten deutschen Juden.  Die genaue Herkunft des Wortes ist unklar. Es existieren verschiedene Theorien. Einige meinen, Jeckes stehe in  Verbindung mit dem deutschen Wort „Jacke“ und sei von osteuropäischen Juden als ein Ausdruck des Spotts für die deutschen Juden geprägt worden, die keinen Kaftan oder Rock trugen und stattdessen die kurze Jacke bevorzugten, wie es in Deutschland üblich war. Andere behaupten, der Begriff sei zuerst von Juden in Palästina benutzt wurde, um die Förmlichkeit der deutschen Einwanderer zu verhöhnen, die selbst bei körperlichen Anstrengungen und drückender Hitze ihre Jacken nicht ablegten. Eine weitere Erklärung basiert auf der Annahme, der Ausdruck könne von dem Work „Jeck“ abgeleitet sein, welches in der Gegend um Köln „Clown“ oder „Narr“ bedeutet, was seinerseits von dem Wort „geck“ kommt. Eine weitere Theorie besagt, dass „Jecke“ eigentlich ein Akronym des hebräischen „Jehudi Kshe Havana“ sei, das sich als „geistloser Jude“ übersetzen lässt.
Zwischen 1933 und 1940 fanden ungefähr 55 000 deutsche Juden in Palästina Zuflucht. Die Zahl entspricht zwischen einem Drittel und Viertel an allen Zuwanderern. Ein deutlicher Anstieg, denn bis 1933 hatten sich weniger als 2.000 Juden aus Deutschland und Österreich auf dem Weg nach Palästina gemacht. Gleichwohl hatten die deutsch-jüdischen Zionisten vor allem als Finanziers beim Aufbau des Landes eine Rolle gespielt. Die Hitachdut Olej Germania  war die Organisation für Einwanderer aus Deutschland, die im Auftrag der britischen Mandatsmacht in Palästina die Aufnahme der neuen Einwanderer überwachte. Die Mehrheit ließ sich in einer der drei größten Städte Palästinas nieder: Tel Aviv, Haifa oder Jerusalem. In kürzester Zeit veränderten die Zuwanderer die Viertel, in denen sie lebten. In Tel Aviv wurde die Jarkonstraße von den Jeckes „Frankfurter Straße“ genannt, weil dort so viele Frankfurter Juden wohnten. Nördlich von Haifa gründeten Jeckes den Ort Nahariya, eine halbe Autostunde davon entfernt befindet sich in Tefen heute ein Jeckes Museum.
Zu den großen Problemen aller Emigranten gehört nicht zuletzt das der Sprache. Die aus frommen Elternhäusern stammenden Emigranten hatten womöglich Hebräisch gelernt, doch war das im deutschen Sprachraum gelernte Hebräisch nicht mit dem in Palästina gesprochenen Neu-Hebräisch, Iwrith genannt, identisch. Für die Neuankömmlinge stellte das Erlernen der Sprache eine Schwierigkeit dar, die nicht von allen gemeistert werden konnte. Dies galt insbesondere für die älteren „Jeckes“, von denen viele Iwrith Zeit ihres Lebens nur bruchstückhaft, wenn überhaupt, praktizierten konnten. Eine Reihe von Einwanderern blieb bei der ihnen vertrauten deutschen Sprache, was mitunter zu Komplikationen führte. Oft lernten sie auch erst durch ihre schulpflichtigen Enkel und Kinder die offizielle Landessprache Iwrith.  In der Öffentlichkeit wurde die deutsche Sprache nicht geduldet. Dies ging so weit, dass in den 40er Jahren deutschsprachige Zeitungen und Verlagshäuser in Palästina Ziel gewaltsamer Aktion waren. Erst recht mit dem Bekanntwerden des Holocaust galt die deutsche Sprache als die „Sprache der Mörder“.
Entgegen aller Kritik versuchten die Einwanderer sich mit den ungewohnten Umständen zu arrangieren und zugleich ihre eigene kulturelle Identität zu bewahren. Die in Israel verbreitete Vorstellung, dass alle Jeckes aus den gebildeten Schichten der größeren deutschen Städte stammten,  dass sie zumeist verweltlicht und  von ihren jüdischen Wurzeln entfremdet waren und keinerlei Hebräisch sprachen, ist nicht zutreffend.  Die Zuwanderer kamen aus den unterschiedlichsten sozialen Verhältnissen und sollten die Kultur des neuen Landes prägen. In Deutschland ausgebildete Architekten wirkten beim Aufbau der großen Städte mit und verliehen Tel Aviv durch den Bauhaustil sein einzigartiges Gesicht.  Im musikalischen Bereich waren Jeckes an der Gründung sowohl des Palestine Orchestra als auch des Palestine Radio Orchestra, des späteren Jerusalem Symphony Orchestra, maßgeblich beteiligt. Die Auswahl geeigneter Musiker fand unter maßgeblicher Mitwirkung des früheren Generaldirektors des Frankfurter Opernhauses, Hans Wilhelm Steinberg, statt. Beide Orchester entwickelten sich zu Aushängeschildern der jüdischen Gesellschaft. Die Mehrheit der ersten Musiker, Zuhörer und Mäzene der Orchester waren deutsche Juden. In der Politik gab es keine wirklich starke politische Bewegung unter den deutschen Juden, jedoch hatte eine gewisse Anzahl von Jeckes Kabinettposten inne. Spitzenämter in der Regierung waren im Allgemeinen der osteuropäischen Elite vorbehalten.
Nach den Verhandlungen Adenauers mit Ben Gurion über die so genannten „Wiedergutmachungsleistungen“, dem Luxemburger Abkommen 1952, traten zahlreiche der aus Deutschland vor Hitler geflohenen Juden mit ihren Heimatstädten und -dörfern in Kontakt. Häufig besuchten die Emigranten  im Zusammenhang einer Europareise ihre alte Heimat, oft unter qualvoller Überwindung innerer Abwehr und trugen somit zum Fundament für die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel bei.
Im Jahr 1979 hatte der israelische Oberste Gerichtshof den seltsamen Fall zu entscheiden, ob das Wort „Jecke“ beleidigend sei. Das Gericht lehnte die Klage unter dem Hinweis ab, dass der Ausdruck „Jecke“ kein Schimpfwort sei, sondern eine Ehrung und gar Zuneigung ausdrücke. So schreibt Gideon Greif (2000): „Wenn ein Handwerker ungeachtet seiner Herkunft sagt „Ich bin ein Jecke“, meint er eigentlich: „ich bin verlässlich und leiste genaue Arbeit.“




Pension Cohen, vierziger Jahre, Nahariya, Nachlass Gretel und Richard Cohen © Open Museum Tefen, Archiv des Museum für deutschsprachiges Judentum Tefen


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Letzte Änderung: 21.08.2015