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Stichwort des Monats
SchUM-Gemeinden

SchUM ist eine Abkürzung, die sich aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Ortsnamen dreier Städte am Rhein zusammensetzt: Schin für Schpira (Speyer), Vav für Warmaisa (Worms) und Mem für Magenza  (Mainz).

Stichworte zur jüdischen Geschichte

SchUM-Gemeinden
SchUM ist eine Abkürzung, die sich aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Ortsnamen dreier Städte am Rhein zusammensetzt: Schin für Schpira (Speyer), Vav für Warmaisa (Worms), wobei hier das V wie ein U gelesen wird, und Mem für Magenza  (Mainz). Die jüdischen Gemeinden in diesen drei Städten gehörten zu frühen Niederlassungen im deutschen Raum. Sie entwickelten sich im 11. und 12. Jahrhundert zu Zentren jüdischer Gelehrsamkeit. Hebräische und jiddische Quellen geben über die Bedeutung der SchUM-Gemeinden als „Wiege der Gelehrsamkeit“ in Aschkenas Auskunft. Im Mittelalter wurde Aschkenas, ein Name aus der hebräischen Bibel, als Bezeichnung für Deutschland verwendet.
Ob es eine kontinuierliche jüdische Siedlung seit der Spätantike am Rhein gegeben hat, wird kontrovers diskutiert. Die erste schriftliche Erwähnung einer Mainzer jüdischen Gemeinde stammt aus dem Jahr 917. Der früheste Beleg einer Synagoge stammt aus Worms aus dem Jahr 1034, für Mainz ist eine Synagoge 1093 belegt, in Speyer entstand zwischen 1084 und 1096 eine Synagoge. Für alle drei Gemeinden ist ebenfalls ein Tanzhaus belegt. Es diente jeweils als Versammlungsort für die Feste der Gemeinde, aber auch für die Feiern einzelner Gemeindemitglieder.
Alle drei Gemeinden besaßen einen Friedhof. „Der Heilige Sand“ in Worms konnte als einziger der mittelalterlichen jüdischen Friedhöfe seinen ursprünglichen Charakter bis heute bewahren. Auf seinem Gelände stehen heute noch ca. 2500 Grabsteine aus dem 11.-20. Jahrhundert. Er gilt als ältester jüdischer Friedhof in Europa. Der älteste datierte Grabstein stammt von 1076. Der Legende nach lebten schon 600 Jahre v. Chr. Juden in Worms. Ihre Totenstätte soll mit Sand aus Jerusalem bestreut worden sein, daher der Name des Friedhofs. Das Gelände des jüdischen Friedhofs in Speyer wurde 1084 den Juden von Bischof Rüdiger geschenkt.
Die rechtliche Stellung der Juden in diesen Städten war wesentlich besser als die der meisten christlichen Einwohner. Bischof Rüdiger unterzeichnete eine Urkunde von 1084, in der er festhielt, dass er den Juden „ein Gesetz, das besser ist, als es das jüdische Volk in irgendeiner anderen Stadt des Deutschen Reiches besitzt“ gewährt habe. Die Eigenständigkeit jüdischer Gemeinden wird auch deutlich in der ausgestellten Urkunde Kaiser Heinrichs IV.  aus dem Jahr 1074, wo von „Juden und Wormsern“ die Rede ist.
Alle drei Städte waren christliche Kathedralstädte, zugleich war die Zahl der niedergelassenen Juden so groß, dass sie frühzeitig Gemeinden bilden konnten. Diese sind nicht nur als Kultusgemeinden zu verstehen, sondern auch als eigenständige Körperschaften innerhalb der Städte. Mit ihren Einrichtungen und Organen waren sie den sich erst allmählich entwickelnden städtischen Eigenverwaltungen voraus. In allen drei SchUM-Gemeinden gab es ein Ratsgremium, das zumeist aus zwölf Mitgliedern bestand. Aus den Mitgliedern dieses Rates wurde in der Regel das Richtergremium gebildet, das über die innerjüdischen Rechtsfälle entschied.
Die SchUM-Gemeinden unterhielten zeitweise auch Talmudschulen zur theologischen Weiterbildung. Von weit her kamen Studierende. Dabei entwickelten sich Dynastien von Gelehrten, wie beispielsweise die in allen drei Städten vertretene Familie der Kalonymiden. Den SCHUM-Gemeinden wurde auf der Rabbinersynode von Troyes 1156 das Richteramt über die aschkenasischen Gemeinden übertragen. Dies wurde von der aschkenasischen Rabbinerversammlung im gleichen Jahr bestätigt und 1220 sowie 1223 erneuert und erweitert.
Bis heute ist der Talmudkommentator des Rabbi Salomon ben Issak, genannt Raschi in der jüdischen Welt hoch geschätzt. Um 1060 studierte der Gelehrte im Lehrhaus in Worms. Das nach ihm benannte Raschi-Haus in Worms beherbergt heute das Jüdische Museum und das Stadtarchiv. Als 1475 das erste in hebräischer Schrift gedruckte Buch in Kalabrien erschien, stammte der Text von Raschi.
Während des Ersten Kreuzzuges 1096 war die Zahl der Opfer beträchtlich. In Mainz wurden mindestens 500 namentlich bekannte Personen umgebracht, in Worms 400. In Speyer hingegen handelte Bischof Johann entschlossen und rettete die meisten Juden. Lediglich elf Personen sollen getötet worden sein. Mit den Pestpogromen 1348/49 ging die Blütezeit der SchUM-Gemeinden zu Ende. Zwar kam es zwischen 1352 und 1357 zu einer recht schnellen Wiederansiedlung. Doch erreichten die Gemeinden nicht mehr die wirtschaftliche und theologische Bedeutung früherer Zeiten. Die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Mainz und Speyer endete nach Vertreibungen im 15. Jahrhundert. Allein die jüdische Gemeinde in Worms bestand weiter; bis zum Holocaust lebten Juden kontinuierlich in Worms.
Für 2021 streben die drei Städte die Aufnahme auf die UNESCO-Liste des Weltkultur- und Naturerbes an. In Speyer und Mainz gibt es wieder eine Jüdische Gemeinde. Um die religiösen, kulturellen und sozialen Belange der Wormser Gemeindemitglieder kümmert sich gegenwärtig die Jüdische Gemeinde in Mainz.

Literatur




Jüdischer Friedhof Worms ©Wikimedia Commons (Stefan Noack)


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Letzte Änderung: 21.08.2015