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Stichwort des Monats
Spielfilm und Holocaust

Die Themen Nationalsozialismus und Holocaust sind heute in den Medien allgegenwärtig – im Dokudrama, in Karikaturen, in Politikerreden, in Games und natürlich im Kino. Hitler ist eine historische, längst aber auch eine allegorische Figur. Daher soll in diesem „Stichwort“ nicht von Dokumentarfilmen und Dokudramen die Rede sein. Es gilt zu akzeptieren, dass Spielfilmproduktionen zum Thema Holocaust attraktiv, kommerziell erfolgreich und deshalb wirkungsvoll sind. Ungeachtet dessen, ob die Kritik zutrifft, dass dadurch der Holocaust unwirklich erscheint und ins Reich der Mythen abdriftet, womit automatisch seine menschheitsgeschichtliche Brisanz entschärft würde – die „dunkle Seite der Macht“ (Star Wars) beeinträchtigt die Weltgewissheit schließlich auch nicht nachhaltig – unabhängig also davon, welche Konsequenzen aus einer kulturkritischen Perspektive zu ziehen wären, ist es notwendig, mit der gegebenen Situation medial vermittelter Aneignung von Geschichte umzugehen.
Der Geschichtsdidaktiker Bodo von Borries betont die Bedeutung der Imagination für das Historische Lernen und erzählt in seinem Buch zu diesem Thema ausführlich von seiner eigenen Leseerfahrung als Jugendlicher mit trivialen Historienromanen, die sein Geschichtsbild nachhaltig prägten. Diese immense Bedeutung des informellen Lernens an ästhetischen Gegenständen ist die Voraussetzung, wenn es um Überlegungen zum Einsatz von filmischen Repräsentationen des Holocaust und der NS-Geschichte geht. Die fiktionale Erzählung soll besonders stark gemacht werden, aber sie soll ihr eigenes recht im pädagogischen Raum bewahren. Gerade weil die filmischen Erzählungen über Geschichte und speziell den Holocaust oft eine große emotionale Kraft entfalten, ist es höchst problematisch, wenn sie ohne analytisch konzipierte  Methodik und ohne Bezug auf die Vermittlung von historischen Fakten in der Schule – oder auch im außerschulischen Bereich – eingesetzt werden.
Ohne Bild und Sprache, ohne das In-Szene-Setzen historischer Sachverhalte und grundlegender Konflikte gewännen wir keine Vorstellung der geschichtlichen Wirklichkeit. Aber damit ist nur der erkenntnistheoretische Rahmen abgesteckt, in dem ein Umgang gefunden werden muss. Für die pädagogische Arbeit, für das historische Lernen  bietet die Verwendung fiktionaler Erzählungen neben den „gesicherten Erkenntnissen“ der seriösen Wissenschaft noch einen großen Vorzug. Nicht nur, weil Sprache und Darstellungskonventionen von historischen Quellen für Schülerinnen und Schüler nicht ohne weiteres übersetzbar sind, sondern auch weil ein Einstieg in das historische Lernen an den reinen Quellen der Historiografie hinter die Erkenntnis zurückfällt, dass das Weltwissen der Jugendlichen längst einen Kanon an Bildern und Motiven zum diesem Thema enthält. Dieses Wissen entstammt vielfach der Populärkultur sowie den kanonischen Erzählungen, die innerfamiliär und massenmedial vermittelt werden.

Es gilt, didaktisch  bei der Auswahl von Filmerzählungen, Quellen und Informationsmedien Themen und Zugriffe zu entwickeln, die geeignet sind, diese mediale Repräsentation des historischen Gegenstandes zu verstehen und auf aktuelle Fragestellungen zu beziehen. Erst auf dieser Grundlage können methodische Vorschläge gemacht werden. Mit diesem Anspruch liegt seit 2016 eine DVD vor. Die DVD „Film verstehen / Geschichte: Holocaust“ verknüpft in ihrem fächerübergreifenden Ansatz die Vermittlung von Wissen über Themen des Holocaust mit dem Erwerb von filmanalytischen Fähigkeiten. Die für die DVD ausgewählten 29 Spielfilmausschnitte entstammen exemplarischen, inhaltlich und filmisch aufschlussreichen Inszenierungen:
•    Auf Wiedersehen, Kinder (Louis Malle, Frankreich 1987)
•    Der Pianist (Roman Polanski, Frankreich/Polen/Deutschland/GB 2002)
•    Jakob der Lügner (Frank Beyer, DDR 1974)
•    Defiance (Edward Zwick, USA 2008)
•    Fateless (Lajos Koltai, Ungarn/Deutschland/GB 2004)
•    Im Labyrinth des Schweigens (Giulio Ricciarelli, Deutschland 2014)
•    Rosen für den Staatsanwalt (Wolfgang Staudte, BRD 1959)
•    Hannas Reise (Julia von Heinz, Deutschland/Israel 2013)

Acht frei wählbare Unterrichtsmodule eröffnen Themen wie Diskriminierung, Denunziation, Solidarität, Ghettoisierung, Kennzeichnungspflicht, jüdischer Widerstand und Verdrängung in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Die Schülerinnen und Schüler erhalten damit Gelegenheit, sich auf neue Weise mit Phänomenen wie Ausgrenzung, Entrechtung, Menschenwürde, Gewalt und Zivilcourage auseinanderzusetzen, die auch für eigenes (heutiges) Leben von Interesse und Relevanz sind.
(Der Text ist angelehnt an: Christoph Schneider, Material auf der DVD „Film verstehen / Geschichte: Holocaust“)

Kostenfreie Bestellung der DVD: https://www.visionkino.de/publikationen/didaktische-dvds/dvd-film-verstehen-geschichte-holocaust/

Stichwort vom November 2017



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Letzte Änderung: 21.08.2015