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Stichwort des Monats
„Vom DP-Lager Föhrenwald nach Frankfurt in die Waldschmidtstraße“

Die Mietshäuser Waldschmidtstraße Nr. 129 und 131 verraten auf den ersten Blick nicht, dass hier in den 1950er Jahren einer der Neuanfänge jüdischen Lebens in Frankfurt nach dem Holocaust begann. 
Eine Ausstellung der Initiative 9.November im Hochbunker Friedberger Anlage 5/6 berichtet anschaulich über das Leben in den zwei Häusern der Nassauischen Heimstätte, in die 1956 und 1957 insgesamt 30 jüdische Familien, Holocaustüberlebende mit ihren Kindern, einzogen. Andere Wohnblocks in der Nachbarschaft waren für Kriegsinvaliden,  kinderreiche Familien und Vertriebene aus den ehemals besetzten Ostgebieten vorgesehen.
In der Ausstellung erzählen neun der Kinder, die in der Waldschmidtstraße aufgewachsen sind, von dem Zusammenhalt der Familien in der nichtjüdischen Umgebung, von der Integration in Schule und Freizeit mit ihren Herausforderungen in Sachen Sprache, Religion und dem Umgang mit dem Holocaust. 
Die meisten Erwachsenen kamen ursprünglich aus Osteuropa, so entwickelte sich in den beiden Häusern ein kleines Shtetl wo Jiddisch gesprochen, gefilte Fisch gekocht und zu Sukkot Laubhütten gebaut wurden. In einer Familie lebte eine Großmutter, ihre Bedeutung war auch für die übrigen Kinder groß. Denn Großeltern hatten die allermeisten keine mehr. Nicht nur in Bezug auf die fehlenden Großeltern war der Holocaust - überwiegend unausgesprochen – präsent. Erinnerungen daran zeigten sich auch in der stetigen Sorge der Eltern, ihre Kinder könnten erneut von Ausgrenzung und Schlimmerem betroffen werden.
Die Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen - bezogen auf das Einleben in Frankfurt - waren sehr unterschiedlich. Während einige sich schwer taten mit der deutschen Sprache, erwähnt Mayer Szanckower, dass er „uff de Gass, Frankforterisch“ gelernt habe. Einige erinnern, dass sie keinerlei Ausgrenzungserfahrung in der Schule erlebt hätten, andere wissen sehr wohl von latentem bis offenem Antisemitismus in der Nachkriegszeit zu berichten. Auch Begegnungen mit nichtjüdischen Kindern und Jugendlichen wurden ganz unterschiedlich erlebt. Schymon Ajnwojner kam erst durch Fußball spielen wirklich in Kontakt mit nichtjüdischen Gleichaltrigen. Andere fanden wiederum schnell Freunde.  Auch der Bezug zur jüdischen Gemeinde, der Synagoge und dem damaligen Jugendzentrum im Baumweg wurde sehr unterschiedlich gelebt. Dieses in der Ausstellung gezeigte vielfältige Mosaik bietet für Besuchende und unter ihnen auch für Jugendliche zahlreiche Anknüpfungspunkte, um sich mit Fragen der Situation von Minderheiten in einer Mehrheitsgesellschaft, Fragen von Integration, Ausschluss und Fragen der eigenen Identität auseinanderzusetzen.
Die Ausstellung handelt insgesamt nicht nur von dem Alltag der Kinder und ihren Familien in Frankfurt sondern auch von dem Jewish Displaced Persons Lager in Föhrenwald bei München. Dort lebten die Familien vor dem Umzug nach Frankfurt, einige der Waldschmidtstraßenkinder wurden geboren und verbrachten in Föhrenwald ihre ersten Lebensjahre. Nach Kriegsende hatte die US-Militärregierung das ehemalige Zwangsarbeitslager Föhrenwald in einen Ort für heimatlos gewordene Menschen (Displaced Persons) aus ganz Europa verwandelt. Der Lagerbereich für Holocaustüberlebende und ihre Nachkommen war mit bis zu 5600 Personen das größte und am längsten bestehende Lager. Ein anderes DP Camp, in dem Holocaustüberlebende unmittelbar nach dem Krieg lebten, lag in Zeilsheim bei Frankfurt. Wie die Bewohner des Lagers in Zeilsheim hatten auch die meisten Föhrenwälder versucht auszuwandern, dies war aus gesundheitlichen Gründen gescheitert – häufig wegen Tuberkulose. 1956 wurden die jüdischen Familien schließlich sieben Städten in der jungen Bundesrepublik zugeteilt - 30 von ihnen kamen nach Frankfurt in die Waldschmidtstraße. 

Die Ausstellung „Vom DP-Lager Föhrenwald nach Frankfurt in die Waldschmidtstraße“ kann ab Ende April 2018 sonntags von 11-14 Uhr oder auf Anfrage auch an anderen Tagen im Hochbunker Friedberger Anlage 5/6, 60314 Frankfurt besichtigt werden.
Informationen zum Ort: www.initiative-neunter-november.de/veranstaltungen.html
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Letzte Änderung: 21.08.2015