Sehr geehrte Besucher,
Sie benutzen den Internet Explorer in der Version 6 oder kleiner. Dieser Browser ist mehr als 10 Jahre alt und wird von unserer Website nicht mehr unterstützt. Es kann daher zu Darstellungsproblemen kommen.

Um unsere Website in Ihrer vollen Schönheit betrachten zu können, bitten wir Sie, Ihre Browsersoftware zu aktualisieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
background image
Header Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
Logo Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
      
Stichwort des Monats
Das Philanthropin in Frankfurt am Main

Im Jahre 1796 belagern französische Truppen Frankfurt. Durch Kanonenbeschuss brennen große Teile der Judengasse nieder. Danach erlaubt man den jüdischen Bürgern erstmals, sich auch außerhalb des Ghettos anzusiedeln und eigene Schulen zu bauen. 1804 gründet Siegmund Geisenheimer, Bürovorsteher im Bankhaus Mayer Amschel Rothschild, das Philanthropin im Wollgraben etwas außerhalb der Judengasse. Es soll eine Schul-und Erziehungsanstalt für bedürftige jüdische Kinder werden, in der sie auch in weltlichen Fächern und in deutscher Sprache unterrichtet werden. Der Name bedeutet „Stätte der Menschlichkeit“ und ist zugleich Programm. Die Schülerzahl wächst nach der Gründung stetig, ab 1811 werden auch christliche Kinder aufgenommen.  Bald schon müssen neue Räume für die Schule gefunden werden.
1813 zieht das Philanthropin in den Kompostellhof um. Das Ziel, den Schülerinnen und Schülern allgemein „Verstandesfähigkeiten und praktische Kenntnisse“ zu vermitteln, findet bei den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde großen Anklang und auch finanzielle Unterstützung. Aber nicht nur die Unterrichtsmethoden sind modern. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird das Philanthropin zum Träger der liberal-religiösen jüdischen Reformbewegung. Von hier aus kommen Impulse für einen G’ttesdienst in deutscher Sprache, die weit über Frankfurt hinaus wirken. In den Andachtsstunden im Kompostellhof betet und singt man nicht mehr nur auf Hebräisch, sondern auch auf Deutsch.
1845 ist die Schule auf mehrere Hundert Schüler angewachsen und bezieht ein größeres Gebäude in der Rechneigrabenstraße.
1867 erkennt das preußische Kultusministerium das Philanthropin als Realschule zweiter Ordnung (ohne Latein) an. Eine Vor- und eine Mädchenschule werden angegliedert. Als größte Schule einer Israelitischen Gemeinde hat das Philanthropin über Frankfurt hinaus einen guten pädagogischen und wissenschaftlichen Ruf. Viele Jahre arbeiten dort angesehene Lehrer wie die Historiker Isaak Markus Jost und Isidor Kracauer.
Das Jahr 1908 markiert einen neuen Abschnitt in der Geschichte des Philanthropin, das in ein neues Gebäude an der Hebelstraße im Nordend umzieht. Die Schülerzahlen steigen weiter an – 21 Klassenräume stehen den 550 Schülern zur Verfügung, dazu eine Einführungsklasse für Fünf- und Sechsjährige, modernste Lehrräume für Physik und Chemie, eine Schulbibliothek, ein Zeichensaal und eine große Aula. Die Schule gilt in dieser Zeit als die bekannteste deutsche jüdische Schule, weit über Frankfurt hinaus.
1921 kommt Dr. Otto Driesen als neuer Direktor an das Philanthropin. Die Lehranstalt erhält neuen Schwung, denn unter seiner Leitung werden die Unterrichtsmethoden weiter modernisiert und neue Schulzweige geschaffen. Die Realschule wird zum Reformgymnasium mit neusprachlichem Unterricht in den Eingangsklassen und mit Latein in den höheren Klassen erweitert. Ein Kindergarten und eine achtklassige Volksschule kommen dazu. Die Schule führt jetzt vom Kindergarten bis zum Abitur. An der einjährigen Frauenschule, die dem Lyzeum angegliedert wird, erhalten junge Mädchen Unterricht in allgemein bildenden Fächern und in Hauswirtschaft. Ende der zwanziger Jahre besuchen rund 900 Schülerinnen und Schüler das Philanthropin.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 verändert sich die Lage dramatisch. Der Besuch einer öffentlichen Schule wird für jüdische Kinder und Jugendliche immer schwieriger, daher wechseln immer mehr Schüler ans Philanthropin. 1935/36 hat die Schule über 1200 Schüler.
Am 1. Oktober 1938 verliert das Philanthropin den Status einer öffentlichen Schule. Es wird zu einer rein jüdischen Schule erklärt. Nach dem Novemberpogrom 1938 werden alle männlichen Lehrer unter 60 und alle Schüler über 16 Jahre im Konzentrationslager Buchenwald zeitweise interniert. 1939 muss die Jüdische Gemeinde das Gebäude in der Hebelstraße für eine geringe Summe an die Stadt Frankfurt verkaufen. In den Folgejahren löst die Reichsbehörde alle höheren jüdischen Schulen auf und schließt später alle jüdischen Schulen. Nach der Schließung des Philanthropins wird das Gebäude zur Unterbringung von Fremdarbeitern, dann als Reservelazerett und später als Zweigstelle des Bürgerhospitals und der Universitätsklinik genutzt.
Die nach dem 2. Weltkrieg neu gegründete Jüdische Gemeinde nutzt das Gebäude teilweise als Verwaltungszentrum. 1978 verkauft sie das Gebäude an die Stadt, um damit die Baukosten des neuen Jüdischen Gemeindezentrums zu finanzieren.
Seit 1986 ist die I.E. Lichtigfeld-Schule im Gemeindezentrum in der Savignystraße im Westend untergebracht. Als die Schülerzahlen zunehmen, beschließt die Gemeinde den Umzug zurück ins Philanthropin –  dies nach mehr als 65 Jahren nach seiner Schließung durch die Nazis. Das traditionsreiche Gebäude wird von der Stadt zurückgekauft  umfangreich modernisiert. Die Kosten teilen sich  das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und die jüdische Gemeinde.
 Im August 2006 zieht die gesamte Schule in der Hebelstraße ein. Sie ist jetzt eine Ganztagsschule und  verfügt auch über eine gymnasiale Sekundarstufe I. Zurzeit laufen die Planungen für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe.




©Foto: Rafael Luwisch


Veranstaltungskalender
Juni 2016
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  01 02 03 04 05
06 07 08 09 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29  

Pfeil nach rechtsAA





Pädagogisches Zentrum
Fritz Bauer Institut &
Jüdisches Museum Frankfurt

Seckbächer Gasse 14
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069-212 74237
pz-ffm[at]stadt-frankfurt.de





© ® 1999-2016 Pädagogisches Zentrum
Frankfurt am Main
Letzte Änderung: 21.08.2015