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Stichwort des Monats
Geld, Geldverleiher

Das Klischee des „Geldjuden“ ist das am stärksten verankerte Vorurteil gegenüber Juden und wurzelt in einer historisch falschen Vorstellung vom jüdischen Geldverleiher im Mittelalter. Da einerseits die Juden in den Städten aus vielen Berufen ausgeschlossen wurden und andererseits den Christen der Geldverleih gegen Zinsen durch die Kirche verboten war, hätten die Juden darin eine wirtschaftliche Betätigung gefunden und daher faktisch den Geldverleih in der Hand gehabt – so die gängige Vorstellung.

Das Verbot des Wuchers (ursprünglich jeglicher Zins) geht auf die Tora, das Alte Testament, zurück (2. Mose 22, 24) und galt daher zunächst für das Judentum selbst, das Christentum und der Islam übernahmen es gleichermaßen. Dahinter stand der Gedanke der interesselosen Unterstützung des Nächsten, der sich in Not befand, es galt hier sogar das Gebot durch Almosen zu helfen. In einer bäuerlichen Gesellschaft waren alle aufeinander angewiesen und es stellten sich noch keine Fragen der Finanzierung wirtschaftlicher Unternehmungen.

Nach dem Sieg des Christentums im Römischen Reich (392 Staatsreligion) wurden zunächst Zinsen für Kredite in einem bestimmten Umfang toleriert (6%), im Oströmischen und dann Byzantinischen Reich galt dies auch weiter, während sich im katholischen Westen dann die Position der Kirche radikalisierte. Zunächst wurde die Zinsnahme innerhalb der Kirche selbst verboten (Klöster waren oft als Kreditgeber aufgetreten) und ab dem 12. Jh. versuchte die Kirche auch in der Gesellschaft allgemein den „Wucher“ zu unterbinden. Doch die kirchlichen Beschlüsse hatten keine Gesetzeskraft, Wucher war eine Sünde aber keine Straftat, es drohte allenfalls der Kirchenbann - dem man notfalls durch Reue und Buße zuvorkommen konnte. Außerdem brauchten christliche Geldverleiher ihre Zinsen nur geschickt zu vertuschen. Wie dies auf den Handelsmessen geschah, ist überliefert (siehe Literaturhinweise). Tatsächlich wurde das „katholische Zinsverbot“ in der Realität kaum befolgt.

Die Gründung der Zünfte als christliche Schwurgemeinschaften im 12. und 13. Jh. schloss Juden aus diesen zunftmäßig organisierten Handwerksberufen aus, jedoch nicht aus den anderen, es blieben zudem Berufe wie der des Arztes sowie der Bereich des Handels, darunter auch Geldwechsel und Geldverleih. Doch weder waren alle Juden Geldverleiher, noch waren alle Geldverleiher Juden. Vielmehr traten sich Christen und Juden als Konkurrenten im Bankgeschäft gegenüber. Führend darin wurden die italienischen Bankiers, die sog. Lombarden (weil ursprünglich aus der Lombardei, v.a. aus Mailand, stammend).

Dies schloss nicht aus, dass auch einige jüdische Familien große Geschäfte im Bankwesen machen konnten. In der Frühen Neuzeit wurden jüdische Händler und Bankiers oft an Fürstenhöfe geholt als sog. Hoffaktoren und in den Zeiten der Konfessionskriege im 16. Und 17. Jh. zu geschätzten neutralen Vermittlern, die katholischen Fürsten, z.B. den Habsburgern, Geld von Protestanten, z.B. aus den Niederlanden, besorgten (und umgekehrt). Gegen Ende des 18. Jh.s konkurrierten zwei Bankiers aus Frankfurt am Main, ein christlicher (Bethmann) und ein jüdischer (Rothschild) um den Posten des kaiserlichen Hoffaktors in Wien und lösten dort einander ab. Aus Konkurrenten wurden dann Geschäftspartner: Später taten sich beide Bankhäuser nämlich zusammen und gründeten gemeinsam mit anderen die Frankfurter Bank. 
 


„Kipper und Wipper“ zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Christ­liche und jüdische Geldwechsler und Münzmeister verschlech­tern das Geld im Auftrag ihres Fürsten. Zeitgenössische Dar­stellung. Wikimedia Commons.
http://de.wikisource.org/wiki/Kipper-_und_Wipperzeit

Literaturhinweise, Links





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Letzte Änderung: 21.09.2015