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Stichwort des Monats
Aufklärung

Die Aufklärung beendete das jüdische Mittelalter.

Die Bezeichnung „Jüdisches Mittelalter“ wird von jüdischen Historikern verwandt, um deutlich zu machen, dass die christlich geprägte historische Zeiteinteilung keineswegs für die europäischen Juden gilt. Während die christliche Historiographie das 15. Jahrhundert als eine Zeit des Aufbruchs feierte, begann für die Juden eine neue Zeit des Leidens und der Ausgrenzung durch die Errichtung von Ghettos (siehe Stichwort "Ghetto"). Für die Juden endete demnach das Mittelalter - sofern man diesen Begriff mit einem finsteren Zeitalter verbindet - erst mit dem Zeitalter der Aufklärung  im 17. / 18. Jahrhundert. Jedoch erscheint es zu vereinfacht, wenn man glaubt, dass das „Licht der Aufklärung“ das „finstere jüdische Mittelalter“ erhellt habe und als Ergebnis habe sich bald darauf die bürgerliche Gleichberechtigung, resultierend aus dem Toleranzgebot der Aufklärung, eingestellt. Aufklärung und Emanzipation (siehe Stichwort "Emanzipation") waren ein langwieriger, komplizierter Prozess und besaßen durchaus eine Ambivalenz für die Juden.

In dem im Jüdischen Museum als Exponat präsentierten Buch von Johann Jodicus Beck, Rechtsprofessor an der Universität Altdorf, beschreibt der Autor 1731 ausführlich für den praktischen Gebrauch das Privatrecht der Juden und ihre Rechtsbeziehungen zur christlichen Umwelt. Menschlichkeit und seit alters verbrieftes Recht verlangen nach Ansicht des Verfassers ihre Duldung. Er wägt dabei die Gründe ab, die für eine rechtliche Gleichstellung sprechen. Die Diskussion um die bürgerliche Integration der Juden verlief analog zur Aufklärung, in einem europäischen Kontext. Siebzehn Jahre vor Beck hatte bereits in England John Toland seine „Reasons for Naturalizing the Jews“ verfasst. Geistig kulturelle Einflüsse begründeten den Fortgang der Emanzipation, konkrete politisch historische Ereignisse wirkten dabei wie ein Katalysator. Das Toleranzpatent Joseph II. (1782) für die habsburgischen Kronländer und erst recht die französische Revolution gossen die bis dato theoretischen Überlegungen in staatsrechtliche feste Formen.

Zur Symbolgestalt der jüdischen Minderheit in Deutschland wurde Moses Mendelssohn (1729-1786). Da Berlin noch keine Universität hatte, traf man sich privat. Das Haus des Philosophen Moses Mendelssohn übte eine große Anziehungskraft auf Gelehrte und Männer mit Bildung aus. Mit Unterstützung von Gotthold Ephraim Lessing und dem Verleger Friedrich Nicolai wurde Mendelssohn zu einer der Zentralfiguren der Aufklärung in Berlin. 1763 setzte er sich gegen Immanuel Kant durch und gewann den ersten Preis des Wettbewerbs der königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Diese wählte 1771 ihn zu ihrem Mitglied. Friedrich II. erhob jedoch Einspruch und verweigerte die Bestätigung. In den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden in Berlin die jüdischen Salons (Henriette Hertz, Rahel Varnhagen), in denen erstmals eine Form „offener Gesellschaft“ praktiziert wurde.

Mit der Haskala entstand eine jüdische Aufklärungsbewegung, die von den sogenannten Maskilim (aufgeklärte Juden) getragen wurde, die auch innerjüdisch wirkte. Zu ihnen gehörten beispielsweise Marcus Herz, David Friedländer und Moses Wessely. Noch bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten die an der Tradition orientierten Juden die Mehrheit. Erst dann stieß sich ein wachsender Teil der deutschen Juden an den traditionellen Formen der Religion und der Rituale. Reformer und ↗ Orthodoxe standen sich in den Gemeinden gegenüber und debattierten heftig über das jüdische Selbstverständnis. So stritt man über die Institutionalisierung der deutschsprachigen synagogalen Predigt oder die Bedeutung und Einrichtung jüdischer Schulen So entstand 1778 die Berliner Freischule, es folgten Schulen in Breslau (1791), Dessau (1799), Seesen (1801), Frankfurt (1804), Wolfenbüttel (1807), Hamburg (1815).

Mit der Gründung des Philanthropins 1804 entwickelte sich in Frankfurt ein Zentrum der jüdischen Reformbewegung. 1794 wurde in jüdischen Gemeindekreisen die Gründung einer säkularen Schule erwogen. Mit Beharrlichkeit trieben die Initiatoren und Mäzene die Gründung des Philanthropins  zielstrebig voran. Unter ihnen befand sich Siegmund Geisenheimer (1775-1828), der Bürovorsteher im Bankhaus Mayer Amschel Rothschilds war. Geisenheimer war ein Anhänger Pestalozzis und Mitglied einer Lesegesellschaft. Mit der Gründung der „orientalischen und okzidentalischen Buchdruckerei“ in Rödelheim durch Wolf Heidenheim und Baruch Baschwitz im Jahr 1799 erhielt das jüdische Verlagswesen enormen Auftrieb. Die „Rödelheimer Druckerei“ wurde über Frankfurt hinaus vor allem bekannt durch den Druck und die Herausgabe von populären Gebetbüchern für Alltag und Feiertage in deutscher Übersetzung. Dadurch erhielt die Verbreitung der deutschen Schriftsprache unter den Juden einen ungeheuren Auftrieb.

Literaturhinweise, Links


http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mendelssohn,_Lessing,_Lavater.jpg

Mendelssohn, Lessing, Lavater . Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim 1856.

Das Bild ist eine von Oppenheim später so konstruierte Szene der Begegnung zwischen den drei Personen. Lessing und Mendelssohn verband eine lebenslange Freundschaft, die ein oder zwei Generationen zuvor kaum vorstellbar gewesen war. Mit der Hauptfigur in dem Stück „Nathan der Weise“ setzte Lessing seinem Freund 1779 ein nachhaltiges Denkmal. Sitzend Johann Caspar Lavater, ein wichtiger Vertreter des aufgeklärten Christentums, der von Mendelssohn erwartete, dass dieser zum Christentum übertrete.


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Letzte Änderung: 21.09.2015