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Mikwe- rituelles Tauchbad

Das rituelle Tauchbad – die Mikwe – gehört zur Standardeinrichtung einer traditionellen jüdischen Gemeinde.

In der Mikwe können Menschen und Geräte, die im spirituellen Sinne „nicht rein“ sind, durch Untertauchen in fließendem, lebendigem Wasser, das nicht von Menschenhand geschöpft wird, spirituell „rein“ werden. Die Vorstellung, durch Untertauchen in oder Berührung mit Wasser zu einem kultisch reinen Zustand zu gelangen, gibt es auch in anderen Religionen. Die Mikwe hat in keiner Weise mit Körperpflege zu tun, sondern mit der Reinigung der Seele als religiöser  Akt durch eine Art „Heiligungswasser“. Das Wort Mikwe stammt aus dem Hebräischen und bedeutet wörtlich Wasser-Ansammlung. Eine Mikwe muss ein Mindestvolumen von 800 Litern umfassen. Ihr Wasser muss „lebendiges“ Wasser aus einer Quelle, einem Fluss oder auch Regenwasser sein. Es darf nicht von Menschenhand geschöpft sein.

Genaue Vorschriften zur Benutzung der Mikwe nach einem festliegenden Ritual bestehen für Frauen vor der Hochzeit, nach der Menstruation und nach der Geburt eines Kindes. Mit dem Einsetzen der Menstruation gilt die Ehefrau als „Nidda“, als „Abgesonderte“, sie wird kultisch unrein. Diese Vorstellung findet sich in zahlreichen Kulturen. Die religiösen Vorschriften sind in der „Mischna“, den Niederschriften der mündlichen Thora, zu finden, in den Traktaten Mikwaot und Nidda. Einem Ehepaar ist der Geschlechtsverkehr für die Zeit der Menstruation und der darauf folgenden Woche aus rituellen Gründen nicht möglich. Heute wird dies nur von streng religiös lebenden Ehepaaren eingehalten. Rabbiner Henry Brandt beschreibt die Wirkung dieser Lebensweise: Es „lässt sich zugunsten des Tauchbades sagen, dass es in Intention und Praxis die Beziehung zwischen den Geschlechtern heiligt und auf eine höhere Ebene der Erfahrung verlagert. Hier werden Disziplin und Selbstbeherrschung durch ein immer sich wiederholendes Aufeinandertreffen in Reinheit und Freiheit gekrönt.“ (Altaras, S. 4) Für den Besuch der Mikwe gibt es  für Frauen einen festliegenden Ablauf. Die Mikwen-Frau, Balanit genannt, steht der Frau zur Seite und achtet darauf, dass das Untertauchen den religionsgesetzlichen Bestimmungen entspricht.  Vor dem eigentlichen Tauchbad in der Mikwe, in alten Quellen als „Kaltes Bad“ bezeichnet, muss die Frau ein intensives, äußerst penibles Reinigungsbad zur Körperreinigung, das „Warme Bad“, nehmen.

Auch bei feministischen Jüdinnen spielt die Mikwe eine Rolle, ermöglicht sie ihnen in der Rück- und Neubesinnung auf jüdische Tradition das Nidda-Gesetz als Bereicherung ihrer Beziehungen zu erleben oder sie auch als Ritual für wichtige Ereignisse im Leben zu nutzen . Obwohl die Mikwe auch landläufig gerne „Frauenbad“ genannt wird, ist damit nicht ihre vollständige Funktion erfasst. Bei allen Richtungen des Judentums ist das Untertauchen in der Mikwe ein absolutes Muss und zwar beim Übertritt eines Mannes oder einer Frau zum Judentum. Hierbei stellt das rituelle Tauchbad den letzten Schritt des Übertritts dar.

Männern ist die Benutzung der Mikwe im Allgemeinen nur empfohlen. Vor allem orthodox lebende jüdische Männer gehen vor dem Schabbat, vor hohen religiösen Feiertagen in die Mikwe. Für strenggläubige Männer, die für die Verstorbenen und für deren Beerdigung zuständig sind, wird das Tauchbad in Mikwe nach der Berührung von Toten notwendig. Ebenso nach einer Geschlechtskrankheit. Gebrauchs-Gegenstände, die neu erworben oder rituell verunreinigt sind, werden durch Untertauchen koscher, sie werden gekaschert, d.h. sie können in der rituellen jüdischen Speisezubereitung benutzt werden.   In Deutschland gibt es zahlreiche historische Mikwen.  Immer wieder werden auch alte zugeschüttete Tauchbecken früherer Mikwen in der Nähe des Standortes ehemaliger Landsynagogen ausgegraben. Hier ist mit weiteren Funden zu rechnen. In Jüdischen Museen wie beispielsweise in Frankfurt, Fürth und Hohenems sind (frühere) Mikwen zu sehen. Waren im Mittelalter vor allem Grundwasser-Mikwen in Benutzung, so wurden ab dem 19. Jahrhundert häufig auch Regenwasser-Mikwen installiert. Bedeutende romanische Mikwen befinden sich u.a. in Speyer, Köln und Worms. Die gotische Mikwe im hessischen Friedberg ist „als Turm in die Tiefe“ ein Monumental-Bauwerk des 13. Jahrhunderts. Sie kann als „monumentalste Mikwe der Welt“ bezeichnet werden.




Mikwe im Tempel Beth-El in Birmingham(Copyright Wikicommons)


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Letzte Änderung: 21.09.2015