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Stichwort des Monats
Volksgemeinschaft

Das Wort Volksgemeinschaft ist untrennbar mit dem Nationalsozialismus verbunden. In einem Schulungstext für die SA von 1934 heißt es: „Volksgemeinschaft ist die einzige politische Gemeinschaft. Alles, was wir tun, soll zum Segen des deutschen Volkes sein. (…) Wir kämpfen und opfern für unser deutsches Volk. (…) Volksgemeinschaft ist die feste, unlösliche Verbundenheit des ganzen Volkes. Das Volk ist ein natürlicher Organismus.“ (Hannsjörg Männel, Politische Fibel. Richtlinien für die weltanschauliche Schulung der S.A., 1934, S. 37)

Diese Gemeinschaft baut nicht auf gemeinsame Werte oder auf Verträge, sondern sie wird als naturgegeben betrachtet. Dies bringt notwendig mit sich, dass diejenigen nicht zur Volksgemeinschaft gehören können, die von den „Volksgenossen“ als fremd eingestuft werden. Es ist also eine rassistische Konzeption. Sie wurde in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung akzeptiert. Die meisten Deutschen folgten dem NS-System ohne Druck und aus freier Entscheidung. Für das Verständnis dieser Teilnahme ist es grundlegend, die Vorstellungen und Angebote des Nationalsozialismus an die Einzelnen zu untersuchen. Die Konzeption der Volksgemeinschaft ist dazu ein Schlüssel.

Die Forschungen von Michael Wildt bieten sowohl analytisch als auch durch den von ihm erschlossenen Quellenkorpus dafür eine gute Grundlage. Sie untersuchen im Unterschied zu früheren Forschungen die Dynamik der deutschen Gesellschaft in der Durchsetzung und im Vollzug der nationalsozialistischen Herrschaft.

Aus pädagogischer Sicht bieten die damit verbundenen Fragen danach, wie soziale Inklusion und Exklusion konkret für alle Beteiligten verläuft, ein Feld für die Verbindung von historischen und aktuellen Themen. Die Beschäftigung mit dem Konzept und der Realität der NS-Volksgemeinschaft bietet die Möglichkeit, ausgehend von der historischen Information über ihre Verweigerung, Fragen der Rechtsverhältnisse, der Menschen- und Bürgerrechte zu behandeln.
„Ohne Zweifel war das Herstellen der Volksgemeinschaft ein Prozess sozialer Inklusion, die durch Gleichheitsversprechen, ökonomische Bereicherung und symbolische Anerkennung getragen wurde. Zugleich aber bedeutete Volksgemeinschaft diktatorischen Zwang, Konzentrationslager und Geheime Staatspolizei.“ (Wildt, S. 12) Dem korrespondierte die aggressive und systematische rassistische und antisemitische Exklusion. Michael Wildt betont den zentralen Stellenwert des Antisemitismus für das nationalsozialistische Volksgemeinschaftsprojekt. „Die Exklusion der deutschen Juden aus der Volksgemeinschaft (…) zog nicht bloß eine antisemitische Grenze, ohne den nicht-jüdischen Teil anzutasten. Diese alltägliche Exklusionspraxis veränderte die Gesellschaft selbst.“ (Wildt, S. 13; vgl auch. S. 361) Sie war es, die aus dem rechtsstaatlich verfassten Staatsvolk die rassistisch und antisemitisch legitimierte Volksgemeinschaft machte.

Der Novemberpogrom 1938 wird in dieser Sicht als Ergebnis dieser Selbstermächtigung der Mehrheit und der damit verbundenen Zerstörung rechtsstaatlicher Normen verständlich: „…die Rechtsordnung [war] zugunsten einer Gewaltordnung zurückgedrängt.“ (Wildt, S. 24) Im Ergebnis machen die gewaltsamen Angriffe in unterschiedlichsten Orten des Deutschen Reiches im Lauf des Jahres 1938 als Juden definierte Menschen zu rechtlosen Personen. „Juden konnten in aller Öffentlichkeit beraubt, misshandelt, geschlagen, getötet werden, ohne dass die staatlichen Ordnungskräfte einschritten oder die Täter anschließend mit Strafe rechnen mussten. Damit war die Schwelle überschritten, hinter die trotz aller Bemühungen des Regimes, einen solchen Pogrom nicht zu wiederholen, nicht mehr zurückzugehen war. Mit dem Novemberpogrom waren die Ermächtigung zur Gewalt auf der einen und die Erfahrung absoluter Ohnmacht auf der anderen Seite der jüdischen Opfer unhintergehbar geworden.“ (Wildt, S. 347)

Die Wirkungen dieser sozialen Erfahrungen und eingeübten Haltungen wurden nicht nur im Vollzug des Holocaust und im Zweiten Weltkrieg deutlich. Sie prägten auch die deutsche Nachkriegsgesellschaft.


Literaturhinweise und Links


Bajohr/Wildt: Volksgemeinschaft


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Letzte Änderung: 21.09.2015