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Stichwort des Monats
Zionismus

Die Idee des Zionismus speiste sich aus verschiedenen Quellen:
1. aus einer traditionellen religiösen Orientierung auf die Rückkehr nach Israel, die in dem alljährlichen Wunsch am Ende des Pessach-Festes „Nächstes Jahr in Jerusalem“ ihr Ritual gefunden hatte; 2. aus einer Reaktion auf den neuen Antisemitismus in Europa; und 3. aus der damals im Zeitalter des Imperialismus verbreiteten Vorstellung von Siedlungsprojekten, in denen eine neue Gesellschaft entstehen konnte.

In Deutschland hatte sich 1891 der Kölner Rechtsanwalt Max Bodenheimer in einer anonymen Druckschrift für jüdische Ackerbaukolonien in Syrien und Palästina ausgesprochen. Bereits früher waren Ideen im Umlauf, die den Blick der Juden verstärkt auf Palästina und Jerusalem lenkten. 1862 rief Moses Heß, ein früherer Weggefährte von Karl Marx, in seinem Buch „Rom und Jerusalem“ zur Gründung eines jüdischen Staates auf.

Der Rabbiner Zwi Hirsch Kallischer (1795-1874) aus Thorn, nahe der Grenze Preußens zum russisch beherrschten Polen, entwickelte seine Auffassung von der Besiedlung Palästinas in einem Buch, das ebenfalls 1862 zunächst auf Hebräisch, wenig später auf Deutsch erschien. Er vertrat die These, dass die Wiederbesiedlung des Landes und sogar die Wiederherstellung des Opfergottesdienstes schon vor der Ankunft des Messias unternommen werden könne. Seine Auffassungen fanden bei seinen orthodoxen Rabbinerkollegen keine Billigung. Der russische Arzt Leon Pinsker (1821-1891) schrieb 1882 unter dem Eindruck der Pogrome in seinem Heimatland das Buch „Auto-Emancipation“. Die Ermordung Zar Alexanders II. im Jahr 1881 in Russland war das Signal für ein Pogrom gegen die Juden gewesen und führte zu einer Massenauswanderung. Mehr als zwei Millionen russische Juden verließen in den folgenden vier Jahrzehnten ihre Heimat und zogen in erster Linie nach Nordamerika. Pinsker sah die Emanzipation als gescheitert an und forderte stattdessen die Selbstemanzipation der Juden als Nation – diese könne nur außerhalb des europäischen Kontinents erfolgen.

Der Begriff „Zionismus“ wurde 1890 von dem jüdischen Wiener Schriftsteller Nathan Birnbaum geprägt. Birnbaum hatte 1885 eine Zeitschrift mit dem Titel „Selbstwehr“ ins Leben gerufen. Bereits drei Jahre zuvor war er mit der ersten national-jüdischen Studentenverbindung in Erscheinung getreten.
Zum Fahnenträger des Zionismus wurde der Budapester Journalist Theodor Herzl. Als Achtzehnjähriger übersiedelte er mit seiner Familie nach Wien. Er publizierte in seiner Muttersprache Deutsch 1896 die programmatische Schrift „Der Judenstaat“, in der er sich für die Gründung eines jüdischen Nationalstaats aussprach. Dabei war Herzl in seinen Überlegungen hinsichtlich eines jüdischen Staates zunächst nicht nur auf Palästina fixiert. Seine säkularen Vorstellungen mündeten in die kolonialen Überlegungen Argentinien als Alternative in Betracht zu ziehen.

Im August 1897 lud Theodor Herzl zum 1. Zionistischen Weltkongress nach Basel ein. Zunächst war an München als Tagungsort gedacht worden. Die Münchener Jüdische Gemeinde sprach sich jedoch gegen die Abhaltung des Kongresses aus, da sie wenig Sympathien für die zionistischen Ideen hegte und befürchtete, dass in Deutschland die nationale Zuverlässigkeit und der Patriotismus der Münchener Juden in Frage gestellt würde.

Noch im gleichen Jahr gründete sich in Deutschland die Zionistische Vereinigung für Deutschland (ZVfD). Auf dem Basler Kongress stimmten 196 Delegierte aus 16 Ländern der Resolution zu: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlichen gesicherten Heimstätte in Palästina.“
Realisierungsmöglichkeiten des zionistischen Projektes wurden erst unter den Bedingungen des Ersten Weltkriegs konkret. Doch dies sollte Herzl nicht mehr erleben, er starb 1904. Bis 1914 organisierten sich in 450 zionistischen Ortsgruppen fast 10 000 Mitglieder in Deutschland. Nicht alle deutschen Zionisten vertraten einen stringenten jüdischen Nationalismus, der eine Auswanderung vorsah. Viele deutsche Zionisten der ersten Generation plädierten für ein selbstbewusstes Judentum, das in einer Welt der ↗ Akkulturation erkennbar bleiben sollte. Numerisch blieben die Zionisten innerhalb des deutschen Judentums in der Minderheitenposition. Von 10 000 Mitgliedern, die der Verband auch in der Weimarer Republik zählte, wanderten ca. 2000 nach Palästina aus, von denen allerdings die Hälfte wieder zurückkam. Doch die Entwicklung in Deutschland nach 1933 schien der zionistischen Vision recht zu geben.

Das „Baseler Programm“ blieb die Leitlinie des zionistischen Wirkens bis zur Gründung des Staates Israel 1948. Zur Umsetzung initiierte Herzl die Gründung der Zionistischen Weltorganisation (ZWO). Zur Finanzierung des Landkaufs und der Besiedlung Palästinas gründete die ZWO 1899 die Jüdische Kolonisationsbank, 1901 den Jüdischen Nationalfonds, 1908 die Gesellschaft zur Entwicklung Palästinas und 1921 den Jüdischen Stiftungsfonds.


Literaturhinweise

Zum Bild:
www.vor-dem-holocaust.de (Suche >Betzenrod)


Junge Menschen bereiteten sich In Betzenrod (Hessen) mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung und einer religiösen Weiterbildung auf ein Leben in Palästina vor (1924-1927). © Archiv HaKibbutz HaDati - Kibbutz Yavne.


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Letzte Änderung: 21.09.2015