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Stichwort des Monats
Fußball

Vor 80 Jahren, am 12. Juni 1932 spielten Eintracht Frankfurt und Bayern München das Endspiel zur deutschen Fußballmeisterschaft aus. Das Finale bescherte dem FC Bayern München die erste deutsche Meisterschaft (2:0) in seiner Vereinsgeschichte. Beide Clubs galten in ihrer damaligen Zeit als „Judenclubs“. Die Bayern wurden von Richard Kohn trainiert, der 1933 emigrierte. Bayern-Präsident war Kurt Landauer, der die Geschicke des Clubs über Jahre erfolgreich steuerte. Die Frankfurter „Schlappekicker“ erfreuten sich der Unterstützung der weltgrößten Hausschuhfabrik, der Firma J. C.A. Schneider, die im Nationalsozialismus „arisiert“ wurde. Schatzmeister der Eintracht war Hugo Reiß.

Das Konzept der bürgerlichen Gesellschaft fand für Juden in Fußballvereinen in besonderer Weise Resonanz. Der Fußballsport ließ - im Gegensatz zur deutschen Turnerschaft - Juden Vorstandsmitglieder oder Vereinspräsidenten werden. Die aus England importierten Werte wie „fair play“ und Toleranz machten das Spiel attraktiv für jüdische Fußballbegeisterte.

Jüdische Fußballpioniere trugen entschieden zur Prägung des Fußballsports in Deutschland und über seine Grenzen hinaus bei. Seine Völker verbindende Kraft erkannten schon Walther Bensemann und Hugo Meisl. Bensemann initiierte 1899 als Student die ersten „Urländerspiele“ zwischen Frankreich und Deutschland, noch vor der Gründung des Deutschen Fußball Bundes (1900). Auf Walter Bensemann geht auch „Der Kicker“ zurück. Er rief die erste Fußballzeitschrift ins Leben, deren alleiniger Inhaber, Herausgeber und Chefredakteur er war. Seine Zeitschrift diente Bensemann als Sprachrohr, um die Völker verbindende Kraft des Sports zu propagieren. Aus diesem Grund war er oft antisemitischen Angriffen ausgesetzt. Nach der „Arisierung“ seines Nürnberger Verlages 1933 lebte er mittellos im Schweizer Exil, wo er 1934 in Montreux verstarb.

Auf Hugo Meisl geht die Idee des Mitropa Cup (Mitropa=Mitteleuropa), des Vorläufers des UEFA-Pokals zurück. Dieser wurde erstmals 1927 mit Mannschaften aus Österreich, Ungarn, Jugoslawien und der Tschechoslowakei ausgespielt. Als Trainer führte Hugo Meisl das österreichische „Wunderteam“ zu großen Erfolgen. Sein Bruder Willy Meisl war einer der angesehensten Sportjournalisten. Er scheute sich nicht den Antisemitismus im Fußball anzuprangern. Als Antwort auf den Boykott von Geschäften jüdischer Inhaber am 1. April 1933 erschien in der renommierten Vossischen Zeitung ein Artikel von ihm, der die bedeutendsten Leistungen der jüdischen Sportler pries.
Die Beschäftigung mit Fußball-Geschichte und deren Bedeutung für die jüdische Geschichte wurde in den letzten Jahren zu einem ernst zu nehmenden Untersuchungs- und Publikationsgebiet. Im Sport spiegeln sich immer sozialer Wandel sowie ökonomische und politische Veränderungen in der Gesellschaft wider.

Ein Beispiel dafür ist die Tätigkeit von Juden als Fußballvereinspräsidenten. So prägte Kurt Landauer die Geschichte des FC Bayern München. Er war von 1913 bis 1914, 1919 bis 1933 und von 1947 bis 1951 Präsident des Vereins, für den er schon als Spieler aktiv war. Auch der FSV Frankfurt hatte jüdische Vereinspräsidenten vor 1933: David Rothschild und Alfred J. Meyers. Der unvergessene TV-Moderator Hans Rosenthal war von 1963 bis 1973 Präsident von Tennis Borussia Berlin.

Kurt Landauer wurde nach dem Novemberpogrom für vier Wochen ins KZ Dachau eingesperrt. Nach seiner Freilassung gelang ihm die Emigration nach Genf. Rothschild emigrierte 1933 nach Stockholm, wo er 1936 starb. Sein Nachfolger im Amt des FSV-Präsidenten, Alfred J. Meyers, ein I.G.-Farben-Direktor und der „Baumeister“ des FSV-Stadions „Bornheimer Hang“ sowie Schatzmeister Siegbert Wetterhahn mussten Deutschland ebenfalls verlassen und fanden Zuflucht in den USA. Hans Rosenthal wurde während der NS-Zeit zu Zwangsarbeit herangezogen, tauchte 1943 unter und überlebte in einem Versteck in einer Berliner Kleingartenanlage.

Gus' Manning könnte man als einen der Väter des „Wunders von Bern“ bezeichnen. Der als Gustav Rudolf Mannheimer geborene gründete den Freiburger FC und die Fußballabteilung des MTV 1879 München, den Vorgänger des FC Bayern München. Für die USA wurde er viele Jahre später erstes FIFA-Exekutiv-Mitglied und Begründer des amerikanischen Soccer-Dachverbandes. 1950 befürwortete „Gus“ Manning auf dem Fußball Weltkongress in Rio de Janeiro die Wiederaufnahme Deutschlands in die FIFA.

Die jüdischen Fußballer und Funktionäre sollen nicht vergessen werden. In Erinnerung an den aus dem Karlsruher FV ausgeschlossen und 1943 in Auschwitz ermordeten Nationalspieler Julius Hirsch wird seit 2005 der vom Deutschen Fußball Bund gestiftete Julius Hirsch-Preis vergeben.



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Letzte Änderung: 21.09.2015