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Stichwort des Monats
Antisemitismus heute

Im August 2011 veröffentlichte das Bundesministerium des Inneren den Bericht eines von ihm berufenen unabhängigen Expertenkreises „Antisemitismus in Deutschland. Erscheinungsformen, Bedingungen, Präventionsansätze“.
Der Bericht unterscheidet zunächst zwischen dem Antisemitismus als Begriff und Antisemitismen, die in unterschiedlichen Erscheinungsformen und Kontexten auftreten.

„Drei Kriterien hält der Expertenkreis für maßgeblich: Erstens, Antisemitismus meint Feindschaft gegen Juden als Juden, das heißt der entscheidende Grund für die artikulierte Ablehnung hängt mit der angeblichen oder tatsächlichen jüdischen Herkunft eines Individuums oder einer Gruppe zusammen, kann sich aber auch auf Israel beziehen, das als jüdischer Staat verstanden wird. Zweitens, Antisemitismus kann sich unterschiedlich artikulieren: latente Einstellungen, verbalisierte Diffamierungen, politische Forderungen, diskriminierende Praktiken, personelle Verfolgung, existenzielle Vernichtung. Drittens, Antisemitismus kann in verschiedenen Begründungsformen auftreten: religiös, sozial, politisch, nationalistisch, rassistisch, sekundär und antizionistisch.“ (Expertenbericht, S. 10) Unter „sekundärem Antisemitismus“ wird die Behauptung verstanden, „die Juden“ würden aus dem Holocaust Profit schlagen. In Deutschland spielt der Antisemitismus in der öffentlichen Wahrnehmung eine große Rolle. Dies ist eine Selbstverständlichkeit – nicht nur als Konsequenz aus der Erfahrung des Holocaust. Die sozialwissenschaftliche Erforschung antisemitischer Haltungen macht allerdings deutlich, dass diese Form der „Menschenfeindlichkeit“ statistisch keineswegs stärker vertreten ist als der Rassismus. Die Isabell Enzenbach, Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, betont, dass bei statistischen Untersuchungen unterschiedlichen Spielarten des Antisemitismus jeweils unterschiedlich hohe Zustimmungsraten erhalten, die man auch als „Denkmuster“ bezeichnen kann.

Pädagogische Konzepte müssen von der Unterscheidung zwischen Rassismus und Antisemitismus ausgehen. Monique Eckmann (Soziologin an einer pädagogischen Fachhochschule in Genf) macht das deutlich:

„Gemeinsam ist beiden die Ideologie der Ungleichwertigkeit und es gibt, so der Historiker Fredrickson , gemeinsame Wurzeln von Rassismus und Antisemitismus in einer weißen, christlichen Überlegenheitsideologie, die als Legitimierung zur Herstellung einer ‚rassistischen Ordnung’ dient. In dieser Argumentation steht also die Gruppe im Mittelpunkt, die den rassistischen Diskurs konstruiert, nicht diejenigen, die Objekt der Aggression sind.
Es gibt jedoch auch wichtige Unterschiede zwischen Rassismus und Antisemitismus, die hervorzuheben sind, vor allem was Diskursfiguren und Mechanismen betrifft. Sie sprechen dafür, die zwei Phänomene auch manchmal getrennt anzugehen. Wo Rassismus Ungleichheit und Unterlegenheit des „Andern“ betont, beruht Antisemitismus vor allem auf Verschwörungstheorien und Vorstellungen von der Übermacht der Juden.“ (Eckmann, S. 45)

Pädagogisch folgt aus dieser Überlegung, dass es je spezifischer Formen der Auseinandersetzung bedarf, um an den Haltungen und Affekten zu arbeiten. Verfolgt man die Nachrichten über antisemitische Ereignisse in den deutschen Medien, so entsteht leicht der Eindruck, dass vor allem als „muslimisch“ bezeichnete Personen judenfeindliche Haltungen hätten und Aktivitäten entfalteten. Dieser Eindruck entspricht nicht den Feststellungen der sozialwissenschaftlichen Forschung. Es gibt über die reale Bedeutung des islamistischen Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft keine statistisch belastbaren Forschungsergebnisse. Die Forschungsgruppe „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ an der Universität Bielefeld beschreibt das Problemfeld als ausgesprochen vielschichtig. Die Formen und Intensitäten von menschenfeindlichen Haltungen sollten für jede konkret oder noch genauer für jede einzelne Person angeschaut werden. Es gibt keine „eindeutige“ Definition von Antisemitismus. Aber der Bericht der Expertenkommission stellt vor dem Hintergrund der Erfahrungen verschiedener pädagogischer Projekte fest:

„Insbesondere für die pädagogische Arbeit erscheint es wichtig festzustellen, dass sich Jugendliche – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – häufig antisemitischer Stereotype eher als Gruppenzugehörigkeitsmerkmal bedienen, als dass dies auf eine verfestigte Weltanschauung hindeuten würde. In jedem Fall aber bieten antisemitische Zuschreibungen für Jugendliche, die eigene Diskriminierungserfahrungen kompensieren wollen, einfache Erklärungen für komplexe wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Sachverhalte, denen sie sich hilflos ausgesetzt fühlen.“ (Expertenbericht, S. 83)
Es sind also keine einfachen Lösungen zu erwarten. Sicher ist aber, dass religiöse Einstellungen eher wenig mit der Ausprägung antisemitischer Haltungen zu tun haben. Viel wichtiger ist die zumeist von geringer Faktenkenntnis getragene Positionierung zum Nahost-Konflikt, der oft kompensatorisch zur Projektionsfläche des Antisemitismus wird. Dies ist ein Arbeitsfeld, auf dem Bildungsarbeit Einflussmöglichkeiten hat. Die Kenntnisse über die Geschichte des Nahen Ostens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind nicht nur bei Schülern, sondern auch bei Lehrkräften sehr gering. Für die pädagogische Arbeit zum Thema Antisemitismus finden sich die wesentlichen Kontaktmöglichkeiten auf der Website der Amadeu Antonio- Stiftung:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/die-stiftung-aktiv/gegen-as/


Antisemitismus-Studie 2012


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Letzte Änderung: 21.09.2015