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Oskar Schindler und Frankfurt

Für Frankfurt kann es als Glücksfall gelten, dass Oskar Schindler viele Jahre seines Lebens in dieser Stadt verbracht hat. Bei der Einweihung der Gedenktafel für Oskar Schindler (1908-1974) am Haus gegenüber dem Hauptbahnhof sprach Probst Dieter Trautwein 1996 folgende Worte:

„Wie sehen heute Eure Zeichen der Zivilcourage aus für Menschen, die ins Abseits gestellt und abgeschrieben werden: Kinder, Jugendliche, Fremde, Alte, Arbeitslose . . . ? Mein Wunsch: Möge diese Gedenktafel uns daran erinnern, dass dieser einstige Mitbürger durch sein Leben und Tun unsere Zeit heute qualifiziert hat in Richtung auf eine neue Qualität des Miteinanders von Juden, Christen Muslimen und anderen Menschen hier bei uns“ (S. 304).

Durch den Film „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg aus dem Jahr 1993 wurde er weltberühmt: der deutsche Fabrikbesitzer, der unter Einsatz seines Lebens und seines gesamten Vermögens fast 1200 Juden vor dem sicheren Tod im Vernichtungslager Auschwitz rettete. Dabei wandelte er sich im Laufe der Geschichte vom Kriegsgewinnler und Spion der Nazis zum Lebensretter.

Der kanadische Journalist Herbert Steinhouse war der erste, der die Geschichte von Oskar Schindler recherchiert hatte. Er war 1949 auf Schindlers Vertrauten Isaak Stern getroffen, der ihm zum ersten Mal die unglaubliche Rettungsgeschichte über Oskar Schindler erzählt hatte. Steinhouse arbeitete damals für die Not- und Wiederaufbauhilfe Organisation der Vereinten Nationen. Er besuchte zunächst skeptisch Oskar und Emilie Schindler in deren Regensburger Wohnung.  Im Verlauf von sechs Wochen erzählte Schindler, was er getan hatte, um „seine“ Juden zu retten. Steinhouse schrieb daraufhin einen langen Artikel, den er vergeblich versuchte zu öffentlichen. Von seinem Agenten hörte er, dass Zeitschriften kein Interesse mehr an Artikeln über die Judenvernichtung und über „gute Deutsche“ hätten. So kam es, dass Steinhouses Reportage erst im Jahr 1994 publiziert wurde, als Spielbergs Film für ein entsprechendes Medienecho gesorgt hatte.

Oskar Schindler lebte von 1957 bis zu seinem Tod 1974 in Frankfurt, ohne dass die Öffentlichkeit von ihm viel Notiz nahm. Zuvor hatte Schindler einige Jahre (1949-1957) in Argentinien verbracht, wo er erfolglos versucht hatte sich eine neue Existenz aufzubauen. Auch in Deutschland waren seine unternehmerischen Versuche nicht vom Erfolg gekrönt. 1962 kaufte er ein Beton- und Kunststeinwerk in Hochstadt am Main. Nach einem extrem kalten Winter ging das Unternehmen  innnerhalb eines Jahres bankrott. Auch kam es zu antisemitischen Vorfällen; Arbeiter seiner Firma griffen ihn körperlich an, ein Geschäftspartner beschimpfte ihn als „Judenfreund“. Schließlich erlitt er einen Herzanfall, der ihn fast umbrachte.

1966 wurde der damalige evangelische Stadtjugendpfarrer und spätere Probst, Dieter Trautwein, auf Oskar Schindlers Namen und seine Geschichte in Yad Vashem aufmerksam. Er suchte daraufhin Schindler auf, zu einer Zeit als nur wenige Menschen von Schindlers Rettungstaten Notiz nahmen. Im folgenden Jahr nahm Schindler an einer Podiumsveranstaltung am Tag der Evangelischen Jugend in Frankfurt teil. Nach der Veranstaltung berichteten Zeitungen und der Hessische Rundfunk über die Rettungsaktion Schindlers. Doch seine Taten wurden nicht dauerhaft in einer breiten Öffentlichkeit wahr genommen, wenngleich seit dem Auschwitzprozess (1963-1965) eine Öffentlichkeit für die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen vorhanden war.
Zwischen 1962 und 1972 sagte Schindler in fünf Ermittlungsverfahren gegen nationalsozialistische Gewaltverbrecher aus. Die meisten dieser Ermittlungsverfahren wurden eingestellt, da die nötigen Beweismittel als unzureichend angesehen wurden oder der Angeklagte nicht vernehmungsfähig war. Als in Frankfurt der Auschwitzprozess stattfand, gehörte Schindler zu einem Kreis von Bürgern, die dort auftretende Zeugen, vor allem Überlebende, begleiteten und betreuten.

1976 wurde am nördlichen Ortsrand von Frankfurt eine kleine Straße zu Ehren von Oskar Schindler benannt. 1996 wurde nach einer Feierstunde im Frankfurter Römer eine Gedenktafel am Haus „Am Hauptbahnhof 4“, seinem letztem Wohnsitz angebracht. Am 9. November 2003 eröffnete das Frankfurter Jüdische Museum in den Räumlichkeiten seiner „Dependance“, dem Museum Judengasse, das Oskar und Emilie Schindler Lernzentrum. In der dortigen Ausstellung sind auch Auszüge aus dem Bericht Steinhouses nachzulesen.


©Trautwein

Von links: Oskar Schindler und Dieter Trautwein bei einem Besuch in Israel 1971/72 (©Foto: Trautwein)


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Letzte Änderung: 21.09.2015