Sehr geehrte Besucher,
Sie benutzen den Internet Explorer in der Version 6 oder kleiner. Dieser Browser ist mehr als 10 Jahre alt und wird von unserer Website nicht mehr unterstützt. Es kann daher zu Darstellungsproblemen kommen.

Um unsere Website in Ihrer vollen Schönheit betrachten zu können, bitten wir Sie, Ihre Browsersoftware zu aktualisieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
background image
Header Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
Logo Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
      
Stichwort des Monats
Frankfurt - Zufluchtsort für jüdische Verfolgte in der NS-Zeit

Die Großstadt Frankfurt am Main wurde in den Jahren der NS-Verfolgung - insbesondere ab Herbst 1935 - für die jüdische Bevölkerung aus dem weiten Umland zu einem Ort der Zuflucht. Mit zunehmender Verfolgung in den umliegenden ländlichen Regionen wurde der Zufluchtsort Frankfurt immer bedeutender. Die relativ geschützte Lebensmöglichkeit in der Großstadt mit ihrer Anonymität und ihren Ausweichmöglichkeiten ließ ein weniger bedrohtes Leben als auf dem Lande zu. Die jüdischen Organisationen bauten bedeutende Selbsthilfe-Projekte auf. So entwickelte sich Frankfurt zu einem Ausbildungszentrum für Kinder und Jugendliche sowie zu einem Versorgungszentrum für alte Menschen.

Ausbildungsort für Kinder und Jugendliche
Unter den Jugendlichen in den jüdischen Landgemeinden herrschte große Not: Für sie gab es keinerlei reguläre Ausbildungsmöglichkeiten. Im April 1936 wurde die „Anlernwerkstatt“, ein großes Ausbildungszentrum für etwa 130 Jugendliche und ein Umschulungszentrum für junge Erwachsene in einem leerstehenden Fabrikgebäude in der Fischerfeldstraße 13 eingerichtet. Jungen wurde nach der Beendigung ihrer Schulzeit in einem eineinhalbjährigen Kurs die Möglichkeit geboten, handwerkliche Grundkenntnisse in den Werkstätten Schlosserei, Schweißerei, Feinmechanik und Schreinerei zu erlernen und sich geistig fortzubilden. Nach der beabsichtigten Auswanderung sollten diese Kenntnisse dazu beitragen, ihren Lebensunterhalt im Land der Zuflucht verdienen zu können. Mädchen wurden hauswirtschaftlich und auch landwirtschaftlich ausgebildet. Zur Unterbringung der Jugendlichen wurden Heime verschiedener religiöser Ausrichtung geschaffen.

Zufluchtsort für alte Menschen
Für die nach der Auswanderung ihrer Kinder zurückbleibenden alten Menschen mussten Altersheime eingerichtet werden. In der Wöhlerstraße 6, später auch 8 und 13, wurde ein Altersheim gegründet, das sich zur größten Einrichtung dieser Art in Frankfurt entwickeln sollte. Weitere Altersheime und auch privat geführte Altenpensionen entstanden, die wiederum auch Ausbildungs- und Arbeitsplätze für jüdische Frauen boten. In den Jahren „nach der Kristallnacht“ wurde diese Funktion Frankfurts als Zufluchtsort für alte Menschen vom Lande immer wichtiger.

Flucht nach Frankfurt während des Novemberpogroms 1938

Zuflucht in Frankfurt nach dem Novemberpogrom 1938
Auch noch Monate später hielt dieser Zustrom nach Frankfurt an. Das Leben in den Heimatorten bot für viele Familien nach den gewalttätigen Ausschreitungen und der KZ-Haft der jüdischen Männer keine Perspektive mehr. Frankfurt entwickelte sich immer mehr zum Zufluchtszentrum. Die Funktion als Ausbildungszentrum verstärkte sich weiter. Kinder besuchten die jüdischen Schulen und lebten im Kinderheim im Röderbergweg 87, das sich zur bedeutendsten Institution entwickelte. Die Schulen und Kinderheime wurden für die dort arbeitenden und lebenden Menschen zu „Inseln jüdischen Lebens“ inmitten einer feindlichen Umwelt. Auch als Arbeitgeber für Jugendliche  und Erwachsene waren sie wichtig. In diesen Jahren war es eine ungeheure Leistung der jüdischen Lehrer, Erzieher, Betreuer und Fürsorger, den Kinder irgendwie Geborgenheit, Liebe, Unterstützung  zukommen zu lassen, während sie alle wegen ihrer meist vergeblichen Bemühungen um ihre Auswanderung in oft tiefer Verzweiflung waren. In den Kinder- und Jugendheimen, auch in den Schul- und Ausbildungsklassen, gab es eine starke Fluktuation von Kindern und Erwachsenen, viele wanderten aus, die Zurückbleibenden hatten bittere Gefühle. Durch die Raumnot und die Zunahme der Anzahl der zu Versorgenden verschlechterten sich die Lebensbedingungen in den Kinder- und Jugendheimen immer weiter. Die „Inseln jüdischen Lebens“ in Frankfurt wurden durch die Auflösung und Zusammenlegung von Heimen und Institutionen immer kleiner.   In Frankfurt war lediglich ein vorübergehender Aufenthalt von einigen Jahren möglich, Mit dem Beginn der Deportationen im Oktober 1941 wurde deutlich, dass Frankfurt für die jüdischen Menschen aus dem Umland lediglich ein Zufluchtsort für eine begrenzte Zeit gewesen war. Das Leben in der Stadt Frankfurt hatte den Juden aus den Kleinstädten und Dörfern nur eine vorübergehende Milderung der Erniedrigung, Verfolgung und Isolation bieten können. Eine dauerhafte Zuflucht während der NS-Zeit hatte es auch in Frankfurt nicht geben können.


©www.vor-dem-holocaust.de/Harry Loeb


Veranstaltungskalender
September 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  01 02 03
04 05 06 07 08 09 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 24
25 26 27 28 29 30  

Pfeil nach rechtsAA





Pädagogisches Zentrum
Fritz Bauer Institut &
Jüdisches Museum Frankfurt

Seckbächer Gasse 14
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069-212 74237
pz-ffm[at]stadt-frankfurt.de





© ® 1999-2017 Pädagogisches Zentrum
Frankfurt am Main
Letzte Änderung: 21.09.2015