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Aktuelles
Befreiungskriege


Die Beteiligung jüdischer Kriegsfreiwilliger in den Befreiungskriegen 1813-15 gegen die napoleonische Herrschaft vor 200 Jahren, die einen Höhepunkt am 16. -19. Okt. 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig fand, gilt als Beispiel für den jüdischen Patriotismus. Unter den preußischen Juden betrug die Anzahl der Kriegsfreiwilligen 1813/14 etwa 400. Damit lag der Anteil über dem allgemeinen Landesdurchschnitt an Freiwilligen. In manch kleinen Staaten war der Anteil der jüdischen Soldaten noch deutlich höher. In Mecklenburg-Schwerin dienten, prozentual gesehen, etwa dreimal soviele Juden wie Christen als Freiwillige. Das Großherzogtum Frankfurt, in dem damals 20 485 Christen und etwa 3 500 Juden lebten, verzeichnete 591 Freiwillige, darunter 30 Juden. Insgesamt wird die Zahl der jüdischen Kriegsteilnehmer in den deutschen Staaten auf über 800 geschätzt. Das Phänomen militärischer Beteiligung von Juden im deutschsprachigen Raum war nicht gänzlich neu. Der österreichische Kaiser Joseph II. verpflichtete im Rahmen seiner Reformpolitik auch jüdische Untertanen zum Militär. So wird geschätzt, dass zwischen 1788 und 1815 nicht weniger als 36 200 Juden im kaiserlichen Heer gedient hatten, davon 35 000 aus österreichischen Ländern.

Der Kampf gegen die Truppen Napoleons war für Juden keine Selbstverständlichkeit. Immerhin waren unter der Herrschaft Napoleons Juden mit gleichen Rechten ausgestattet worden. So bedeuteten auch die Belagerung und der Beschuss Frankfurts 1796 durch die Franzosen das Ende des Frankfurter Ghettos. Die Mauern der Frankfurter Judengasse gerieten in Brand und wurden nicht wieder aufgebaut. Dennoch, die französische Politik war widersprüchlich. Während Württemberg (1808), Baden (1809) und Bayern (1813) unter dem Einfluss der neuen napoleonischen Ordnungen Reformen durchführten, unterstellte das décret infâme 1808 die Juden in den ostfranzösischen Départments wieder strengen Restriktionen. Eine dezidiert franzosenfreundliche Haltung unter den Juden zu Beginn des Jahres 1813 ist in der Forschung nicht nachweisbar. Die preußische Städteordnung von 1808 bewirkte, dass Juden das Bürgerrecht erhielten, das Emanzipationsedikt von 1812 erklärte sie zu Staatsbürgern. Damit erfuhren der Lokalpatriotismus wie auch der Landespatriotismus einen eminenten Auftrieb.

Die Bekundung der patriotischen Gesinnung beschränkte sich nicht nur auf den Militärdienst, sondern kommt auch in zahlreichen Dokumenten von Rabbinern und Gemeindevorständen zum Ausdruck. So veranstaltete beispielsweise die Breslauer Gemeinde eine Kollekte zugunsten von Kriegsausrüstung. In der dortigen Synagoge segnete der Oberrabbiner am 11. März 1813 die jüdischen Freiwilligen. Der Berliner Rabbiner Weyl ordnete für die Dauer des Krieges ein tägliches hebräisches Gebet in seiner Synagoge an, in dem Gottes Schutz für den König, dessen Räte, das Heer und alle Bewohner des Landes erfleht wurden.

Bei Ende der Befreiungskriege hatten über achtzig jüdische Soldaten allein in Preußen Auszeichnungen erworben, über vierzig erhielten eine Beförderung. Mit Kriegsende war aber ihre Karriere als Offiziere beendet. Die Befreiung Deutschlands von napoleonischer Herrschaft führte nicht zu einer Durchsetzung liberaler Verfassungen, sondern zu einer Restauration alter Rechtsordnungen, die Juden weiterhin diskriminierten. Eine jüdische Delegation zum Wiener Kongress, die für die Aufrechterhaltung liberaler Regelungen plädierte, wurde von den Vertretern der Freien Städte und vieler süddeutscher Staaten abgewiesen. Im Zuge der Debatten um die ↗ Emanzipation spielte der stete Verweis auf die patriotische Haltung in den Freiheitskriegen eine bedeutende Rolle. Man berief sich auf die Zeit der „nationalen Erhebung“ und verlangte deshalb die Anerkennung und Integration durch die Gesellschaft.




"Heimkehr eines jüdischen Freiwilligen aus den Befreiungskriegen zu den nach alter Sitte lebenden Seinen" (1833/34) Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim


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Letzte Änderung: 21.09.2015