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Stichwort des Monats
Jüdische Ärzte in Frankfurt am Main

Jüdische Ärzte sind in Frankfurt bereits seit dem Mittelalter nachweisbar. Stets praktizierte mindestens ein Arzt in der Judengasse, und meist waren es mehrere, die sich auch unter der christlichen Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuten. Da die Zahl der Mediziner insgesamt im 15. und 16. Jahrhundert noch sehr gering war, stand der Frankfurter Rat ihrer Tätigkeit grundsätzlich positiv gegenüber. Die christliche Ärzteschaft sah dagegen in der jüdischen eine unliebsame Konkurrenz und bemühte sich nach Kräften, ihre Zulassung zu verhindern. Der Rat betrieb daher meist eine hinhaltende Politik, indem er die Praxis einzelner jüdischer Ärzte zeitweilig etwa auf die Behandlung jüdischer Patienten beschränkte, doch erteilte er ihnen auf die Dauer fast immer eine uneingeschränkte Approbation.

Medizinerausbildung im Wandel
Im Mittelalter war die Medizin, ähnlich wie dies bis heute im Handwerk der Fall ist, ein Lehrberuf, in dem der Meister seine Kenntnisse in Form einer Lehre an seine Gehilfen weitergab. Auf Grund der zahlreichen Universitätsgründungen veränderten sich jedoch seit Ende des 15. Jahrhunderts die Standards der Medizinerausbildung in Europa: Eine wachsende Zahl von akademisch ausgebildeten Ärzten strömte auf den Arbeitsmarkt und betrieb eine rigorose Standespolitik, die auf die Ausschaltung oder zumindest Unterordnung aller nicht akademisch gebildeten Heilkundigen abzielte. Zu diesen zählten auch die meisten jüdischen Ärzte, da Juden der Zugang zu fast allen europäischen Hochschulen verwehrt war. Eine Ausnahme bildete die medizinische Fakultät der renommierten Universität Padua, an der zwischen 1520 und 1817 mindestens 350 jüdische Ärzte promovierten, doch war das Studium in Italien für Studenten aus dem deutschen Raum mit hohem materiellen Aufwand verbunden.    

Exoten aus dem Süden
Die ersten jüdischen Ärzte mit Universitätsabschluss, die in Frankfurt praktizierten, stammten daher aus dem Mittelmeerraum. Einer von ihnen war der aus Mantua gebürtige Mosche Lucerna, der 1570 nach Frankfurt kam und als erster Arzt der jüdischen Gemeinde angestellt wurde, ein weiterer der hier abgebildete Josef Schlomo Delmedigo aus Candia auf Kreta, ein vielseitiger Gelehrter, der in Padua neben Medizin u.a. Astronomie bei Galilei studiert hatte. Lucerna beendete seine Karriere später als kaiserlicher Leibarzt in Wien, während Delmedigo 1645 nach Prag weiter zog. Er hinterließ seinen Assistenten und Schwiegersohn Salomon Bing, der aus Bingen am Rhein stammte, ebenfalls in Padua promoviert hatte und nun als erster jüdischer Akademiker aus dem deutschsprachigen Raum in Frankfurt wirkte.
Etwa zur gleichen Zeit fanden auch einige Söhne von Frankfurter jüdischen Ärzten den Weg nach Italien und kehrten mit dem angesehenen Doktortitel der Universität Padua in ihre Heimatstadt zurück. Der Frankfurter Rat förderte diese Entwicklung, indem er ihnen seit 1640 den Besuch der städtischen Lateinschule ermöglichte, die sonst für Juden verschlossen war.

Öffnung der europäischen Universitäten
Im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts veränderten sich jedoch auch die universitären Voraussetzungen, da immer mehr Hochschulen Juden zu Studium und Promotion zuließen. Diese Entwicklung verdeutlicht ins Besondere die Geschichte der Frankfurter Ärztefamilie Buchsbaum. Wolf Benjamin Buchsbaum, der erste Arzt dieser Familie, promovierte 1669 in Padua. Seine Söhne, Liebmann und Gutmann, konnten dies 1697 bereits an der sehr viel näher gelegenen Universität Leyden tun, und Gutmanns Sohn Amschel schließlich erwarb 1729 als erster jüdischer Student sein Doktordiplom an der Universität Gießen in unmittelbarer Nähe von Frankfurt. Bezeichnend ist in diesem Fall auch der Namenswechsel der Familie: Während ihre ersten Mitglieder noch den Familiennamen „Buchsbaum“ führten, wandelte sich dieser Name in den späteren Generationen in „Doktor“, womit eine deutlicher Zusammenhang nicht nur mit dem Beruf, sondern auch mit der akademischen Qualifikation hergestellt wurde.  




Porträt von Josef Schlomo Delmedigo


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Letzte Änderung: 21.09.2015