Sehr geehrte Besucher,
Sie benutzen den Internet Explorer in der Version 6 oder kleiner. Dieser Browser ist mehr als 10 Jahre alt und wird von unserer Website nicht mehr unterstützt. Es kann daher zu Darstellungsproblemen kommen.

Um unsere Website in Ihrer vollen Schönheit betrachten zu können, bitten wir Sie, Ihre Browsersoftware zu aktualisieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
background image
Header Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
Logo Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
      
Aktuelles
Discplaced Persons Camp

Der Begriff „Displaced Persons“ (DP, deutsch: „Heimatlose Personen“) bezeichnete ab etwa 1944 unterschiedliche Gruppen von entwurzelten Überlebenden des Krieges und des NS-Terrors. Unter den DPs gab es befreite Häftlinge der Konzentrationslager und Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge. Die Alliierten rechneten 1944 mit 11,3 Millionen DPs. Für sie alle wurden im Sommer 1945 in den westlichen Besatzungszonen sogenannte Displaced Persons Camps eingerichtet, die von den Vereinten Nationen durch die Hilfsorganisation UNRRA betreut wurden. Es war eine ungeheure Aufgabe, ihnen bei der Rückkehr in ihre Heimatländer zu helfen. Oft war das wegen der politischen Verhältnisse in Osteuropa unmöglich.
Die jüdischen DPs kamen fast ausschließlich aus Osteuropa, größtenteils aus Polen, darunter rund 70.000 jüdische Überlebende. In ihre frühere Heimat konnten diese Menschen nicht zurückkehren. Ihr Zuhause existierte nicht mehr: Ihre Familien, Nachbarn, Freunde waren ermordet worden, ihre Habe zerstört oder geraubt, ihre Wohnungen von anderen bewohnt. Weiterzuwandern, zu Freunden oder Verwandten in die USA oder nach Palästina, war ihnen verwehrt, denn US-Immigrations- und britische Mandatspolitik im Nahen Osten verhinderten dies. Daher bestanden die DP-Camps für sie teilweise bis in die 1950er Jahre hinein. Durch den Zuzug tausender osteuropäischer Juden, die vor Pogromen in ihren Heimatländern nach Westen flohen, mussten weitere Auffanglager errichtet werden. Diese Flüchtlinge hatten bei den Partisanen gekämpft, in der östlichen Sowjetunion oder anderweitig im Untergrund überlebt. Weil die US-Militärregierung den Juden aufgrund ihres besonderen Verfolgungsschicksals eine weitgehende politische und kulturelle Autonomie einräumte, siedelten sich von den in Westdeutschland registrierten 184.000 Juden über 80 Prozent in der amerikanischen Zone an. In diesen Camps entwickelte sich eine unabhängige jüdische Community.

Ein Beispiel: Das DP-Camp  Frankfurt-Zeilsheim
Im Frankfurter Ortsteil Zeilsheim lebten zwischen 1945 und 1948 durchschnittlich 3000 jüdische Displaced Persons. Bereits im August 1945 waren die ersten befreiten KZ-Häftlinge in ehemaligen Zwangsarbeiter-Baracken der Farbwerke Hoechst einquartiert worden. Nur wenige Monate später beschlagnahmte die US-Besatzungsmacht eine angrenzende Werksiedlung mit 217 Häusern.
Die jüdische Selbstverwaltung des Lagers verfolgte vor allem das Ziel, die Bewohner auf eine schnelle Auswanderung und ein neues Leben in Palästina vorzubereiten. Seit Dezember 1945 wurde in Zeilsheim eine jiddischsprachige Zeitung gedruckt. Sie trug den programmatischen Namen „Unterwegs“. Doch die Übergangssituation sollte sich über Jahre hinziehen. Mit einer selbst errichteten Synagoge, einer Rabbinerschule, Theateraufführungen, Konzerten und sportlichen Wettkämpfen richtete man sich in einem provisorischen jüdischen Kultur- und Alltagsleben ein.
Erst im Verlauf des Jahres 1948 führten die israelische Staatsgründung und die gelockerten Einreisebestimmungen amerikanischer und europäischer Länder zur verstärkten Auswanderung der jüdischen DPs. Am 16.11.1948, dem offiziellen Stichtag des Räumungsbefehls, verließen die letzten Bewohner das Lager Zeilsheim.


Schule und Bildung
Eine Folge von jahrelanger Verfolgung war für viele jüdische Überlebende und Flüchtlinge eine unzureichende schulische und berufliche Ausbildung. Der Aufbau von Bildungseinrichtungen war daher eines der dringlichsten Anliegen, das anfänglich aber angesichts von mangelnden Fachkräften und Unterrichtsmaterialien schwer zu realisieren war. In Zeilsheim nahm die Volksschule im Herbst 1945 ihren Lehrbetrieb in jiddischer Sprache auf. Es standen Vorträge und Sprachkurse für Erwachsene auf dem Programm. Berufsfachschulen und landwirtschaftlichen Seminaren boten handwerkliche Kurse an, die dem Aufbau eines jüdischen Staates nützen könnten.

Sport zur Heilung der Seele
Sport, Spiel und Bewegung sollten zur Heilung der an Körper und Psyche verletzten Menschen beitragen. Die Sportvereine der DP-Camps traten innerhalb der gesamten US-Zone zu Wettkämpfen in fast allen erdenklichen Sportarten an. Fußball und Boxsport erfreuten sich besonderer Beliebtheit. In der jüdischen DP-Fußball-Liga kämpften bis zu 81 Mannschaften in acht Ligen um die Meisterschaft. Das Team von „Hasmonea Zeilsheim“ schaffte es im November 1947 sogar bis ins Endspiel, verlor das Finale jedoch gegen „Ichud Landsberg“.

Neues Leben schaffen
Bis zur Ankunft der Flüchtlinge aus Osteuropa bestand die DP-Gesellschaft nahezu ausschließlich aus Angehörigen der mittleren Generation ohne Verwandte – unter den Überlebenden der Konzentrationslager waren nur selten Kinder und alte Menschen zu finden. Zahlreiche Eheschließungen und eine hohe Geburtenrate bekundeten den Lebenswillen dieser jungen Menschen: allein im ersten Halbjahr 1946 wurden auf der Säuglingsstation des Zeilsheimer Lagerkrankenhauses achtzig Babys entbunden.

Zionistische Aktivität und die Schließung des Lagers
Das politische Leben im Lager bestimmten mehrere zionistische Parteien. Die Sehnsucht der meisten Überlebenden der Shoah war eine Zukunft in einem eigenen jüdischen Staat, als einzige Zufluchtsstätte auf der Welt. Zusammen mit der Jewish Agency (in der Zeit des Völkerbundsmandats die Vertretung der Juden in Palästina) kämpften DP-Organisationen mit Demonstrationen gegen die britischen Einreisebeschränkungen nach Palästina.
David Ben Gurion (Vertreter des Zionismus und später erster Premierminister  Israels ab 1948) besuchte Zeilsheim zweimal. Er wurde mit Begeisterung empfangen und weckte Hoffnung auf eine baldige Staatsgründung.
Die israelische Staatsgründung und die gelockerten Einreisebestimmungen amerikanischer und europäischer Länder führten im Verlauf des Jahres 1948 zur verstärkten Auswanderung der jüdischen DPs. Am 16.11.1948, dem offiziellen Stichtag des Räumungsbefehls, verließen die letzten jüdischen DPs das Lager Zeilsheim. Das Lager wurde von amerikanischer Militärpolizei geschlossen und ging von der IRO (International Refugee Organisation) in die Zuständigkeit der Militärregierung über.

Gehen oder bleiben?
Andere DP-Camps blieben länger in Betrieb, als letztes wurde 1957 das Camp in Föhrenwald geschlossen. Die meisten „Displaced Persons“ hatten inzwischen die Möglichkeit gefunden, in die USA, nach Israel oder andere Zufluchtsorte einzuwandern. Einige sind aber in Deutschland geblieben und von ihnen waren viele am Aufbau neuer jüdischer Gemeinden beteiligt.




Hochzeit im DP-Camp Frankfurt Zeilsheim ©Jüdisches Museum, Frankfurt am Main


Veranstaltungskalender
Juni 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  01 02 03 04
05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 24 25
26 27 28 29 30  

Pfeil nach rechtsAA





Pädagogisches Zentrum
Fritz Bauer Institut &
Jüdisches Museum Frankfurt

Seckbächer Gasse 14
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069-212 74237
pz-ffm[at]stadt-frankfurt.de





© ® 1999-2017 Pädagogisches Zentrum
Frankfurt am Main
Letzte Änderung: 21.09.2015