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Islamophobie

Der Begriff Islamophobie ist in Analogie zu dem griechischen Wort Xenophobie – der Fremdenfeindlichkeit - formuliert. Phobie bezeichnet in der psychologischen Fachsprache einen von Angst bestimmten seelischen Zustand. Im deutschsprachigen Raum wird zur Beschreibung des Phänomens auch häufig der Begriff Islamfeindlichkeit benutzt. Um den Fokus auf die Betroffenen, die durch dieses Phänomen diskriminiert werden, zu lenken, werden auch die Begriffe „Muslim-Feindlichkeit“ oder „antimuslimischer Rassismus“ verwendet. Allerdings hat sich im internationalen Gebrauch der Begriff Islamophobie als Definition durchgesetzt.
Islamophobie zielt auf die komplexe Verflechtung von Fremdenfeindlichkeit mit Islamfeindlichkeit und versucht die Aversion zu beschreiben, die gegen die Vorstellung eines bedrohlichen Islam heraufbeschworen wird. Da sich in dieser Projektion vielfältige Ressentiments (beispielsweise Fremdenfeindlichkeit, Klassismus, Chauvinismus usw.) miteinander verknüpfen, ja ineinander greifen und sich gegenseitig verstärken, kann im Fall der emotional gefärbten antiislamischen Haltung von Islamophobie gesprochen werden. Entsprechend der Tradition von Ressentiments, die generalisierend und daher undifferenzierte Einstellungen gegenüber sozialen Gruppen transportieren, stellt sich im Fall der Islamophobie die Frage, um welchen Islam es eigentlich geht? Die Aversion gilt allen Muslimen, was der großen Vielfalt muslimischer Glaubensrichtungen in keiner Weise entspricht. In der Logik der Islamophobie bleibt unklar, ob die Aversion den Wahhabiten, den Sunniten, den Schiiten, den Mitgliedern der Ahmadiyya-Gemeinden, den Alawiten oder der Minderheit der Salafisten gilt.
Nach Wilhelm Heitmeyer lässt sich Islamophobie neben Rassismus, Sexismus, Antisemitismus als Untergruppe von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit einordnen, ohne dabei gleichmachende oder relativierende Wertungen vorzunehmen. Das von Heitmeyer begründete Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) definiert Islamophobie als eine „generelle ablehnende Einstellung gegenüber muslimischen Personen und allen Glaubensrichtungen, Symbolen und religiösen Praktiken des Islam“ (2008).
Die zunehmende Funktion des Islam in Deutschland als Projektionsfläche vielfältiger Bedrohungs-Szenarien lässt sich an einigen zeithistorischen Eckdaten aufzeigen. Der Islam zog in den deutschen Alltag durch die Gastarbeitermigration beginnend in 1960er Jahren ein. Die Ölkrise im Jahre 1973 und der damit einhergehende erste Anwerbestopp sogenannter Gastarbeiter markieren den Beginn der Integrations-Debatte in Deutschland und zugleich das Ende des Wirtschaftswunders.
Der „Islam“ als Religion – konstruiert als homogene Gruppe - und damit Muslime als soziale Gruppe erfuhren besondere Aufmerksamkeit und Präsenz in den Medien erstmals in der Zeit des ersten Golfkrieges (1980 – 1988 Iran – Irak). Die mediale Darstellung des Irak-Krieges von 1990 Irak, der NATO- Intervention in Afghanistan, des 2003 beginnenden Krieges im Irak verstärkten das Bild vom Islam als Bedrohung. Der islamistische Terroranschlag vom 11. September 2001 und die daran anschließende Resonanz verstärkte das Bild von der Bedrohung durch den „Islam“. Die ausdrückliche Distanzierung einer großen Zahl von Muslimen von jeder Art des Terrors änderte daran wenig.
Die gesellschaftliche Wirklichkeit in Deutschland zeigt heute ein anderes Bild. Es leben ca. 4,2 Millionen Muslime mit unterschiedlichen islamischen Orientierungen aus verschiedenen Nationen in Deutschland; die meisten von ihnen sehr friedlich und gut integriert.
Mediale Aufmerksamkeit erfahren Muslime in Deutschland fast ausschließlich, sobald es zu sozialen Problemen oder gar zu Straftaten kommt, die mit dem Islam in Verbindung gebracht werden. Unterschiedliche Untersuchungen betonen unabhängig voneinander die häufig negative Konnotation in Bezug auf den Islam in der Medienberichterstattung. Die Macht medial vermittelter Erfahrungen scheint hier besonderen Einfluss zu haben. Dabei sei an vielfältige polarisierende Diskussionsrunden mit so genannten Islamkritikern in Talksendungen oder an Auseinandersetzungen in Zeitungen (z. B. Welt, FAZ und Die Zeit) erinnert. Hier werden häufig dramatische Einzelfälle als exemplarische Belege für die „Substanz des Islam“ herangezogen, die als „Kultur“ bezeichnet wird. Die Verwendung dieses deterministischen Kulturbegriffs beschreibt die Soziologin Yasmin Shooman als eine Form des Rassismus. Vorstellungen, die diesem Kulturrassismus folgen, gehen demnach – äquivalent zu älteren rassistischen Szenarien – davon aus, dass „(…) sich klar abgegrenzte und in sich geschlossene Kulturkreise gegenseitig bekämpfen“ (Shooman).
Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung „Der Religionsmonitor“ kommt zu dem Ergebnis, dass über 51 % der nichtmuslimischen Bevölkerung  in Deutschland den „Islam“ als Bedrohung wahrnehmen. Ebenso zeigt die im Auftrag der Friedrich Ebert Stiftung erstellte Studie, dass Islamfeindlichkeit keine Randerscheinung ist, sondern dass sie in allen gesellschaftlichen Gruppen verbreitet ist.





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Letzte Änderung: 21.09.2015