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Aktuelles
Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens

Die Gründung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V.) 1893 in Berlin war eine Reaktion auf das Erstarken des Antisemitismus in Deutschland seit den 1870er Jahren.
Ein selbstbewusstes jüdisches Bürgertum wollte die Verteidigung der Errungenschaften der  ↗ Emanzipation in die eigenen Hände nehmen. Der C.V. betrachtete die Juden als völlig integriert auf der Basis von drei Faktoren: erstens historisch - Juden lebten seit Jahrhunderten auf deutschen Boden, zweitens kulturell - durch die zahlreichen Beiträge von Juden zur deutschen Kultur und drittens durch das willentliche Bekenntnis, loyale deutsche Staatsbürger zu sein.
Der Centralverein betrachtete das Judentum als Konfession in Deutschland - vergleichbar den christlichen Konfessionen. Schon die Wahl des vollständigen Namens war Programm: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Er drückte die Doppelstruktur des Centralvereins aus: jüdischer Glaube und deutsche Gesinnung. Die Zugehörigkeit zur jüdischen Religion bedeutete in den Augen seiner Mitglieder nichts anderes als das Bekenntnis zu einer Konfession, wie es bei den beiden großen christlichen Konfessionen der Fall war, sie sollte aber auch nicht verleugnet werden. Zwar fühlte man sich durch Abstammung und Religion mit den Juden anderer Länder verbunden, doch Bestimmungsfaktoren der eigenen Identität waren die deutsche Sprache, Kultur und Sitten. Abstammung und Religion seien zwar wichtig und sollten nicht verleugnet werden, doch diese beiden Elemente reichten nicht aus, um von einem jüdischen Volk zu sprechen. Assimilation bedeutete nicht die vollkommene Anpassung an die Umwelt, sondern den Versuch, die scheinbar gegensätzlichen Pole Integration und deutsch-jüdische Identität in Einklang zu bringen.
Manche Gruppen der jüdischen Orthodoxie standen dem Centralverein in den frühen Jahren äußerst feindselig gegenüber. Die Bekämpfung des Antisemitismus wurde abgelehnt, da er als Geißelung Gottes oder gerechte Strafe empfunden wurde. Die Beteiligung von Zionisten im Centralverein war ebenfalls eher die Ausnahme. Von orthodoxer Seite änderte sich die Einstellung gegenüber dem Centralverein in der Weimarer Republik. Das Misstrauen der strenggläubigen Kreise wurde abgebaut und auf der Hauptversammlung 1926 des C.V. wiesen orthodoxe Führer darauf hin, dass es Strenggläubigen nicht nur erlaubt, sondern auch im gewissen Sinne eine Pflicht sei, im Centralverein mitzuarbeiten.
Offiziell galt für den Centralverein die parteipolitische Neutralität als oberstes Gesetz. Dies wurde auch immer wieder  öffentlich betont. In der praktischen Anwendung wurde jedoch zwischen den politischen Parteien unterschieden, inwiefern sie antisemitische Tendenzen zuließen oder bekämpften. In der Weimarer Republik nahm der Centralverein für sich in Anspruch, die Interessen von 300 000 jüdische Deutsche zu vertreten. Nach Meinung des Historikers Walter Grab waren gar 85 % der jüdischen Bevölkerung Anhänger des Centralvereins. 1926 zählte der Verein mehr als 60 000 Mitglieder, die in über 500 Ortsgruppen organisiert waren.
In der ersten deutschen Demokratie betonte der Centralverein weiterhin das Merkmal der religiösen Gemeinschaft, jedoch kam als neuer Gesichtspunkt das Merkmal einer „Schicksals- und Stammesgemeinschaft“ hinzu. Bei der Verwendung des Terminus "Stammesgemeinschaft" berief man sich auf die Präambel der Weimarer Verfassung, die von einem Deutschland der Stämme sprach. Die Vielfalt der in Deutschland wohnenden Volksgruppen erschien auch den Juden die Möglichkeit zur Begründung eines objektiven Heimatrechtes zu bieten. Zu einem veränderten Selbstverständnis hatten auch die Auseinandersetzungen mit den ↗ Zionismus beigetragen, in denen es um die Frage der staatsbürgerlichen Heimat und der Nation sowie die Bewertung des Antisemitismus ging.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten favorisierte der Centralverein unter den sich dramatisch verschlechternden Bedingungen zunächst den Verbleib in Deutschland. Spätestens mit den „Nürnberger Gesetzen“ 1935 machten sich auch die größten Optimisten im Centralverein keine Illusionen über die Zukunft in Deutschland und änderten ihre Haltung zur Auswanderung. 1938 wurde der Centralverein verboten; die letzte Ausgabe der C.V.-Zeitung erschien am 4. November 1938.




Flugblatt des Centralvereins o.Jg.


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Letzte Änderung: 21.09.2015