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Aktuelles
Schächten im Islam

Der Islam regelt wie auch das Judentum den Lebensablauf des Gläubigen und greift damit auch durch Speisegebote und –verbote in ihre Ernährung ein. Allgemein bekannt ist, dass Muslimen der Verzehr von Schweinefleisch und der Konsum von Alkohol verboten sind. Die Vorschrift nur „halal-Fleisch“ zu essen, wird oft kritisch gesehen, weil sie mit dem Tierschutz (Artikel 4 des Tierschutzgesetzes) nicht vereinbar zu sein scheint, weshalb sich wegen der religiös vorgeschriebenen Schlachtmethode des „Schächtens“ viele Tierschützer empören und dagegen protestieren.
In Deutschland lebten 1933 rund 500 000 Juden. Es gab ein lebendiges Jüdisches Leben mit einer entsprechenden Infrastruktur, zu der auch selbstverständlich das Schächten gehörte. Bereits im Februar 1930 beschäftigte sich der Reichstag mit der Frage des Schächtens und kam nach damaligen wissenschaftlichen Gutachten zu dem Ergebnis, dass das jüdische Schächten nicht als Tierquälerei zu betrachten sei. Allerdings wurde das Verbot des Schächtens nach der nationalsozialistischen Machtübernahme als eine der ersten antijüdischen Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung in Form eines Gesetzes bereits am 1. Mai 1933 erlassen und es blieb nahezu bis 1972 unverändert in Kraft. Mit der Gastarbeiter-Anwerbung in den 1960-er Jahren hielt der Islam Einzug in den deutschen Alltag. Die sogenannten Gastarbeiter brachten nicht nur ihre Arbeitskraft mit, sondern auch ihre Religion und ihre Traditionen. Heute leben vier Millionen Muslime in Deutschland, sehr viele als deutsche Staatsangehörige.
Im Einwanderungsland Deutschland entwickelte sich nach und nach eine ethnische Infrastruktur mit Lebensmittelgeschäften, mit einem reichhaltigen Angebot südländischer  Gemüse- und Obstsorten. Heute versorgt eine ausgeprägte muslimische Infrastruktur die Muslime in Deutschland mit  Halal-Fleisch. Halal-Fleisch besagt zunächst einmal, dass der Verzehr des Fleisches erlaubt ist. Dies bedeutet: es ist kein Schweinefleisch und das Tier ist nach muslimischem Ritus geschächtet worden. Im Koran heißt es hierzu in Sure 5 „Der Tisch – al-ma’ida“ Vers 3: „verboten ist Euch das Verendete, Blut, Schweinefleisch und das, worüber ein anderer als Gott gepriesen wurde, dann das Erwürgte, Erschlagene, Gestürzte und Gestoßene und was ein wildes Tier anfraß – außer ihr schlachtet es – und was geopfert wurde auf dem Opfersteinen. In Sure 108, Vers 22 „wenn bei einem Tier das Blut zum Ausströmen gebracht und der Name Allahs ausgerufen wird, dann esse es.“ Für den gläubigen Moslem ist es bedeutsam, dass das Tier vor der Schlachtung gesund und nicht bereits tot ist. Dieses stellt er gemäß den Überlieferungen dadurch fest,  dass das Tier nach der Schächtung noch zuckt. Der Koran selbst schreibt das Schächten nicht zwingend vor, doch wird es aus dem Verbot des Blut-Verzehrs und den Hadithe (Bezeichnung aus dem Arabischen für Erzählung, Bericht über die Überlieferungen, Aussprüche und Handlungen des Propheten Muhammad) nahegelegt. Ganz konkret heißt das: die Schlachtung darf nicht in der Gegenwart anderer Tiere vorgenommen werden, damit die Tiere keine Todesängste bekommen – dies ist die Barmherzigkeit gegenüber dem Tier; das Schlachtmesser muss besonders scharf sein und am besten zuvor geschärft werden; mit einem Schnitt sollten Schlagader/Luft- und Speiseröhre zugleich durchtrennt werden. Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass dem Tier keine vermeidbaren Qualen zugefügt werden; die Fesselung des Tieres muss so erfolgen, dass es keine Qualen erleidet; vor der Schlachtung muss ein vorgeschriebenes Gebet ausgesprochen werden, oder zumindest muss der Name Allahs ausgerufen werden. Aus diesen Regeln lassen sich eindeutige moralische und ethische Verpflichtungen gegenüber dem Tier ableiten.
Das Bundesverfassungsgericht legte am 28.03.1996 fest, dass das Schächten für Juden und Muslime Teil der Religionsausübung ist. Dennoch ist das Schächten, d. h. das betäubungslose Schlachten von Rindern und Schafen in Deutschland nur mit besonderer Ausnahmegenehmigung und nur während einer Kurzzeitbetäubung (das etwa für 25 Sekunden betäubte Tier blutet in dieser Zeit aus) erlaubt, obwohl das Bundesverfassungsgericht auf der Basis des GG Artikel 4 Absatz 2 „Grundrecht der freien Religionsausübung“ die Behörden dazu verpflichtet, das betäubungslose Schächten uneingeschränkt zu gestatten. Seit dem Jahr 2002 wurde der Tierschutz im Grundgesetz verankert, d. h. der Tierschutz ist damit eine Staatszielbestimmung - kein Grundrecht. Und somit befinden wir uns in einem juristischen Zielkonflikt.
Aber woher kommt das Halal-Fleisch, das man in den türkischen oder arabischen Läden hierzulande findet? Der größte Teil kommt aus Belgien, Holland oder Frankreich. Die Zertifizierung wird von muslimischen Verbänden vorgenommen. Gemeinsame und transparente Standards bei diesem Zertifizierungsverfahren lassen jedoch noch auf sich warten. Diese komplizierte Ausgangslage führte zu innerislamischen Auseinandersetzungen. Der Richter der geistlichen Zentrale an der Al Azhar Universität in Kairo erklärte die vorherige elektrische Betäubung, die nicht zum Tod des Tieres führt, eindeutig für zulässig. Auf diese Vorgehensweise haben sich wohl auch einige muslimische Schlachthöfe hier in Deutschland eingelassen. Allerdings ist diese Lehrmeinung sehr umstritten.
Die meisten Muslime in der Diaspora begnügen sich damit, auf Schweinefleisch zu verzichten, und nehmen in Kauf, Rind-, Kalb- oder Lammfleisch bzw. Geflügel aus nicht ausdrücklicher Halal-Schlachtung zu essen. Strenggläubige essen nur Fleisch, das als Halal auch zertifiziert ist. Wobei sich die Zertifizierung nur auf die Schlachtmethode bezieht. „Halal“ ist eigentlich noch viel umfassender als die Reduktion auf die Schlachtmethode, die lediglich den Schluss der gesamten Kette bildet.  Der Gedanke von „Halal-Ernährung“ schließt auch die Tierhaltung, die Tierfütterung und alle Lebensmittelzusätze mit ein.



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Letzte Änderung: 21.09.2015