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Aktuelles
Kriegsausbruch Erster Weltkrieg

Als am 26. Juni 1914 die Schüsse des Attentäters Gavrilo Princip den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo tödlich trafen, ahnte kaum jemand, dass wenige Wochen später ein Krieg ungeahnten Ausmaßes die Welt verändern sollte. Für die Juden in den verschiedenen europäischen Ländern stellte sich die Frage nach der Loyalität. Diese war 1914  gegenüber der eigenen Nation größer als gegenüber den Glaubensgenossen. Französische Juden sahen sich durch die Säkularisation längst als vollwertige französische Staatsbürger, zahlreiche jüdische Soldaten, aber auch Generäle kämpften für Frankreich. In Russland kämpften die Juden für ihr Vaterland in der Hoffnung durch ihr loyales Verhalten die Emanzipation, die rechtliche Gleichstellung vorantreiben zu können. Die Worte des deutschen Kaisers zu Kriegsbeginn „Ich kenne keine Partei mehr, ich kenne nur Deutsche“ waren ein Versöhnungsangebot, das nicht an die Juden, sondern an die Sozialdemokraten gerichtet war, aber in jüdischen Kreisen begeisterten Jubel erweckte. In einem gemeinsamen Appell forderten der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und der Verband der deutschen Juden ihre Glaubensgenossen auf, „über das Maß der Pflicht hinaus“ die Kräfte dem Vaterland zu widmen.Das Bild überwältigender Kriegsbegeisterung im August 1914 hat in letzten Jahren Risse bekommen, der Mythos des „Augusterlebnisses“, wonach zahllose junge Männer begeistert in den Krieg gezogen sind, wird durch zahlreiche neue Studien relativiert.  Diese Relativierung trifft auch auf die jüdische Bevölkerung zu,  obwohl manche Quelle von der nationalen Begeisterung  in den Städten zeugt. So berichtete Charlotte Baerwald in ihren zwischen 1932 und 1939 verfassten Lebenserinnerungen über einen Spaziergang auf der Frankfurter Zeil am 31. Juli 1914:  „Auch mein Mann war ganz umgewandelt und wunderte sich nicht einmal, als ihm mitten auf der Straße eine ältliche jüdische Ärztin mit dem Ruf 'Kollege, ich geh auch an die Front' um den Hals fiel.“ (Erinnerungen, 169) Hingegen befanden sich unter 280 jüdischen Kriegsteilnehmern aus der bayerischen Rhön lediglich zwei Freiwillige. In der Synagoge der Kleinstadt Tann herrschte alles andere als Jubelstimmung. Die Chronik hielt die „große Trauer, tiefe Niedergeschlagenheit und Besorgnis“ der Gläubigen fest (Sieg, 55).  
Der Alltag jüdischer Soldaten unterschied sich zum Teil von dem anderer Soldaten, wenn es beispielsweise um die Einhaltung der Speisegebote, des Schabbat und von jüdischen Feiertagen ging. Etwa dreißig Feldrabbiner kümmerten sich im deutschen Militär um  Sorgen und Nöte jüdischer Soldaten und erfüllten eine Vielzahl von Funktionen: Sie hielten Feldgottesdienste ab, betreuten die Verwundeten in den Lazaretten und die Kriegsgefangenen in den Lagern und sie kümmerten sich um religionsgemäße Begräbnisse. Die Einführung des Armeerabbinats war keine Selbstverständlichkeit, sondern erfolgte erst nach Eingaben von jüdischer Seite und intensiven Verhandlungen. Der Verband der Deutschen Juden übernahm zunächst vollständig die anfallenden Kosten, bis im Jahr 1915 das Kriegsministerium sich zur Gewährleistung einer monatlichen Aufwandsentschädigung bereit erklärte.

Der Kriegsalltag an der sogenannten „Heimatfront“ reichte bis tief in den Alltag, beispielsweise in den Schulen. Der Jahresbericht der Realschule der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Frankfurt vermerkt 1915:  „Die einzelnen Ereignisse des Krieges wurden in allen Klassen zum Gegenstand der Besprechung gemacht und gaben Gelegenheit, das Gefühl der Treue für das Vaterland und die Liebe und Verehrung für dessen Oberhaupt und die Männer, die an seiner Seite die Geschicke Deutschlands lenken, zu vertiefen und die Jugend unter Hinweis auf unsere Helden im Felde und deren Pflichttreue für ihre Aufgabe zu begeistern.“ (Samson-Raphael-Hirsch-Schule, 80)
Auf der jüdischen Bevölkerung  lastete ein besonderer Loyalitätsdruck, da man einer Doppelidentität als „Deutscher“ und als „Jude“ gerecht werden musste. Etwa 12 000 deutsche Juden fielen im Ersten Weltkrieg. Mit der sich verschlechternden Kriegssituation und der immer prekäreren Versorgungslage gewannen antisemitische Organisationen an Einfluss. Eine Vielzahl an Flugblättern und Pamphleten bestritt, dass Juden jemals vollwertige Mitglieder der deutschen Nation werden könnten und schürten Zweifel an ihrer Vaterlandsliebe.
Im Oktober 1916 ordnete das preußische Kriegsministerium eine statistische Erhebung über die Dienstverhältnisse der deutschen Juden während des Krieges an, deren Ergebnisse nie veröffentlicht wurden. Bald kursierten Gerüchte, die Veröffentlichung werde aus Rücksicht auf die Juden vermieden, denn sie habe „vernichtende“ Ergebnisse gezeigt. Das Ministerium unterließ es, trotz des Drängens jüdischer Organisationen, ein klärendes Wort zu veröffentlichen. In der Literatur wird diskutiert, ob die“ Judenzählung“, wie manche Forscher meinen,  eine Zäsur in der deutsch-jüdischen Geschichte darstellt. Andere Interpretationen betonen,  dass private Äußerungen herausragender jüdischer Intellektueller belegen, es hätte bereits vor der „Judenzählung“ ein desillusioniertes Bild  über das Ausmaß der Integration in das Deutsche Kaiserreich gegeben hätte.  Auf zionistischer Seite sah man sich in der Einschätzung bestätigt, dass eine vollständige Akzeptanz der Juden von nichtjüdischer Seite, trotz des patriotischen Einsatzes, niemals erreichbar wäre. Bis zum Kriegsende betonte der Centralverein dennoch seine loyale, nationale Haltung.


Deutsche Feldrabbiner. Oben rechts der Frankfurter Rabbiner Georg Salzgeber.©Jüdisches Museum Frankfurt


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Letzte Änderung: 21.09.2015