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Davidstern

Der Davidstern erscheint häufig als gleichwertiges Zeichen neben den Glaubenssymbolen anderer Religionen wie z.B. dem Kreuz oder dem Halbmond. Doch wirft man einen Blick zurück, wurde der sechszackige Stern von allen drei abrahamitischen Religionen gleichermaßen als schmückendes Element für religiöse Kultobjekte und Alltagsgegenstände verwendet. Die Menorah, der siebenarmige Leuchter, ziert das Staatswappen Israels und begleitete das Volk Israel bereits bei der Wüstenwanderung im 2. Buch Mose. Dem Davidstern jedoch fehlt der direkte biblische Bezug. Erst seit dem 18. Jahrhundert findet er explizit Erwähnung im Zusammenhang mit jüdischem Leben.
Das Zeichen selbst lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Der sechszackige Stern (hexa –gr. Sechs), der aus zwei gleichschenkligen, ineinander verschlungenen Dreiecken besteht, wurde auf Grund seiner Geometrie zu einem beliebten dekorativen Ornament, vor allem in der Mosaikkunst. In der Konstruktion bot die Sternform  Stabilität für Gewölbe oder kreisförmige Strukturen. Der Sechsstern ist daher auch in Gebäuden oder auf Gegenständen ohne explizit religiösen Charakter zu finden. So nutzten ihn beispielsweise die Bierbrauer als Zunftzeichen.
 
Der Davidstern wird im Hebräischen „Magen David“ genannt, was eigentlich „Davidschild“ bedeutet. Im Arabischen wird er als „Chatam Suleymann“, als „Siegel Salomon“ bezeichnet. Beide Namen wurden gleichermaßen für die geometrischen Figuren Hexagramm und Pentagramm (gr. Sechs und Fünf) verwendet, zwischen denen in der Vergangenheit kaum unterschieden wurde. Beide tauchten als magische Zeichen auf, vor allem in der jüdischen Mystik des Mittelalters. Hexagramme dienten als Schutzzeichen, sollten vor Krankheiten, Dämonen oder dem bösen Blick schützen und fanden sich daher auf Amuletten, Talisman oder auch den Mesusot (Gebetskapseln) wieder. So  war es üblich auch Schilder oder Siegel mit Symbolen oder Namen zu beschriften, die den Träger schützen bzw. mit besonderer Stärke ausstatten sollten.
Der Ursprung des Davidsterns als spezifisch jüdisches Symbol wird in Prag vermutet, wo dieser zum ersten Mal offiziell als Zeichen der jüdischen Gemeinschaft verwendet wurde: Den Prager Juden wurde im 14. Jahrhundert das Führen einer eigenen Fahne zugestanden. Eine Nachbildung dieser Fahne, die einen goldenen Davidstern auf rotem Grund trägt, ist heute in der Prager Altneuschul zu sehen. Ob es sich bei diesem Symbol um ein von der jüdischen Gemeinde selbst gewähltes und mit Stolz getragenes Zeichen handelte oder ob es ihr zugewiesen wurde, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Seitdem taucht das Davidschild in Prag gehäuft auf: a Synagogen, Grabsteinen, Alltagsgegenständen. Die Stadt war zu dieser Zeit das Zentrum der hebräischen Buchdruckkunst, wodurch sich der Magen David auch in den Nachbarländern verbreitete. Ab dem 18. Jahrhundert führten vor allem mittel- und osteuropäische Gemeinden den sechszackigen Stern als Emblem.
Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Geschichte des Davidsterns eine entscheidende Wendung: Die Zionisten nehmen den Stern auf und machen ihn zum Zeichen religiös-nationaler Erneuerungsbestrebungen. 1895 zierte der Magen David die von Nathan Birnbaum herausgegebene Monatszeitschrift „Zion“. Zum ersten Baseler Kongress 1987 wurde der Stern auf die Eintrittskarten gedruckt. Von Beginn an wurde er als Emblem geführt, doch erst auf dem 18. Zionistenkongress 1933 in Basel schließlich als offizielles Symbol der Bewegung bestätigt. Was dem Davidstern zuvor als religiöses Symbol fehlte, nämlich seine biblische Referenz, gestattete nun, dass dieser Kennzeichen einer politischen Bewegung werden konnte.
Während des Nationalsozialismus erfuhr der Magen David schließlich seine Verkehrung zum antijüdischen Schmähzeichen. Mit der Einführung des gelben Kennzeichens wurden alle deutschen Juden über sechs Jahre dazu verpflichtet, in der Öffentlichkeit einen gelben Davidstern zu tragen, gut sichtbar und fest fixiert auf der linken Brustseite ihrer Kleidungsstücke. Zunächst im besetzten Polen und in den Konzentrationslagern verbreitet, wurde die Markierung  1941 auch in Deutschland eingeführt. Auch Häuser und Wohnungen mussten mit dem Davidstern kenntlich gemacht werden. Versuche in die Anonymität zu flüchten, wurden durch die sichtbare Kennzeichnung unmöglich.
1948 wurde die weiße Flagge mit den blauen Streifen und dem Magen David im Rahmen der Staatsgründung Israels zur Nationalflagge erklärt.
Es handelt sich also nicht seit jeher um ein explizit jüdisches Symbol, allerdings verschwand der Sechsstern nach und nach aus anderen Kontexten und wurde letztlich durch seine wechselhafte Geschichte zum identifizierenden Zeichen mit sowohl religiöser als auch säkularer Bedeutung. Nach Gershom Sholem erhielt der Sechsstern gerade durch die NS-Zeit, in der unter dem Zeichen Millionen von Juden verfolgt und ermordet wurden, seine Bedeutung und Kraft als Symbol: "Das Zeichen, das in unseren Tagen durch Leid und Grauen geheiligt worden ist, ist würdig geworden, den Weg zum Leben und zum Aufbau zu erleuchten. Dem Aufstieg ging der Weg in den Abgrund voraus, und wo es die letzte Erniedrigung erfuhr, gewann es seine Größe."




Challa-Platte aus Hanau 1920er Jahre ©Jüdisches Museum Frankfurt


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Letzte Änderung: 21.09.2015