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Aktuelles
Kindertransporte

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung während der Novemberpogrome 1938 in Nazi-Deutschland gab es im europäischen Ausland vielfache Bemühungen, insbesondere Kinder außerhalb der Einwanderungsregelungen aufzunehmen.
Die größte Leistung bei der Rettung von Kindern und Jugendlichen „nach der Kristallnacht“ vollbrachte Großbritannien: Innerhalb von acht Monaten wurden fast zehntausend Kinder aufgenommen. So ging das Wort „Kindertransport“ auch in die englische Sprache ein.
Der Innenminister warb im englischen Parlament am 22. November 1938: „Ich gestatte mir, heute Abend die Gelegenheit zu ergreifen, allen meinen Landsleuten diese Anstrengung anzuvertrauen. Jetzt besteht die Möglichkeit, die junge Generation eines großen Volkes aufzunehmen, jetzt besteht die Möglichkeit, in einem gewissen Ausmaß die furchtbaren Leiden ihrer Eltern und Freunde zu mildern.“ Die Rettung wurde Angelegenheit eines großen Teils der englischen Bevölkerung. Einflussreiche Persönlichkeiten stellten die Weichen, die Regierung gab die Zustimmung, reiche Bürger gaben viel Geld, aber ohne Spenden aus der Gesamtbevölkerung, ohne die Bereitschaft vieler Familien, Kinder aufzunehmen, und ohne die ehrenamtliche Mitarbeit Hunderter Frauen wäre die Aktion nicht so erfolgreich gewesen. Die englische Regierung knüpfte ihre Zusage an die Bedingung, dass die Kinder den Staat kein Geld kosten dürften, weder die Reise noch Unterbringung, Schule oder Ausbildung. Nur Kinder unter 17 Jahren sollten aufgenommen werden, ihr Aufenthalt sollte mit dem 18. Lebensjahr beendet sein. Verschiedene Hilfsorganisationen schlossen sich zusammen zum „Movement for the Care of Children from Germany and Austria“. In allen großen Zeitungen wurde ausführlich über die geplante Rettung berichtet und um Unterstützung gebeten. Die Hilfsorganisationen schalteten große Anzeigen in den englischen Tageszeitungen unter dem Titel „Before it is too late - get them out“, im Text näher erläutert: „Sie müssen gerettet werden – schnell. Entweder das, oder sie werden einem Schicksal überlassen, bei dem ein schneller Tod gnädige Erlösung sein würde.“ (Times, 10.2.1939)
Bisher weniger bekannt ist, dass in den Niederlanden etwa 2 000 Kinder Zuflucht suchten und fanden. Nachdem die Wehrmacht Holland im Mai 1940 besetzt hatte, waren die Kinder und Jugendlichen erneut gefährdet. Nur die wenigsten konnten noch in sichere Länder entkommen. Die meisten wurden in Razzien aufgegriffen und dann aus dem SS-Sammellager Westerbork in zahlreichen Massentransporten 1942/1943 in die Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und Sobibor deportiert und ermordet. Einige Kinder, insbesondere wenn sie in Pflegefamilien waren, konnten in der Illegalität überleben. Die Geschichte dieser Kinderflüchtlinge und ihre individuellen Schicksale stehen erst in jüngster Zeit im Blick der niederländischen und deutschen Öffentlichkeit.
Die schwierigen Erfahrungen, die die Kinder und Jugendlichen in ihrer neuen Umgebung in England machten, beschrieb die Historikerin Helga Krohn anschaulich: „Die Erfahrungen in den Pflegefamilien waren unterschiedlich, sie schwankten zwischen glücklich und sehr unglücklich, nicht wenige arrangierten sich, manche wurden zu schweren Hausarbeiten und zur Kinderbetreuung herangezogen. Orthodox erzogene Kinder hatten große Probleme mit der Einhaltung der Religionsgesetze und insbesondere der vorgeschriebenen Ernährung. Besonders hart wurden die Trennung von Geschwistern und ein häufiger Wechsel der  Pflegefamilien empfunden. Insgesamt waren die britischen Familien nicht darauf vorbereitet, dass sie Kinder aufnahmen, die Verfolgungen erlebt und Angst um ihre Eltern und Geschwister hatten.
Die gastgebenden Familien wussten wenig über die antijüdischen Maßnahmen der Nationalsozialisten, und es liegen Berichte vor, dass die Erzählungen der Kinder in den Schulen angezweifelt worden sind.
Besonders hart traf es viele Kinder, dass sie ihre Sprache – auch untereinander – nicht mehr sprechen durften. … Vor dem Krieg war noch ein regulärer Briefverkehr zwischen den zurückgebliebenen Eltern und den Kindern möglich. Einige dieser Briefe zeigen den ungeheuren Druck, den viele Eltern ungewollt auf die Kinder ausübten. Sie verlangten lange, ausführliche Briefe mit allen Details über das Leben in England, doch die Kinder schrieben eher knapp.
Sie konnten nicht zum Ausdruck bringen, wie es in ihnen und um sie herum wirklich aussah, sie konnten vieles noch gar nicht beurteilen. Einige weigerten sich überhaupt, mit ihren Eltern, die sie weggeschickt hatten, Kontakt aufzunehmen.
Immer wieder beauftragten Eltern ihre 14-16-jährigen Söhne und Töchter, doch auch für sie Rettung zu finden … Diese Situation belastete die Kinder sehr, und nur ganz wenige waren erfolgreich; viele leiden bis heute darunter, dass sie ihre Eltern nicht retten konnten.“

Nur sehr wenigen der geretteten Kinder war ein Wiedersehen mit ihren Eltern vergönnt. Die allermeisten von ihnen sahen ihre Eltern nie wieder, da sie ab Herbst 1941 aus Deutschland verschleppt und später ermordet wurden.

Zum 50. Jahrestag der Kindertransporte nach England gab es, initiiert von Bertha Leverton, 1989 in London ein großes Treffen der „Kinder“; Vereinigungen gründeten sich: die „Reunion of Kindertransport“ für Großbritannien und für Nordamerika die „Kindertransport Association“. In Berlin wurde 2008 am Bahnhof Friedrichstraße ein Denkmal zur Erinnerung an die Kindertransporte eingeweiht, zwei Jahre zuvor war ein solches in London am Bahnhof Liverpool Station enthüllt worden.




Zwei Schwestern aus Frankfurt bei ihrer Ankunft in einem Kinderheim in den Niederlanden am 15.November 1938 ©Sammlung Monica Kingreen


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Letzte Änderung: 21.09.2015