Sehr geehrte Besucher,
Sie benutzen den Internet Explorer in der Version 6 oder kleiner. Dieser Browser ist mehr als 10 Jahre alt und wird von unserer Website nicht mehr unterstützt. Es kann daher zu Darstellungsproblemen kommen.

Um unsere Website in Ihrer vollen Schönheit betrachten zu können, bitten wir Sie, Ihre Browsersoftware zu aktualisieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
background image
Header Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
Logo Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
      
Stichwort des Monats
Familie Rothschild

Die Familie Rothschild aus Frankfurt ist eine der berühmtesten Bank-Dynastien der Welt. Den Grundstein legte Mayer Amschel Rothschild (1743/1744-1812), der in der Frankfurter Judengasse geboren wurde und dort mit seiner Frau Gutle Schnapper (1753-1849) sein Leben verbrachte. Als Münzhändler knüpfte er Kontakte zu den hessischen und benachbarten Höfen und konnte den Landgrafen Wilhelm IX. von Hessen-Kassel – ab 1803 Kurfürst Wilhelm I. –als festen Kunden benennen.
Gemeinsam mit seinen Söhnen vollzog Mayer Amschel Rothschild den Schritt vom Händler zum Bankier. Um die Langlebigkeit der Firma zu garantieren, schloss er 1810 mit seinen Söhnen einen Gesellschaftsvertrag. Er verpflichtete sie darin zur strengen Einigkeit und gegenseitigen Unterstützung in der Firmenpolitik. Dies rettete die Firma durch schwere Krisen wie die Revolution 1848 hindurch, während andere Bankhäuser untergingen.
Die fünf Söhne Mayer Amschel Rothschilds gründeten zwischen 1810 und 1820 Niederlassungen in den wichtigsten Finanzzentren Europas: Amschel Mayer (1773-1855) übernahm das Stammhaus in Frankfurt, Salomon (1774-1855) ging nach Wien, Nathan (1777-1836) nach London, Carl Mayer (1788-1855) nach Neapel und James (1792-1868) nach Paris. Aufgrund ihres Kapitals und der gemeinsamen Vorgehensweise waren die Rothschilds in der Lage, sowohl alleine als auch in Kooperation mit anderen Bankhäusern jahrzehntelang die Länder Europas mit Staatsanleihen zu versorgen. Zudem spielten sie eine wichtige Rolle beim Ausbau des Eisenbahnnetzes in Europa. Ihr wirtschaftlicher Erfolg ging einher mit einem rasanten gesellschaftlichen Aufstieg. Sie wurden 1822 mit dem österreichischen Freiherrentitel geadelt, bauten prächtige Schlösser und konnten Kaiser Napoleon III. ebenso wie Queen Victoria bei sich empfangen. Dies war umso erstaunlicher, da sie bewusst eine jüdische Familie blieben und sich den Weg zur gesellschaftlichen Anerkennung nicht durch die Taufe erleichterten.
Die Herkunft aus der Judengasse und die selbstbewusste Pflege der jüdischen Identität war ein wichtiger Teil des Familienstolzes. Die Rothschilds pflegten ab der dritten Generation eine aristokratische Heiratspolitik, was bedeutete, dass sie nur innerhalb der Familie heirateten. Dies sollte den Zusammenhalt der europaweit agierenden Familie garantieren. Es gab auch keine andere jüdische Familie mehr, die den gesellschaftlichen und finanziellen Ansprüchen der Rothschilds als „gute Partie“ zu genügen konnten. Das Ablegen des Judentums für eine Eheschließung mit Mitgliedern christlicher Adelsfamilien war für die Familie inakzeptabel.
Nur die männlichen Rothschild-Nachkommen waren als Gesellschafter erbberechtigt. Dies führte bereits beim Tod des kinderlosen Amschel Mayer in Frankfurt zu einem Problem: Er musste seine Neffen Mayer Carl (1820-1886) und Wilhelm Carl (1828-1901) aus Neapel zu Nachfolgern bestimmen. Beide starben ohne männlichen Erben. Da der Standort Frankfurt zu diesem Zeitpunkt schon längst an Relevanz für die Firma eingebüßt hatte, wurde das deutsche Bankhaus von der Familie nach dem Tod Wilhelm Carls 1901 liquidiert.
Die Rothschildfrauen blieben aus dem Geschäft ausgeschlossen. Sie übernahmen jedoch auf dem gesellschaftlichen Parkett äußerst wichtige Funktionen. So wurden die jungen Töchter einerseits dazu erzogen, den gesellschaftlichen Status ihrer Familie mit hoher Bildung, erlesenem Geschmack und Charme zu vertreten, während sie andererseits soziale Verantwortung im Rahmen von Wohltätigkeiten übernahmen. Neben der Planung von Soireen für die Haute-Volée gehörten Gründungen von Kinderkrankenhäusern und Armenpflegeheimen zu Ihren Aufgaben. In Frankfurt stiftete Louise von Rothschild 1865 das Clementine Kinderhospital. Ihre Tochter Hanna Mathilde von Rothschild (1850-1892) stiftete die „Freiherrlich Carl von Rothschild’sche öffentliche Bibliothek“ und die Zahnklinik „Carolinum“. Mathilde von Rothschild (1932-1924) konzentrierte ihre wohltätigen Aktivitäten auf jüdische Institutionen, leistete aber auch einen wichtigen Beitrag zur Gründung der Frankfurter Universität 1914.
Neben ihrer Funktion als Wohltäter traten die Rothschilds auch als Mäzene auf. Sie förderten Künstler, Schriftsteller und Komponisten, darunter Namen wie Moritz Daniel Oppenheim, Heinrich Heine, Frederic Chopin und Giacomo Rossini.
Weitere Verantwortung übernahmen die männlichen Familienmitglieder in der Landespolitik und in den jüdischen Gemeinden. Dabei machten sie auch für die Belange der jüdischen Bevölkerung in Europa ihren Einfluss geltend. Edmond de Rothschild (1845-1934) finanzierte in Palästina die Ansiedlung zionistischer Auswanderer.
Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts büßte die Firma Rothschild ihren Einfluss als treibende Finanzkraft ein, während die Familie aufgrund ihre Vermögens und Initiativen in der Gesellschaft weiterhin eine große Rolle spielte.
Das Bankhaus in Neapel wurde 1863 aufgelöst. Die Geschichte des Wiener Bankhauses endete 1938 mit der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich. Die französischen und englischen Zweige sind bis heute noch als Privatbanken tätig.




©Jüdisches Museum Frankfurt


Veranstaltungskalender
Juli 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  01 02
03 04 05 06 07 08 09
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
25 26 27 28 29 30
31  

Pfeil nach rechtsAA





Pädagogisches Zentrum
Fritz Bauer Institut &
Jüdisches Museum Frankfurt

Seckbächer Gasse 14
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069-212 74237
pz-ffm[at]stadt-frankfurt.de





© ® 1999-2017 Pädagogisches Zentrum
Frankfurt am Main
Letzte Änderung: 21.09.2015