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Stichwort des Monats
Joseph Süß Oppenheimer

Das Leben und Wirken von Joseph Süß Oppenheimer (1698-1738) verschwindet auch heute noch hinter dem Zerrbild des „Jud Süß“, der reale Mensch hinter dem Todesurteil, selbst in gut gemeinten Verurteilungen des Antisemitismus, in Ausstellungen und Museen. Dabei bietet seine Lebensgeschichte nicht nur einen guten Einblick in die Situation von Juden vor der Emanzipation, sondern auch eine hervorragende Möglichkeit, die Zusammenhänge zwischen Geld, Wirtschaft und Politik in der Zeit des  Absolutismus zu erkennen.
Joseph Süß wurde 1698 in Heidelberg geboren, seine Mutter war Frankfurterin und zog nach dem Tod ihres Mannes wieder dahin zurück. In Frankfurt war auch  seit dem 16. Jh. der Zweig der väterlichen Linie der Oppenheimers ansässig, aus denen Samuel Oppenheimer hervorging, der berühmte Wiener Hoffaktor.
Nach Diensten für den pfälzischen Kurfürsten in Mannheim seit 1722 arbeitete Joseph Süß als Hoffaktor für den Landgrafen von Hessen-Darmstadt seit 1730 und für den Herzog von Württemberg ab 1733. Seine Dienste wurden in Anspruch genommen für die Vermittlung von Krediten, für die Beschaffung von Gold für die Münzprägung und von Luxusgütern für die fürstlichen Herrschaften.
In Frankfurt arbeitete Süß mit christlichen Frankfurter Geldgebern zusammen, der Familie Wahler (Johann Georg und Johann Carl, Vater und Sohn), die, nicht zum Frankfurter Patriziat gehörend, ebenfalls nach oben strebten und von Süß für die Goldankäufe des Darmstädter Münzgeschäfts und deren Vorfinanzierung einbezogen wurden. Aufgrund der dabei zu Beginn gleich auftretenden Schwierigkeiten gerieten die Wahlers selbst in Geldnot, weswegen sie zur Überbrückung ihrer eigenen Liquiditätsprobleme wiederum Kredit bei dem berühmten Frankfurter Bankhaus d’Orville aufnahmen, einer calvinistischen Familie wallonischer Herkunft. Dies ist ein anschauliches Beispiel für eine Finanzierungskette, die von den Fürsten als Auftraggeber über den jüdischen Hoffaktor tief in die christliche Finanz-und Geschäftswelt hineinreichte und von dort an den Amsterdamer Kredit- und Goldmarkt. Die allgemeine Vorstellung vom jüdischen Hoffaktor sieht diesen jedoch als quasi alleine agierenden „Geldgeber der Fürsten“ und meint damit, er selbst habe die fraglichen Summen besessen und verliehen, was letztlich das Klischee des „Geldjuden“ bestätigt.
Joseph Süß‘ Tätigkeiten für die Fürsten brachten ihm in den Jahren durchaus einen stattlichen Gewinn ein, der ihn ein Unternehmen mit mehreren Angestellten, eine angemessene Residenz in Frankfurt außerhalb des Ghettos sowie in Stuttgart, wo eigentlich Residenzverbot für Juden herrschte, und in Ludwigsburg ermöglichte und insgesamt einen Lebenswandel, der ihn von der Befreiung aus der Benachteiligung als Jude und sogar von der Nobilitierung träumen ließ. Tatsächlich aber waren für ihn alle Geschäfte für die Fürsten stets auch eine Gratwanderung am Rande des Bankrotts, denn er musste sein Vermögen, darunter Immobilien in Heidelberg und Mannheim – wo übrigens der Ghettozwang aufgehoben war –, immer wieder als Garantie für die fürstlichen Kreditaufnahmen einsetzen.
Beim Herzog von Württemberg setzte sich Süß nicht nur für die Befriedigung von dessen Luxusbedürfnissen sondern auch für die Reduzierung der Schuldenaufnahme ein, ihm schwebte gar eine „Schwarze Null“ vor und mehr noch: ein Haushalt, in dem die Einnahmen die Ausgaben überstiegen. Viele der dafür vorgesehenen Maßnahmen waren revolutionär, z.B. die Abschaffung von Steuerprivilegien: eine fünfprozentige Lohnsteuer für die Beamten und eine allgemeine Einkommenssteuer. Das meiste davon konnte Süß in der kurzen Zeit bis zum plötzlichen Tod des Herzogs Karl (damals Carl) Alexander 1737 nicht realisieren, schaffte sich aber dafür Feinde am Hof sowie in den Reihen der Landstände (Vertreter der Städte und Gemeinden), die auf ihrem politischen Recht der Steuerbewilligung und ihrem privaten Recht des Steuerprivilegs beharrten. Doch alleine durch die Effektivierung des herzoglichen Finanzwesens konnte Süß als „geheimer Finanzien-Rath“ im letzten Jahr seiner Tätigkeit 300.000 Gulden einsparen, die der Herzog allerdings nur für weitere Luxusausgaben verprasste.
Joseph Süß sah ein böses Ende voraus: Sein Vorgänger war beim vorherigen Herzog im Ungnade gefallen und inhaftiert worden, Süß hatte ihn auslösen müssen, anderen jüdischen Faktoren an verschiedenen Höfen ging es ähnlich. Mehrfach ersuchte Süß den Herzog um seine Entlassung, dieser ließ ihn jedoch nicht gehen und drohte ihm bei Flucht Verhaftung an. Noch am Tag des Todes Karl Alexanders stellten sich die Beamten, mit denen er zusammengearbeitet hatte, gegen ihn, er wurde verhaftet und zahlreicher Straftaten angeklagt: Münzfälschung, Bereicherung aus der Staatskasse, Amtsanmaßung… –  doch dies alles musste selbst in dem nicht rechtsstaatlichen Prozess fallen gelassen werden, übrig blieben nur allgemeine „schädliche consilia [Ratschläge, Empfehlungen] wider Herrn und Land“ und vor allem die nach damaligem Recht widerrechtliche Beziehung zu einer Christin, Luciana Fischer.
Am 4.2.1738 wurde Joseph Süß in Stuttgart auf eine Weise hingerichtet, die mit dafür sorgte, dass in der Nachwelt der Tod sein Leben überschattete: Er wurde hoch in der Luft in einem Käfig erhenkt, die Leiche wurde dort sechs Jahre lang hängen gelassen.
Die Öffentlichkeit interessierte sich für Joseph Süß Oppenheimer erst, nachdem er im März 1737 zum “Fall” wurde nach dem Tod des Herzogs Karl Alexander von Württemberg. Daher gibt es nur bildliche Darstellungen aus der Zeit des Prozesses. Dieses Bild auf einem Flugblatt gilt trotz des diffamierenden Kontexts - “Wer großer Herren Gunst misbraucht...” - noch als die neutralste Porträtierung.
Das kleine Abbild unten zeigt den Käfig am Galgen, womit die Darstellung auf den Zeitpunkt nach dem Urteil datiert werden kann.


©http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flugblatt3_Joseph_S%C3%BC%C3%9F_Oppenheimer_copy.jpg


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Letzte Änderung: 21.09.2015