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Die Anfänge deutsch-israelischer diplomatischer Beziehungen

Am 12. Mai 1965 kam es zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel. David Ben Gurion, erster Ministerpräsident des Staates Israel, und Konrad Adenauer, erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, hatten es möglich gemacht, dass beide Staaten trotz aller historischen Belastungen in einen direkten Dialog treten konnten.
In seiner Regierungserklärung vom 27. September 1951 bekannte sich Konrad Adenauer ausdrücklich zu den „unsagbaren Verbrechen“, die „im Namen des deutschen Volkes“ an Juden begangen worden waren und „zur moralischen und materiellen Wiedergutmachung“ verpflichteten.

Auf zwischenstaatlicher Ebene gibt es zwei entscheidende Stationen für die Annäherung: Das Luxemburger Abkommen von 1952, in dem die Bundesrepublik Verantwortung für die Folgen des Holocaust übernahm, und das Treffen zwischen David Ben Gurion und Konrad Adenauer im März 1960. Bereits 1952 unterzeichneten der israelische Außenminister Moshe Sharett und der deutsche Bundeskanzler das sogenannte Luxemburger Abkommen. Es regelte bundesrepublikanische Entschädigungsleistungen für die jüdischen Opfer in der NS-Zeit. Gegen das Abkommen gab es sowohl in Israel als auch in Deutschland heftigen Widerstand. Laut einer Umfrage des Umfrage-Instituts Allensbach im August 1952 hielten 44 Prozent der Deutschen das Abkommen für „überflüssig“; nur elf Prozent signalisierten Zustimmung. Die innerisraelische Opposition lehnte es anfangs vehement ab, aus Deutschland stammendes „Blutgeld“ in Empfang zu nehmen, deutsche Kritiker auch innerhalb der Regierungskoalition, argumentierten, Israel habe kein Recht auf Reparationen, da es während der NS-Herrschaft noch gar nicht existiert habe. Das Abkommen schuf jedoch die Grundlagen und Voraussetzungen für einen weiter gehenden politischen Dialog, der im Treffen zwischen Ben Gurion und Adenauer seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Am 14. März 1960 fand die erste Begegnung der beiden Staatsmänner im Hotel Waldorf Astoria in New York, einem neutralen Ort, statt. In den Gesprächen ging es um die deutsche Unterstützung für Israel. Wichtiger aber war die Tatsache, dass mit diesem in freundlicher Atmosphäre geführten Treffen eine Verständigung zwischen Deutschland und Israel möglich erschien. Die beiden großen alten Männer sollten sich noch einmal wiedersehen, als Privatleute. Im Mai 1966 besuchte Adenauer Ben Gurion in seinem Kibbuz Sde Boker. Der erste offizielle Staatsbesuch eines deutschen Bundeskanzlers in Israel fand erst acht Jahre später, 1973, durch Willy Brandt statt.

Eine wichtige Funktion hatten für die Annäherung zivilgesellschaftliche Organisationen und Einrichtungen,  sie bauten die wichtigen Brücken zwischen den Menschen in beiden Ländern auf – besonders in Wissenschaft, Kultur, Sport und mit den Freiwilligendiensten wie die „Aktion Sühnezeichen  Friedensdienste“ (ASF), die eine Gruppe evangelischer Christen 1958 gründete. Sie rief die Deutschen dazu auf, ihre Schuld während der NS-Zeit durch freiwilligen Dienst in Israel, Polen und Russland zu sühnen. Im gleichen Jahr belegte der spätere Trainer der israelischen Fußballnationalmannschaft, Emmanuel Schaffer, den Trainerlehrgang des Deutschen Fußball-Bundes an der Sporthochschule in Köln. Einige Jahre zuvor hatte noch die israelische Regierung ihren Sportlerinnen und Sportlern vor den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki ausdrücklich Wettkämpfe untersagt, in denen sie ausschließlich gegen Deutsche antreten würden. 1964 startete der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine Unterschriften-Kampagne für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

Der Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik, für ganz Deutschland zu sprechen, die sogenannte Hallstein-Doktrin, ließ die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel unvereinbar erscheinen, da man dadurch den Abbruch der diplomatischer Beziehungen arabischer Staaten und deren völkerrechtliche Anerkennung der DDR fürchtete. Auch bei dem legendären Treffen im Waldorf Astoria widersetzte sich Adenauer dem israelischen Wunsch nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen, sagte gleichwohl Israel weiterhin geheime militärische Unterstützung zu. Als die geheimen Waffenlieferungen publik wurden und der ägyptische Präsident Nasser den DDR-Staatsratsvorsitzenden Ulbricht nach Kairo einlud, war klar, dass die Hallstein-Doktrin nicht mehr einzuhalten war. Unter Bundeskanzler Ludwig Erhard wollte man keine  diplomatische Schwäche zeigen und vereinbarte den Austausch von Botschaftern mit Israel. Zehn arabische Staaten, darunter Ägypten, Syrien und Saudi-Arabien, brachen daraufhin vorübergehend die diplomatischen Beziehungen zu Bonn ab. Am 19. August 1965 trat Rolf Pauls als erster deutscher Botschafter seinen Dienst in Israel an. Anfangs gab es heftigen Protest gegen Pauls, einen ehemaligen Wehrmachtsoffizier.

Kurz nach der Aufnahme der offiziellen Beziehungen traten die ersten Städte miteinander in Kontakt. Heute bestehen mehr als 100 Städtepartnerschaften zwischen Israel und Deutschland. Yfaat Weiß, Professorin für jüdische Geschichte und Leiterin des Franz Rosenzweig Minerva Research Center an der Hebräischen Universität Jerusalem, betonte kürzlich auf einer Veranstaltung, jenseits der „großen politischen Fragen“ existierten ganz andere Gesprächsebenen zwischen Israelis und Deutschen in den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Lifestyle: „Es gibt so viele Kanäle. Wenn wir nur auf die Berichterstattung und die Politik schauen, dann sehen wir sie nicht.“




Konrad Adenauer in Tel Aviv, Mai 1966. Rechts neben ihm David Ben Gurion.


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Letzte Änderung: 21.09.2015