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Stichwort des Monats
Großmarkthalle Frankfurt am Main 1941 – 1945 Sammelort für die Verschleppung von als Juden Verfolgten

Am 25. Oktober 1928 feierte die Stadt Frankfurt die Einweihung der neuen Großmarkthalle, entworfen von Martin Elsaesser. Das „Neue Frankfurt“ erhielt mit dem monumentalen, funktionalen und technisch-ausgeklügelten Hallenbau ein weiteres Wahrzeichen, das schon bald bei Fachleuten des In- und Auslands als Beispiel der architektonischen Moderne galt. Nur 13 Jahre später wurde das Gebäude mit einem ganz anderen Teil der Geschichte Frankfurts eng verbunden. Bei laufendem Marktbetrieb war sie ab 1941 für die gewaltsame Verschleppung der jüdischen Bevölkerung Frankfurts von zentraler Bedeutung. Von hier deportierte die Geheime Staatspolizei in Komplizenschaft mit „brauner“ Stadtverwaltung und Gauleitung in nur elf Monaten zwischen Oktober 1941 und September 1942 in zehn Massendeportationen mehr als 8.500 jüdische Menschen aus Frankfurt, sowie mehr als tausend Personen aus Wiesbaden und 50 Orten des Regierungsbezirkes Wiesbaden im Juni und im September 1942. Nur etwa 200 von ihnen überlebten den Holocaust. Weitere Deportationen erfolgten später bis Anfang 1945 von anderen Orten in Frankfurt am Main. Seit Beginn der NS-Herrschaft 1933 lief der Prozess der Ausgrenzung von Menschen im Deutschen Reich, die nach der NS-Rassenideologie als Juden galten. Ihre Isolation und materielle Verarmung ging schnell voran. Etwa 2/3 der jüdischen Bevölkerung floh bis 1939 aus dem Deutschen Reich. Frankfurt am Main war als Großstadt Zufluchtsort tausender jüdischer Menschen aus dem weiten Umland geworden, die dem zunehmend isolierten und oft auch bedrohten Leben in ihren Heimatorten entkommen wollten. Diese Zuwanderung setzte im Herbst 1935 ein und steigerte sich infolge der gewalttätigen Ausschreitungen nach den Novemberpogromen 1938. Die jüdische Selbsthilfe hatte in Frankfurt Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche geschaffen, aber auch Altersheime für die bei der Flucht aus Nazi-Deutschland notgedrungen zurückgelassenen Eltern. Die Massendeportationen von als Juden Verfolgten aus dem Deutschen Reich begannen Mitte Oktober 1941. Organisiert und durchgeführt wurden sie vom Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin, der Zentrale antisemitischer und rassistischer Verfolgung und Vernichtung, deren Führungscorps als die „Kerngruppe des Genozids“ zu sehen ist. Genannt seien hier die Namen Reinhard Heydrich, Heinrich Himmler und Ernst Kaltenbrunner. Die regionalen Gestapoleitstellen waren dem RSHA unterstellt: so die Geheime Staatspolizei (Gestapo) Frankfurt für die Stadt und den Regierungsbezirk Wiesbaden. Sie hatte ihren Sitz in einer Villa in der Lindenstraße 27 im Frankfurter Westend. Die Angestellte der Jüdischen Gemeinde Lina Katz beschreibt 1961 ihre Erinnerung an die Umstände der Deportationen 1941 und 1942: „Am Sonntag morgens 7 Uhr wurden die auf der Liste befindlichen Personen von SA-Leuten aus ihrer Wohnung geholt. […] Ich habe dies alles selbst gesehen, weil ich in der […] Bockenheimer Landstraße 73, mit sechs anderen jüdischen Familien wohnte. Alle im Haus wurden abgeholt außer mir […] Ich habe meinen Nachbarn beim Packen geholfen. Ich ging auch in andere Wohnungen von Leuten, die auf der Liste standen, um Abschied zu nehmen, wurde aber in einer (Wohnung) von den SA-Leuten bedroht, wenn ich mich nicht packe, würde ich selbst – wie ich gehe und stehe – mitgenommen. […] In die Großmarkthalle konnte ich nicht hinein. Dort übernahmen SS-Leute den Zug, der bis dahin von SA eskortiert wurde.“ Die weiteren Deportationen verliefen ähnlich, der Ablauf in der Großmarkthalle wurde perfektioniert. Dort wurden die Verschleppten nicht nur erfasst, sondern auch gedemütigt und ihrer letzten Habe beraubt. Daneben gab es andere Wege, auf denen kleinere Gruppen und einzelne Verfolgte in die Konzentrations- und Vernichtungslager verbracht wurden. Ein Sammelort von Verschleppten war in Frankfurt das Polizeigefängnis in der Klappergasse. Heute wird die Großmarkthalle von der Europäischen Zentralbank genutzt. Ende November 2015 wird eine Erinnerungsstätte auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle eingeweiht. Sie soll dazu beitragen, die Erinnerung an die Verschleppten und Ermordeten – aber auch an die Verantwortlichen und die Zuschauer dieser Verbrechen wach zu halten.   (Für dieses Stichwort wurden Passagen aus dem Beitrag von Monica Kingreen und dem Grußwort von OB Peter Feldmann für die Begleitpublikation zur „Erinnerungsstätte Großmarkthalle“ verwendet.)
 
Verweise:

www.frankfurt1933-1945.de

Monica Kingreen (Hg.), „Nach der Kristallnacht“. Jüdisches Leben und antijüdische Politik in Frankfurt am Main 1938-1945, Frankfurt am Main/New York 1999




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Letzte Änderung: 21.09.2015