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Stichwort des Monats
„Ostend. Blick in ein jüdisches Viertel“ im Bunker an der Friedberger Anlage in Frankfurt am Main

Der Ort:
1942/43 ließ die nationalsozialistische Stadtregierung von Frankfurt am Main im Rahmen des sogenannten „Luftschutz-Führerprogramms“ an der Friedberger einen Bunker errichten. Der Bauplatz war das Grundstück der während des November-Pogroms gebrandschatzten und danach abgetragenen Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft. Ab 1907 hatte das prächtige neue Gotteshaus an der Friedberger Anlage gestanden – mit 1.600 Plätzen war es seinerzeit die größte Synagoge Frankfurts.
Bis heute ist der Bunker ein Fremdkörper in der Stadt – „ein Merkzeichen für die Gewalt, das Leid und den Schrecken“, so charakterisierte Salomon Korn einmal das Bauwerk.
Nicht nur die brutale Gewalt des Novemberpogroms ist hier repräsentiert. Während der letzten beiden Kriegsjahre suchte die Zivilbevölkerung in solchen Bunkern Schutz vor Luftangriffen der Alliierten. Nicht immer konnten die Räumlichkeiten alle Verzweifelten aufnehmen. Die Zustände bei Fliegeralarm in und vor dem Bunker an der Friedberger Anlage müssen oft katastrophal gewesen sein, zumal das Ostend zu den am stärksten zerstörten Stadtteilen gehörte. Juden hatten keinen Zutritt zu Luftschutzbunkern. Er wurde gemäß NS-Rassendoktrin nur „deutschen Volksgenossen“ gewährt.
Heute ist der Bunker ein Ort des Erinnerns und mit der Gedenkstätte auf seinem Vorplatz auch ein Ort des Gedenkens. Die „Initiative 9. November“ kümmert sich seit 1989 darum, dass hier an die Ereignisse des Pogroms und an die verlorenen jüdischen Gemeinden erinnert wird.
Das Ostend als jüdische Lebenswelt
In diesem Bunker an der Friedberger Anlage zeigt das Jüdische Museum Frankfurt die Ausstellung „Ostend. Blick in ein jüdisches Viertel“. Das Frankfurter Ostend war um die Wende zum 20. Jahrhundert und bis in die NS-Zeit von der Zuwanderung aus Osteuropa geprägt. Arbeitskräfte kamen als legale und als illegale Einwanderer, um in den Industrieanlagen und am Hafen eine Anstellung zu finden. Unter diesen zumeist mittellosen Menschen gab es entsprechend der Bevölkerungsstruktur in Polen, der Ukraine und Weißrussland auch einen Prozentsatz von gut 10% Juden. Sie brachten ihre Sprache, das Ost-Jiddische, und ihre Gebräuche und religiösen Orientierungen mit. An der Grenze zwischen Ostend und Altstadt waren seit Mitte des 19.Jahrhunderts die zentralen Einrichtungen der „Israelitischen Religionsgesellschaft“. Diese Gruppe hatte sich von der jüdischen Gemeinde abgespalten, weil es Auseinandersetzungen um die richtige Auslegung der Gebote und die Form des Gottesdienstes gab. So trafen hier im Ostend zwei jüdische Strömungen aufeinander: Eine politisch kaisertreue und religiös konservative deutsche Gemeinde und eine Vielzahl von volkstümlich gläubigen, schwärmerischen ostjüdischen Gruppen.
Diese Vielfalt jüdischen Lebens in einer christlichen Umwelt und ihre Zerstörung durch den nationalsozialistischen Staat zeigt die Ausstellung im Luftschutzbunker. Sie dokumentiert aber auch die Wiederbegründung jüdischen Lebens in Frankfurt nach dem Holocaust. Hier im Ostend hatte es eine große Zahl an Gemeindeeinrichtungen gegeben: Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, Religionsschulen, Suppenküchen… Und so konnte die neu gegründete jüdische Gemeinde zumindest in den Überresten der Gebäude der untergegangenen Vorgängergemeinden mit ihrer Arbeit beginnen. Hier in der Synagoge am Baumweg und im Krankenhaus an der Gagernstraße wurden Überlebende gepflegt und psychologisch unterstützt, erste Gottesdienste und Schulstunden gehalten.




Der Bunker an der Friedberger Anlage in Frankfurt am Main, 2014 (Foto: JMF)


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Letzte Änderung: 21.09.2015