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Stichwort des Monats
Fünfzig Jahre I.E. Lichtigfeld-Schule der Jüdischen Gemeinde Frankfurt

Am 18. April 1966 wurde in aller Stille – fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit – die erste jüdische Grundschule einer Nachkriegsgemeinde in Deutschland eröffnet. „Das ist ein Experiment“, sagte Landesrabbiner Isaak Emil Lichtigfeld bei der Eröffnung, „wir wollen kein großes Aufsehen. Die Schule ist ein zartes Pflänzchen, das noch viel begossen werden muss.“
Es war in der Tat ein Experiment, nicht nur für Schüler und Eltern, sondern auch für das Hessische Kultusministerium. Dieses stand zwar der Wiederbelebung jüdischer Traditionen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, aber man befürchtete zugleich, dass durch die Hintertür dieser Schule die damals immer noch umstrittene Konfessionsschule wieder ins Land geholt werden könnte. Auch innerhalb der Jüdischen Gemeinde gab es Bedenken. Manche befürchteten, dass die Einrichtung einer jüdischen Schule eine Ghettoisierung ihrer Kinder bedeuten könne.
Trotz aller Schwierigkeiten nahm die Schule ihren Betrieb auf und begann mit einer ersten und einer zweiten Klasse mit insgesamt 30 Kindern – damals zehn Prozent aller schulpflichtigen Kinder der Jüdischen Gemeinde - , darunter vier nichtjüdischen. Als Schulgebäude diente der Seitenflügel der Westendsynagoge, der für diese Zwecke umgebaut werden musste, da er vorher als Büroraum genutzt worden war.
Der vom Kultusministerium festgelegte Grundschullehrplan war auch für die Lichtigfeld-Schule verbindlich. Hinzu kamen noch die Fächer Hebräisch und Religion mit insgesamt fünf Stunden pro Woche. Für die offene und liberale Ausrichtung der Schule stand die Einstellung einer nichtjüdischen Rektorin , Ruth Moritz, die die Schule bis zu ihrer Pensionierung 1992 leitete. Ziel war es von Beginn an, jüdische Inhalte in den Unterricht und in das Schulleben einfließen zu lassen und sich dabei nicht nur auf  jüdische Religion zu beschränken. Das Schulkonzept zog auch nichtjüdische Kinder an - die Anmeldungen stiegen stetig an. Zwei Jahre nach der Gründung wurden 68 Schülerinnen  und Schüler in vier Klassen von vier Lehrerinnen unterrichtet. Die Privatschule erhielt die staatliche Anerkennung - Anträge auf finanzielle Unterstützung durch das Land Hessen wurden jedoch zunächst abgelehnt, da religiös ausgerichtete Schulen kein Anrecht auf finanzielle Beihilfen hatten. Nach der Änderung des Privatschulgesetzes erhielt auch die Lichtigfeld-Schule pro Kind einen staatlichen Zuschuss sowie freie Lehrmittel.
Mit steigenden Schülerzahlen vergrößerte sich das Raumproblem. Es fehlten Klassenräume, eine Turnhalle sowie ein großer Pausenhof. So wurde ein weiteres Stockwerk in dem Gebäude ausgebaut. Doch auch die Erweiterung  war nach einiger Zeit nicht mehr ausreichend, da die Schülerzahlen weiter stiegen.
20 Jahre nach ihrer Gründung konnte die Lichtigfeld-Schule 1986 ihre neuen Räume im gerade fertiggestellten Gemeindezentrum im Westend beziehen. Gleichzeitig wurde die Schulstufe um die Klassen 5 und 6 erweitert (Förderstufe). Schon wenig später bahnten sich weitere Raumprobleme an. Es gab zum Schuljahr 1989/90 so viele Anmeldungen, dass die erste Klassenstufe dreizügig wurde. Die Förderstufe zog in den Verwaltungsbau der Jüdischen Gemeinde in der Westendstraße.
Die Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten, die seit 1989 in die Bundesrepublik einreisen durften, prägten auch die weitere Entwicklung der Schule entscheidend.  Am Anfang gab es große Anpassungsschwierigkeiten. Die Familien wohnten zunächst für unbestimmte Zeit in Übergangsheimen, Hotels oder Pensionen. Die Kinder waren mit dem Schulsystem hier nicht vertraut und mussten schnell Deutsch lernen. Im Gemeindezentrum waren die Klassen für maximal 18 Kinder konzipiert, und die Schule war für 200 Schülerinnen und Schüler geplant. Auf keinen Fall aber wollte man sie ablehnen. So wurden auch Räume aus dem Jugendzentrum im Tiefgeschoss  zusätzlich für den Unterricht genutzt. Eine Russisch sprechende Lehrerin wurde eingestellt, die bei Elterngesprächen und - abenden übersetzte und einen Intensivkurs in Deutsch erteilte. Die Schülerzahl stieg Mitte der 90er Jahre auf 330.
Auch wenn die Lichtigfeld-Schule damals im Vergleich zu staatlichen Schulen deutliche Vorteile genoss – wenig Stundenausfall, keine Stundentafelkürzung, ausreichende Lehrerversorgung, kleine Klassen, Förderunterricht und sonderpädagogische Betreuung - , so begann 1993 trotzdem eine verstärkte Diskussion innerhalb der Schulgemeinschaft und des Trägers über das künftige Profil der jüdischen Schule. Welchen Stellenwert sollte die Vermittlung jüdischer Themen und Inhalte haben? Als Ergebnis der Diskussion wurde  die Stundenzahl in Religion und Hebräisch erhöht, wurden neue moderne Lehrmittel angeschafft, im Deutschunterricht verstärkt jüdische Autoren behandelt, und in den Klassen 5 und 6 auch jüdische Geschichte unterrichtet. Das gemeinsame Gedenken und Erinnern an die Novemberpogrome von 1938 sowie zum Jom Ha’schoa – dem israelischen Tag des Gedenkens an die Opfer der Schoa – sind bis heute fester Bestandteil des Schulprogramms, ebenso die gemeinsame Fahrt der 6. Klassen mit den  Eltern in das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald.
Im September 2006 zog die Schule in das renovierte Philanthropin ein. Dieser Umzug stellte völlig neue Herausforderungen an die Schule und die Jüdische Gemeinde. Die Umstellung auf eine Ganztagsschule und die Eröffnung des Gymnasialzweigs für die Mittelstufe (G8) erforderten eine Neukonzeption der Schule,  sowohl organisatorisch als auch inhaltlich. Förderprogramme sowohl für hochbegabte als auch lernschwache Schülerinnen und Schüler wurden entwickelt. Die technische Ausstattung sowohl in den Klassenräumen als auch in den Fachräumen wurden auf den neuesten Stand gebracht. Mit knapp 400 Schülerinnen und Schülern und einem Kollegium von fast 70 Lehrerinnen und Lehrern hat die Schule inzwischen eine Größe erreicht, die der des ursprünglichen  Philanthropins  in diesem Gebäude entspricht, das 1908 erbaut wurde.
Aktuell plant und organisiert die Gemeinde die Einführung  der gymnasialen Oberstufe  im Schuljahr 2018/2019.




Eröffnung der Jüdischen Grundschule, am 18. April 1966, von links Lehrerin Ruth Cohn, Schulleiterin Ruth Moritz, Moritz Gertler, Rabbiner Lichtigfeld, Gemeinderatsvorsitzender Hans Meyer und Verwaltungsdirektor Adolf Olkowicz. Bild 2: Die Lichtigfeld-Schule im Philanthropin heute. © Rafael Luwisch


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Letzte Änderung: 21.09.2015