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Stichwort des Monats
Orte nationalsozialistischer Massenmorde in Osteuropa als Gegenstand der historisch-politischen Bildung in der Schule

Auschwitz als Konzentrations- und Vernichtungslager steht in Schulbüchern exemplarisch für den Völkermord. So manifestiert sich die geschichtskulturell verengte Gleichsetzung von Holocaust und Auschwitz. Mit Auschwitz als Symbol für den Holocaust bleibt das Ausmaß jedoch räumlich eingegrenzt, Mordmethoden beschränken sich auf „fabrikmäßige“ Tötung und die Anzahl der Täter bleibt relativ klein. Plausibel erscheint dann zudem die Behauptung, die Deutschen hätten von den Massenverbrechen nichts gewusst.
Bevor Auschwitz im Frühjahr 1942 zur Massenmordstätte erweitert wurde, hatten aber zehntausende Angehörige der SS, Polizei, Wehrmacht und Zivilverwaltung schon weit über eine Million als Juden Verfolgte durch Massenerschießungen ermordet, etwa zwei Millionen sowjetische Kriegsgefangene waren bereits in Lagern der Wehrmacht umgekommen. Diese Massenerschießungen fanden öffentlich statt, dadurch wurden Hunderttausende zu direkten oder indirekten Zeuginnen und Zeugen. Durch Briefe, infolge von Heimaturlauben und aufgrund von nachhause geschicktem Raubgut gelangten zahlreiche Informationen darüber zudem auch ins „Altreich“.
Im Schulbuch, dem zentralen Medium des Geschichtsunterrichts, dominiert die Entrechtung, Deportation und Vernichtung der als Juden Verfolgten im „Altreich“. Die verschiedenen Täter - und Opfergruppen des Holocaust und anderer deutscher Massenmorde in den besetzten Gebieten und der Verlauf des Zweiten Weltkriegs als Kontext dieser Massenverbrechen werden nur wenig beleuchtet. Es überwiegen abgedruckte Quellen aus Überlieferungen der Täter. So entsteht ein Bild der Verfolgten als zumeist passive anonyme Opfer.
Jenseits von Auschwitz sind Orte nationalsozialistischen Massenmords in Schulbüchern kaum repräsentiert. Orte wie Treblinka, Sobibor, Belzec, Babji Jar tauchen zwar teilweise auf geographischen Überblickskarten auf, in Autorentexten und den ausgewählten Quellen werden sie aber nur selten erwähnt. Auch in schulbuchunabhängigem Unterrichtsmaterial werden sie kaum bedacht. Jedoch liegt die Chance einer Thematisierung solcher Orte im Unterricht darin, dass Schülerinnen ein differenzierteres und angemesseneres Bild über den Holocaust und andere deutsche Massenverbrechen erlangen.
Die Auseinandersetzung mit Orten nationalsozialistischen Massenmords und der Betrachtung verschiedener beteiligter Tätergruppen, individueller Motive und Handlungsmöglichkeiten ermöglicht das in Schulbüchern teilweise noch wirkmächtige Narrativ zu korrigieren, wenige mächtige Nationalsozialisten hätten die Verbrechen während des 2.Weltkriegs geplant und dafür gesorgt, dass sie umgesetzt wurden. Während dessen habe die Mehrheit der Deutschen von den gewaltigen Verbrechen nichts mitbekommen und sie sei überwiegend wider Willen gezwungen gewesen, das nationalsozialistische Regime zu unterstützen. Indem sich Schüler zudem mit verschiedenen individuellen Handlungsstrategien der Verfolgten befassen, können Mythen von passiven anonymen Massen, die sich zur „Schlachtbank“ führen ließen, in Frage gestellt werden. Ein solcher differenzierterer Blick trägt dazu bei, sich Bedingungen des Zustandekommens von Völkermord zu nähern. Er ist auch notwendig, um Debatten über diesen Teil der Geschichte und Fragen nach der heutigen Verantwortung verstehen, einordnen und sich darüber ein Urteil bilden zu können. Eine umfassendere, transnationale Perspektive bei der Thematisierung des Holocausts schafft zudem neue Anknüpfungspunkte für Lernende, die bei der Thematisierung desselben als ausschließlich deutsche Nationalgeschichte nicht gegeben sind. Letztlich bietet auch der transnationale Blick auf Erinnerungskulturen besonders für die Oberstufe ein tieferes Verständnis von Geschichtskulturen und -politiken.


  Literaturhinweise


Babji Jar, Kiew


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Letzte Änderung: 21.09.2015