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Stichwort des Monats
Ludwig Börne

Ludwig Börnes Artikel und Essays gelten als der Beginn des modernen Feuilletons in Deutschland. Das Leben Börnes spiegelt die Fort- und Rückschritte in der Emanzipation der Juden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert wider.Ludwig Börne wird am 6. Mai 1786 als Juda Löb Baruch in der Frankfurter Judengasse im Haus Rost (Nr. 118) geboren. Er ist das mittlere von fünf Kindern. Sein Vater ist ein wohlhabender Bankier und Kaufmann.

Seine stilistische Brillanz und Fähigkeit zur Ironie wird früh deutlich. Als 21-jähriger Student schreibt er in seinem Text „Die Juden in Frankfurt am Mayn“: „Die Sonne hing brütend über die lange schmale Gasse, und mir fiel wohl ein …, wir Juden müßten doch des Himmels Lieblingskinder sein, daß er unsre Wohnungen wärmer beschien als den übrigen Teil der Stadt.“ Es folgen „Freimütige Bemerkungen über die neue Stättigkeits- und Schutzordnung für die Judenschaft in Frankfurt am Main“ (1808). Die Politik unter Napoleon führt zur Erhebung Frankfurts zum Großherzogtum unter Fürst-Primas Carl von Dalberg und das 1811 erlassene Emanzipationsedikt  ändert  kurzfristig die Situation der Juden, die jetzt volles Bürgerrecht erhalten – erkauft für 440.000 Gulden. Die Bekanntschaft des Vaters mit dem Frankfurter Oberpolizeipräsidenten eröffnet Juda Löb Baruch die Möglichkeit als Polizeiaktuar (Polizeiverwaltungsdienst) in den Staatsdienst zu treten. Am 28. November 1811 tritt er seinen Dienst im Römer an. Mit der Niederlage Napoleons erledigt sich das dalbergische Frankfurt und die „Freie Stadt“ Frankfurt kehrt zu alten Verfassungsverhältnissen zurück. Dazu gehört auch, dass ein Jude nicht im Staatsdienst tätig sein kann. Zunächst schikaniert man  Juda Löb Baruch im Dienst mit geistlosen Arbeiten, am 9. März 1815 kommt dann die Entlassung. Allerdings gelingt es ihm noch, eine jährliche Pension zu erstreiten.

Im Jahre 1816 wird im Auftrag der Jüdischen Gemeinde eine offizielle Denkschrift an den Deutschen Bund gerichtet. In dieser wird die Gleichberechtigung der Juden eingefordert. Ob diese Schrift aus der Feder Börnes stammt, wird kontrovers beurteilt. Im Juni 1818 lässt sich Börne in der evangelischen Gemeinde zu Frankfurt-Rödelheim taufen. Der Ort ergibt sich, weil sein Taufpate mit dem Rödelheimer Pfarrer verwandt ist. Im gleichen Jahr stellt er beim Frankfurter Senat den Antrag auf Namensänderung: Dr. Ludwig Börne. In einer nachgereichten Begründung führt er an, dass seine journalistische Arbeit durch den Namen Baruch nicht diskriminiert werden soll. Später wird er die Taufe als „törichte Verschwendung“ ansehen. Dass er sich mehr als Deutscher, denn als Jude fühlte, ist vielfach bezeugt. Die Bezeichnung in seinem Frankfurter Pass, als er 1807 in Heidelberg studierte, als „Juif de Francfort“ hat ihn tief gekränkt.

Börnes Zeitschrift „Die Wage. Zeitschrift für Bürgerleben, Wissenschaft und Kunst“ erscheint von 1818 bis 1821. Die insgesamt13 Hefte mit Glossen, Aphorismen, Essays und Kritiken, machen ihn in Europa bekannt. Anfang 1819 übernimmt er zusätzlich die Redaktion der „Zeitung der freyen Stadt Frankfurt“. Als im März 1819 der Student Karl Sand den konservativen Dichter und Zarenberater August von Kotzebue ermordet, werden in der Folge die Karlsbader Beschlüsse im Deutschen Bund verkündet. Quasi alle Periodika stehen nunmehr unter Zensur. Börne muss wegen zunehmender Eingriffe seitens des städtischen Polizeiamtes nach sechs Monaten das Verlagsbüro der Frankfurter Zeitung räumen. Während dieser Zeit wird er viermal wegen Übertretung der Zensurbestimmung bestraft, dreimal mit Geldbußen, am Ende einmal mit Haft, um die er nur durch die fristlose Entlassung herumkommt. Danach arbeitet er als Redakteur für die in Offenbach erscheinenden „Zeitschwingen“, inhaltlich damals die radikalste deutschsprachige Zeitschrift. Dies verbessert nicht gerade seinen Ruf bei den politisch Mächtigen, der bis zu Metternich vordringt. Auch diese Tätigkeit währt nur kurz: Das Verbot der „Zeitschwingen“ kommt im Oktober 1819.

1819 schreibt er: „Man gebe uns alle die guten Einrichtungen, deren sich die Franzosen erfreuen, als da sind: Volksvertretung durch jährliche Parlamente; Unabhängigkeit von jedem auswärtigen Einfluss; Schutz und Heiligkeit von Personen; Freiheit des Handels und Gewerbe; Aufhebung der Zünfte; Aufhebung der Privilegien; Gleichheit vor dem Gesetz; gleichen Schutz aller Religionen; Öffentlichkeit der Justiz; Geschworenengerichte; Pressefreiheit; Verantwortlichkeit der Minister und der unteren Beamten.“ Viele von Börnes Forderungen sollten später in die Reichsverfassung der  Nationalversammlung von 1848 eingehen. 1824 werden die Frankfurter Juden zivilrechtlich den Christen gleichgestellt.

Breite Anerkennung bringen ihm die 1829 von Hoffmann und Campe in Hamburg verlegten „Gesammelten Schriften“. Börne erfährt 1830 von der Juli-Revolution in Frankreich und reist elektrisiert nach Paris. Von 1831 bis 1834 entsteht dort mit „Briefe aus Paris“ sein politisch-literarisches Hauptwerk. Allein an seine Vertraute Jeanette Wohl schreibt er mehr als 115 Briefe, die ebenfalls bei Hoffmann und Campe veröffentlicht werden.
Auch in Paris verliert Börne nie seine Verbindung zu Frankfurt. So eilt er 1832 mit etwa 80 Frankfurtern zum Hambacher Fest in die Pfalz. Die Einladung kommt von Johann Georg August Wirth, einem der führenden Politiker im Vormärz. Börne kämpft mit der Feder für die deutsche Einheit in republikanischer Freiheit. Als höchstes Prinzip stellt er die staatsbürgerliche Gleichheit vor angeborene Privilegien.

Anfang 1837 verschlechtert sich sein Gesundheitszustand. Am 12. Februar 1837 stirbt er in Paris und wird auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt. 1877 erfolgt die Einweihung des ersten Denkmals ihm zu Ehren in Frankfurt in der Bockenheimer Anlage. 1885 wird die Judengasse in Börnestraße umbenannt, der frühere Judenmarkt erhält den Namen Börneplatz.
Unter den Nationalsozialisten erfolgt 1935 die Umbenennung des Börneplatzes in Dominikanerplatz und der Börne-Straße in Großer Wollgraben. Im damaligen Antrag des Bauamtes heißt es: „Börne ist Jude und hat sich in Wort und Schrift gegen das Deutschtum vergangen“. Erst 1978 erhält der Börneplatz seinen alten Namen wieder zurück. 1996 wird am Neuen Börneplatz in der unmittelbaren Nachbarschaft des Museums Judengasse und des alten jüdischen Friedhofs eine Gedenkstätte für die von den Nationalsozialisten zerstörte dritte jüdische Gemeinde Frankfurts eröffnet. Seit 1993 wird in der Frankfurter Paulskirche jährlich der Ludwig-Börne-Preis an deutschsprachige politische Publizisten verliehen.

Literatur




Porträt Ludwig Börnes, gemalt von Moritz Daniel Oppenheim, 1827


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Letzte Änderung: 21.09.2015