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Stichwort des Monats
Akkulturation / Assimilation

Der Begriff der „Assimilation“ scheint heute einen eher negativen Beigeschmack zu besitzen. Dabei war das nicht immer so…
Stichworte zur jüdischen Geschichte Akkulturation / Assimilation „Assimilation“ scheint heute einen eher negativen Beigeschmack zu besitzen. Dabei war das nicht immer so. Ursprünglich hatte der Begriff – auch für Juden – eine guten Klang. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde der Begriff in der Umgangssprache benutzt, um Formen der sozialen und wirtschaftlichen Integration zur parallel verlaufenden Emanzipation zu beschreiben. Während der Revolution 1848 verkörperte der Hamburger jüdische Abgeordnete und stellvertretende Präsident der Nationalversammlung in der Paulskirche, Gabriel Riesser, die Forderung nach Gleichstellung der Juden in Verbindung mit dem Willen zur Integration. Im Jahr 1893 gründete sich der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ (C.V.). Dies war auch eine Reaktion auf den Wahlerfolg der Antisemiten in den Reichstagswahlen. Der C.V. definierte das Judentum als konfessionelle Gemeinschaft und betonte die Zugehörigkeit zum deutschen Volk. Es wurde die staatsbürgerliche Loyalität mit allen Pflichten aber auch verfassungsmäßigen Rechten versichert. Diese Grundsätze wurden auch durch die Namenswahl des Vereins signalisiert: man wollte deutscher Staatsbürger und jüdischen Glaubens zugleich sein. Einen anderen Weg und eine andere Schlussfolgerung aus dem Antisemitismus zogen die Zionisten. Für sie war klar, dass die Emanzipation gescheitert war. Im August 1897 lud Theodor Herzl zum 1. Zionistischen Weltkongress nach Basel ein. Noch im gleichen Jahr gründete sich in Deutschland die Zionistische Vereinigung für Deutschland (ZVfD). Ihr Ziel war die Schaffung eines eigenen jüdischen Staates. - Im Laufe der Auseinandersetzungen zwischen Zionisten, die ihre Gegner als „Assimilanten“ diffamierten und dem Centralverein wurde Assimilation zu einem „Kampfbegriff“ und erhielt für beide Seiten eine negative Bedeutung: die Bezeichnung für ein „Leben der Selbstverleugnung und der Blindheit gegenüber einer feindlichen Umwelt“. Noch in der Weimarer Republik nahm der Centralverein für sich in Anspruch für gut 80 Prozent der jüdischen Deutschen zu sprechen, Schätzungen über die Anzahl der organisierten Zionisten bewegen sich zwischen drei und zehn Prozent, vor allem unter jungen Juden fand der Zionismus vermehrt Zuspruch. Die unterschiedliche Konnotation des Assimilationsbegriff setzte sich in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung um die deutsch-jüdische Geschichte fort. Mal bezeichnet Assimilation die erfolgreiche Anpassung der jüdischen Minderheit an die Mehrheitsgesellschaft, mal wird darunter die Anpassung unter Preisgabe wesentlicher eigener Identitätsmerkmale verstanden. Häufig spielte in der Vergangenheit auch der verwirrende Begriff der Symbiose bzw. der deutsch-jüdischen Symbiose eine Rolle. Darunter verstanden Autoren, je nach Position, die Existenz oder die Leugnung eines engen, harmonischen Zusammenleben zwischen Juden und Nichtjuden. Um dem Dilemma der aufgeladenen Wertigkeiten und wissenschaftlich unscharfen Begriffsverwendung zu entgehen, wurde in den vergangenen Jahren zunehmend der Begriff der Akkulturation in die Diskussion gebracht. Ihm liegt ein weit gefasster Kulturbegriff zugrunde, der alle Lebensbereiche umfasst. Er ist ein beschreibender Begriff, der Werturteile zu vermeiden sucht. Maurer schreibt über die deutschen Juden vor 1933: „Die deutschen Juden waren als Gruppe akkulturiert nicht assimiliert. Individuen freilich konnten sich auch ganz anders verhalten.“


Erinnerungstuch an den Gottesdienst am Versöhnungstag während des französisch-deutschen Krieges von Metz, 1870

Erinnerungstuch an den Gottesdienst am Versöhnungstag während des französisch-deutschen Krieges von Metz, 1870. Das Motiv des Tuches wurde vielfach reproduziert und soll die jüdische Beteiligung im Krieg erinnern. Jüdisches Museum Frankfurt


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Letzte Änderung: 21.09.2015