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Stichwort des Monats
Jüdisches Museum als Lernort

Erste Museen zur jüdischen Kultur und Geschichte entstanden in Deutschland und Europa Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang der Entwicklung von Kunstgewerbemuseen und dem Interesse an Volkskunde und Regionalgeschichte. Jüdische Sammler oder jüdische Gemeinden waren die Träger, wobei die Funktion dieser frühen jüdischen Museen eher der von anderen Kunstgewerbemuseen der Epoche glich, die im späten 19. Jahrhundert entstanden. Es sollten Musterschauen für die Produktion von Ritualgegenständen sein. Auch in Frankfurt am Main entstand das im Jahr 1922 eröffnete „Museum jüdischer Altertümer“ nicht zuletzt aus dem Bedarf an einer Mustersammlung für die Produktion von Ritualgegenständen. Die Shoah vernichtete nicht nur die Menschen, sondern das nationalsozialistische Konzept war die Vernichtung der jüdischen Kultur in Europa. Die Jüdischen Museen existierten 1945 nicht mehr. Heute bedeutet „jüdisches Museum“ in Europa nicht, dass Juden ein Museum betreiben. Das Thema der Museen ist „Judentum“ und „jüdische Geschichte“ – ähnlich wie im Kunstmuseum die Kunst das Thema ist. Das jüdische Museum ist kein Ort der Selbstdarstellung jüdischen Lebens – es sei, denn die Mitarbeiter*innen machen es dazu.
Die jüdischen Museen nach der Schoah sind seit den 1970er Jahren entstanden. Ihre Gründung kann nicht von der Entwicklung einer Erinnerungskultur getrennt betrachtet werden, in deren Zentrum der Holocaust steht. Das betrifft auch das Frankfurter Jüdische Museum. Nicht zufällig war sein mit der höchsten politischen Prominenz begangener Eröffnungstermin der 50. Jahrestag des Pogroms am 9. November 1988. Diese enge Verbindung der jüdischen Museen zum Holocaust ist auch jedem Objekt und jeder Biographie eingeschrieben, die gesammelt und präsentiert werden. Das Gedenken an die Toten und an die Verbrechen ist mit den Objekten untrennbar verbunden. Eine Ausstellung über jüdisches Leben heute ist eine Post-Holocaust-Ausstellung, selbst wenn dies nicht das Thema der Präsentation ist. Auch und gerade die nichtjüdischen Besucher*innen erwarten in einem jüdischen Museum eine deutliche Präsenz der Erinnerung, wohl auch des Gedenkens an den Holocaust. Aber auch andere, sehr unterschiedliche, Bilder heften sich an das Jüdische: Klezmer-Musik, Moses Mendelssohn, Chassidische Juden, Woody Allen und Amy Winehouse, der Nahostkonflikt.
Diese oft unzusammenhängenden Bilder zu kontextualisieren und die „ferne“ Geschichte der Juden in Deutschland vor dem Holocaust in die Gegenwart zu bringen, ist die Aufgabe der jüdischen Museen. Das heutige jüdische Leben als alltägliches, mehr oder weniger religiöses Leben einer Minderheit vorzustellen, bedeutet Wissen über jüdische Geschichte und Geschichte der Juden in Deutschland zu vermitteln. Aber gleichzeitig muss dazu auch lebendiges jüdisches Leben der Gegenwart gezeigt und erfahrbar gemacht werden, ohne über „die Juden“ als eine fremde, exotische Gruppe zu sprechen.
In der kultursoziologischen Forschung werden jüdische Lebensentwürfe und Biographien als beispielhaft für das Leben als Teil einer Minderheit in einer Mehrheitsgesellschaft betrachtet. Hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten, migrationspädagogische Konzepte mit den Themen des jüdischen Museums zu verschränken.
Der Antisemitismus sollte eigentlich nicht Thema eines jüdischen Museums sein, das sich mit dem Selbstverständnis von Juden in Geschichte und Gegenwart befasst. Zugleich ist die jüdische Geschichte und Gegenwart nicht ohne die Judenfeindschaft erzählbar. Er ist zwar kein Thema, das Besucher im jüdischen Museum als Exponat erwarten. Aber sie bringen ihn als Haltung und in Versatzstücken bestehender Bilder mit. Die Museen müssen darauf reagieren, indem sie ihre Präsentationen antisemitismuskritisch konzipieren. Eine Ausstellung wie „Juden und Geld“ im Jüdischen Museum Frankfurt hat das offensiv versucht, das 2016 neu eröffnete Museum Judengasse bemüht sich eher um eine Verschiebung der Aufmerksamkeit der Besucher auf Fragen der Koexistenz von Minderheit und Mehrheit. Das ist eine der Konsequenzen der didaktischen Überzeugung, dass Wissen über jüdisches Leben eine der wenigen Grundlagen für die Abwehr des Antisemitismus ist.


Literaturhinweise


Baubeginn am Jüdischen Museum Frankfurt im Frühjahr 2016


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Letzte Änderung: 21.09.2015