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Stichwort des Monats
Orthodoxes Judentum

Ein häufig verbreiteter Irrtum ist die Meinung, dass das Judentum eine in sich geschlossene Einheit darstellt. Der jüdische Glauben kennt verschiedene religiöse Strömungen - liberal, konservativ, progressiv und orthodox.
Im Judentum gibt es 613 einzelne Vorschriften (hebräisch Mizwot), d.h. Gebote und Verbote, die in der Thora festgelegt sind. Ein zentrales Merkmal des orthodoxen Judentums ist die strikte Einhaltung dieser Vorschriften. Orthodoxe Juden gestalten ihren Alltag streng nach den religiösen Gesetzen, der Halacha -  der Gesamtheit des religionsgesetzlichen Systems. Die Einhaltung dieser unveränderbaren Gesetze prägt ihre Religiosität.
Dies bedeutet unter anderem: Frauen nehmen im Gottesdienst keine aktive Rolle ein, in der Synagoge sitzen Männer und Frauen getrennt; eine Frau kann nicht zur Rabbinerin ordiniert werden; bei gescheiterter Ehe kann nur der Mann die Scheidung herbeiführen; die Feiertagsgebote werden strikt eingehalten; der Gottesdienst wird fast ausschließlich auf Hebräisch abgehalten und die Speisegesetze (Kaschrut) müssen genau befolgt werden.
Die Orthodoxie beinhaltet wiederum mehrere Richtungen: Neoorthodoxie, Ultraorthodoxie und Chassidismus. Sie ist sowohl in Deutschland als auch in Israel die einflussreichste Strömung innerhalb des Judentums. Wenn sich auch fast alle jüdischen Gemeinden in Deutschland orthodox nennen, so bedeutet es nicht, dass die Mehrheit der Mitglieder orthodox lebt und dass es keine anderen Richtungen innerhalb der Einheitsgemeinde gibt.

Die moderne Orthodoxie entstand im 19. Jahrhundert. Sie kann als Reaktion auf das in jener Zeit immer stärker werdende liberale Judentum verstanden werden. Die Konfrontation von Moderne und dem bis dahin traditionellen Judentum führte rasch zur Entstehung unterschiedlicher religiöser Strömungen. Dieser Prozess begann in Mitteleuropa, vor allem in Deutschland.  Der radikalste Vertreter der modernen Orthodoxie war Samson Raphael Hirsch (1808-1888), der zuletzt in Frankfurt am Main wirkte. Für ihn waren das Leben nach der Thora und die Teilnahme am Kultur- und Wirtschaftsleben kein Widerspruch. Hirsch begrüßte die Emanzipation der Juden rückhaltlos, da sie die Verwirklichung des Lebensbildes der Thora ermöglichte. Hirsch war in erster Linie Erzieher, und die Wirkungen seiner Lehren erstreckten sich hauptsächlich auf den pädagogischen Bereich. Durch seine Initiative und unter seiner Leitung  wurde 1853 die Schule der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Frankfurt am Main gegründet. Kern des Schulprogramms war die Verbindung und Vereinigung  jüdischer Fächer (Thora, Religion und hebräische Sprache) mit den profanen Fächern. 1928 erhielt die Schule den Namen „Samson Raphael Hirsch-Schule“.  Am 16. Januar 1939 zwangen die politischen Umstände den Vorstand der Jüdischen Gemeinde die Schule aufzulösen.

Der Chassidismus, der seine Anhänger in Polen und Russland fand, wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Rabbi Israel Baal Schem-Tov begründet. Diese Glaubensrichtung übernahm etliche Überzeugungen aus der mittelalterlichen Mystik, der Kabbala. Grundprinzipien des Chassidismus sind verinnerlichte Lebensweise und Gotteshingabe, die Konzentration auf Gebete, aber auch soziales Engagement für Bedürftige. Die Zentren des Chassidismus liegen heute in Israel und den USA.

Das ultraorthodoxe Judentum ist die traditionellste Richtung. Es lehnt jede Art von weltlichem Wissen und moderner Technologie ab und schreibt eine strenge Kleiderordnung vor. Diese Strömung hat weitere Untergruppierungen, deren radikalste sogar den Staat Israel nicht anerkennen, da ihrer Ansicht nach nur der Messias einen jüdischen Staat errichten kann.

Seit 2003 gibt es in Deutschland die Orthodoxe Rabbinerkonferenz (ORD), die sich mit Aspekten und Problemen Jüdischen Lebens in Deutschland beschäftigt wie Eheschließung, Scheidung, Beschneidung und Kaschrut. Das Gremium besteht aus 18 Rabbinern orthodoxer Gemeinden in Deutschland.



Gedenktafel für die Samson-Raphael-Hirsch-Schule im neuen Treppenhaus des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums


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Letzte Änderung: 21.09.2015