Sehr geehrte Besucher,
Sie benutzen den Internet Explorer in der Version 6 oder kleiner. Dieser Browser ist mehr als 10 Jahre alt und wird von unserer Website nicht mehr unterstützt. Es kann daher zu Darstellungsproblemen kommen.

Um unsere Website in Ihrer vollen Schönheit betrachten zu können, bitten wir Sie, Ihre Browsersoftware zu aktualisieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
background image
Header Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
Logo Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
      
Stichwort des Monats
Liberales Judentum

Wie das orthodoxe ist auch das liberale Judentum keine einheitliche Glaubensrichtung. Es beinhaltet das Reformjudentum und das sogenannte  Progressive Judentum. Das Konservative Judentum ist zwischen orthodox und liberal anzusiedeln. Die Übergänge zwischen den Strömungen des liberalen Judentums sind oft fließend. Eine klare Abgrenzung ist in vielen Bereichen nicht möglich.

Das Liberale Judentum entstand in den jüdischen Gemeinden Deutschlands unter dem Einfluss von Aufklärung und Emanzipation. Es breitete sich in den Ländern Mittel- und Westeuropas aus, fand viele Anhänger in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Nach jahrhundertelanger Isolation und Ausgrenzung hatte die jüdische Gemeinschaft jetzt Gelegenheit, in vielen Bereichen am gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben der christlichen Gesellschaft teilzuhaben. Dieser Prozess der Überwindung  gesellschaftlicher Schranken erforderte eine neue Auslegung der jüdischen Tradition – für viele Juden hatte die  Orthodoxie keine geeignete  Antwort mehr auf die Veränderungen der Zeit.
Wegbereiter der geistigen Veränderung des Judentums in Mitteleuropa war der Philosoph Moses Mendelssohn (1729-1786), der sich stark für die Emanzipation der Juden einsetzte und jüdische Religion mit Begriffen der Philosophie seiner Zeit zu interpretieren suchte.
Das Jahr 1801 gilt für progressive oder liberale Juden weltweit als Beginn ihrer Bewegung. Damals gründete der Reformer Israel Jacobson (1769-1828) in Seesen das „Schulinstitut für arme Judenkinder“, in dem die Grundsätze des Reformjudentums eingeführt wurden.
Die Liturgie enthielt jetzt auch Gebete auf Deutsch, nicht nur auf Hebräisch. Vom Protestantismus wurden Choräle und andere Formen musikalischer Darbietung sowie später das Orgelspiel übernommen.
In den folgenden Jahrzehnten konstituierte sich die liberale Erneuerungsbewegung und wurde zur am schnellsten wachsenden Bewegung innerhalb des deutschen Judentums.
Ein Vorkämpfer des Liberalen Judentums im Deutschland des 19. Jahrhunderts war der in Frankfurt geborene Rabbiner Abraham Geiger (1810-1874). Er hielt die religiöse und moralische Botschaft der biblischen Propheten für das Judentum grundsätzlich für bedeutender als die Halacha (hebr. wandeln  = Gesamtheit der Religionsgesetze). 1908 gründeten liberale Rabbiner und Laien die „Vereinigung für das liberale Judentum.“
Ziel war zwar die Bewahrung der  jüdischen Religion aber verbunden mit der Notwendigkeit zur Veränderung oder gar der Abschaffung zeitlich überholter Erscheinungsformen.

Mit der Vernichtung des europäischen Judentums durch die Nazis gingen in West- und Mitteleuropa auch das liberale Judentum, seine Gemeinden und Institutionen unter. In den Gemeinden Nord- und Lateinamerikas sowie Großbritanniens entwickelten sich die Grundsätze und Gedanken des liberalen  Judentums jedoch weiter.

Die Menschen, die in Deutschland nach 1945 wieder jüdische Gemeinden gründeten, waren überwiegend Displaced Persons aus Osteuropa. Sie waren meist traditionell orthodox und bestimmten die religiöse Richtung in den Synagogen. Begünstigt durch die jüdische Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion seit den neunziger Jahren entstand in den schnell wachsenden Einheitsgemeinden das Bedürfnis nach Alternativen zum orthodox geprägten Gottesdienst.
Nach Geiger wurde auch das im Jahre 1999 gegründete liberale Rabbinerseminar in Potsdam benannt. Es war das erste Kolleg in Mitteleuropa nach der Schoa, das - in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam - Rabbiner und Religionslehrer beiderlei Geschlechts aus- und weiterbildete.
1997 wurde die Arbeitsgemeinschaft liberaler und konservativer jüdischer Gemeinden im deutschsprachigen Raum unter dem Namen „Union progressiver Juden in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ gegründet. Zu ihren Zielen zählen die Vertretung liberalen Judentums nach außen und die Förderung jüdischer Tradition im Einklang mit der Moderne. Kennzeichnend für das liberale Judentum im deutschsprachigen Raum sind Liturgie in Hebräisch und Deutsch, Verwendung von Musik in der Liturgie, Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen religiösen Angelegenheiten einschließlich Ordination von Frauen zu Rabbinern und Vermeidung von Gebeten, deren Inhalt der Betende heute nicht mehr teilt (wie die Bitte um Wiedereinführung des Tieropfers).
Zurzeit gehören 20 Gemeinden in Deutschland der Union Progressiver Juden (UpJ) an, die nach langer Diskussion jetzt gleichwertiges Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland ist. Im Jahre 2006 beschloss die UpJ, sich mit ihren Rabbinern der nicht-orthodoxen „Allgemeinen Rabbinerkonferenz in Deutschland“ (ARK) anzuschließen.






Foto: Margrit Schmidt


Veranstaltungskalender
Juni 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  01 02 03 04
05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 23 24 25
26 27 28 29 30  

Pfeil nach rechtsAA





Pädagogisches Zentrum
Fritz Bauer Institut &
Jüdisches Museum Frankfurt

Seckbächer Gasse 14
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069-212 74237
pz-ffm[at]stadt-frankfurt.de





© ® 1999-2017 Pädagogisches Zentrum
Frankfurt am Main
Letzte Änderung: 21.09.2015