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Holocaust

Der Begriff Holocaust bezeichnet die systematische, bürokratische durch den Staat getragene und organisierte Verfolgung und Ermordung von etwa sechs Millionen europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Kollaborateure während des zweiten Weltkrieges.

Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bezeichnet ein rituelles Feueropfer. Daher ist die Bezeichnung des Völkermordes durch diesen Begriff umstritten. Er hat sich seit Beginn der 1980er Jahre durchgesetzt, nachdem ein US-amerikanisches TV-Drama mit dem Titel „Holocaust“ die Wahrnehmung der NS-Verbrechen gerade auch in Deutschland stark beeinflusst hatte.

Der Holocaust ist als Prozess zu verstehen, der mit der Markierung einer Gruppe als „Andere“ –  in der Sprache der Nationalsozialisten „Fremdrassige“ – beginnt, dann folgt der Ausschluss der so Stigmatisierten. Schließlich werden die Ausgeschlossenen ermordet. Der Historiker Raul Hilberg hat diesen scheinbar mechanischen Ablauf beschrieben. Für die Gegenwart ist dabei entscheidend, dass der Holocaust vor allem durch die Untätigkeit der „Zuschauer“ stattfinden konnte. Yehuda Bauer hat bei seiner Gedenkrede im Deutschen Bundestag am 27. Januar 1998 die zentrale Mahnung formuliert, die eine pädagogische Beschäftigung mit der Geschichte der NS-Massenverbrechen zu vermitteln hat: „Du, deine Kinder und Kindeskinder sollen niemals Täter werden. Du, deine Kinder und Kindeskinder dürfen niemals Opfer sein. Du, deine Kinder und Kindeskinder sollen niemals, aber auch niemals passive Zuschauer sein bei Massenmord, bei Völkermord“.

Die "Rassenpolitik" NS-Deutschlands traf am härtesten die Juden. Zur Verwirklichung einer „arischen Volksgemeinschaft“ wurden aber auch andere Gruppen verfolgt, die als „rassisch minderwertig“ definiert wurden, wie die Sinti und Roma, die Slaven oder die schwarzen Deutschen.  Die Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Menschen aber auch aus nicht rassistischen bzw. antisemitischen Gründen. Das betraf politische oder weltanschauliche Gegner, Homosexuelle, Behinderte oder psychisch Kranke und sogenannte „Asoziale“. Im Jahre 1933 lebten über neun Millionen Juden in den Ländern Europas, die später von NS-Deutschland besetzt wurden. Deutsche und ihre Kollaborateure ermordeten etwa zwei Drittel der Juden Europas. Sie selbst nannten dies „Endlösung der Judenfrage“. Es ist nicht festzustellen, wann genau der Völkermord von der NS-Führung beschlossen wurde. Bekannt ist die „Wannsee-Konferenz“ (20. Januar 1942), auf der hohe Beamte die Organisation des Mordes besprachen.

Die Durchsetzung der NS-Rassenpolitik erfolgte im Deutschen Reich in einem Zeitraum von acht Jahren von der Machübernahme 1933 bis zum Beginn der „Endlösung der Judenfrage“ 1941. So konnten sich aus Deutschland noch verhältnismäßig viele Juden und Menschen, die von der nationalsozialistischen Verwaltung rassistisch verfolgt wurden, durch Flucht retten. Sobald die deutsche Wehrmacht im zweiten Weltkrieg ein Land besetze, begannen unmittelbar Verfolgung und Mordaktionen. In den Ländern der Sowjetunion folgten die „Einsatzgruppen“ unmittelbar der Frontlinie und ermordeten Juden, Sinti und Roma, sowie kommunistische Funktionäre. Auch die Wehrmacht und die SS waren an diesen systematischen Morden beteiligt. Die Juden aus den übrigen besetzten Ländern wurden in „Ghettos“ und Konzentrationslager verschleppt. Dort wurden sie zu Sklavenarbeitern gemacht oder sofort ermordet.
Als die Erfolge der Alliierten das Deutsche Reich zum Rückzug zwangen, wurden die überlebenden Häftlinge der Konzentrationslager auf  Todesmärsche geschickt, bei denen Tausende erfroren oder von den SS-Wachmannschaften erschossen wurden.

Der zweite Weltkrieg endete am 8. Mai 1945. Das Leiden der befreiten Häftlinge der Konzentrationslager war damit nicht beendet. Norbert Wollheim, ein Sprecher der befreiten Juden, schrieb im Sommer 1945: „Wir sind gerettet – aber wir sind nicht befreit“. Neben den physischen und psychischen Verletzungen hatten die jüdischen Überlebenden des Holocaust mit dem Verlust ihrer Heimat zu kämpfen.
Das letzte Lager für „Displaced Persons“, also Menschen ohne Heimat, wurde 1957 geschlossen. Bereits zwischen 1948 und 1951 waren 700.000 Juden aus Europa allein nach Israel eingewandert, weit höher war die Gesamtzahl der Auswanderer in andere Staaten, wie USA oder lateinamerikanische Länder. Die Neugründung jüdischer Gemeinden in Deutschland begann bereits kurz nach 1945. Eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle als Zuschauer oder als Täter begann in Deutschland erst etwa 20 Jahre später.

Dieser Text basiert auf der Website www.ushmm.org/wlc/en/article.php


Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, Fotografie von 1964

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Letzte Änderung: 21.09.2015