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Stichwort des Monats
Emanzipation

Das Zeitalter der „Emanzipation“ ist für die Geschichte in Europa von zentraler Bedeutung. Emanzipation (lat. emancipatio) bezeichnet einen Prozess der Befreiung aus Abhängigkeit und Unmündigkeit sowie der Verwirklichung der Selbstbestimmung. Ziel der jüdischen Emanzipation war im engeren Sinne die rechtliche Gleichstellung.

Der Emanzipationsgedanke resultierte aus der Idee der Gleichheit und dem Toleranzgebot der Aufklärung. In Deutschland begann die Emanzipationsdebatte mit dem Buch von Christian Wilhelm Dohm „Über die bürgerliche Verbesserung der Juden“ (1781), das auf eine Anregung des Philosophen Moses Mendelssohn zurückgeht. Moses Mendelssohn war die führende Gestalt der Haskala, jüdischen Aufklärung, die Teil der europäischen Aufklärungsbewegung war.

Die Emanzipation war kein gleichzeitiger und gleichmäßiger Vorgang. Im revolutionären Frankreich wurden Juden 1791 über Nacht zu gleichberechtigten Staatsbürgern erklärt. In den deutschen Staaten dagegen zog sich der Emanzipationsprozess vom Schutzjuden zum Staatsbürger über mehr als 80 Jahre bis 1871 hin, da Emanzipation als Belohnung für Anpassung verstanden wurde.  Die Bemühungen um die gesellschaftliche Integration und um die Emanzipation der Juden unterlagen in Deutschland einem langwierigen Prozess und glichen einem „Zickzackkurs“ (Volkov). In Russland räumte erst die Februarrevolution von 1917 die alten Unfreiheiten beiseite.

In allen deutschen Territorien wurden den Juden schrittweise staatsbürgerliche Rechte verliehen, da viele Regierungen die Judenemanzipation als „Belohnung“ für Assimilation gewähren wollten. Das 1812 erlassene preußische Judenedikt erklärte Juden zwar zu Staatsbürgern, schloss sie aber immer noch beispielsweise vom Beamtenstand aus. Die Juden bemühten sich ihrerseits aktiv um die Emanzipation („Selbstemanzipation“), allen voran der Hamburger Anwalt Gabriel Riesser. Er war 1848 Mitglied der Nationalversammlung und zeitweise ihr Vizepräsident.

 
In Frankfurt errichtete Napoleon 1810 das Großherzogtum Frankfurt und verlangte die Einführung des französischen Gesetzbuches einschließlich der Gleichstellung aller Bewohner. Ende 1811 wurden den Frankfurter Juden – gegen eine Ablösesumme von 440 000 Gulden – die bürgerlichen Rechte zugesprochen. Zu Beginn des darauffolgenden Jahres wurden 645 Juden in das Bürgerbuch eingetragen. Doch die politische Gleichberechtigung währte nicht lange, bereits 1814 nach dem Ende der französischen Besatzung wurde die Gleichstellung rückgängig gemacht. Die Ratsverordnung von 1824 bedeutete einen Teilerfolg: Juden erhielten den Status „Israelitische Bürger“. In privatrechtlicher Hinsicht wurden sie anderen Bürger gleichgestellt, andere Sonderregelungen (z.B. Beschränkungen in den Niederlassungs- und Ehebestimmungen)  blieben bestehen.

Die Reichsverfassung von 1871 bedeutete schließlich die rechtliche Gleichstellung der deutschen Juden. Die rechtliche Emanzipation bedeutete noch keine soziale Integration. Diese wurde von der deutschen Gesellschaft nur teilweise gewährt wird. Von sozialen Führungspositionen in Universität, Justizdienst und Armee wurden jüdische Bürger weiterhin zumeist ferngehalten.

Auf die Herausforderung durch Aufklärung und Emanzipation antwortete eine neue Generation von Rabbinern mit einer Reform des Judentums. Die unterschiedlichen Modernisierungen führten zur Herausbildung von vier Richtungen, die in Deutschland bis ins 20. Jahrhundert bestanden und große Ausstrahlung auf das Judentum in der Welt hatten: Neo-Orthodoxie, konservatives (positiv-historisches) Judentum, ↗ liberales Judentum, Reformjudentum.



Der Brand der Frankfurter Judengasse nach dem Beschuss durch französische Truppen 1796 läutete das Ende des Frankfurter Ghettos ein und bedeutete einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Emanzipation. (Jüdisches Museum Frankfurt)


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Letzte Änderung: 21.09.2015