Sehr geehrte Besucher,
Sie benutzen den Internet Explorer in der Version 6 oder kleiner. Dieser Browser ist mehr als 10 Jahre alt und wird von unserer Website nicht mehr unterstützt. Es kann daher zu Darstellungsproblemen kommen.

Um unsere Website in Ihrer vollen Schönheit betrachten zu können, bitten wir Sie, Ihre Browsersoftware zu aktualisieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
background image
Header Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
Logo Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
      
Stichwort des Monats
Islamophobie – Islamfeindlichkeit – antimuslimischer Rassismus

Die unterschiedlichen Begriffe Islamophobie, Islamfeindlichkeit, antimuslimischer Rassismus, die zur Beschreibung und sprachlichen Fassung des Phänomens verwendet werden, sind Ausdruck zum Teil divergierender Forschungsansätze und teilweise auch unterschiedlicher Perspektiven. Während der Begriff Islamophobie sprachlich in Analogie z.B. zu Homophobie auf einen pathologischen Geisteszustand im Umgang mit dem Islam verweist, hebt der Begriff Islamfeindlichkeit eine feindliche Einstellung und Haltung gegenüber dieser Religion hervor. In Anlehnung an Stuart Halls erweitertes Rassismus-Konzept fokussiert antimuslimischer Rassismus auf rassistische Handlungspraxen gegenüber Muslimen oder als muslimisch markierten Menschen. Während der Begriff Islamophobie sich im anglosächsischen Sprachraum etabliert hat, finden die Begriffe Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus im deutschsprachigen Diskurs vermehrt Anwendung.
Bereits zu Beginn der 1990er Jahre gab es vereinzelt Diskussionen über das sich entwickelnde Feindbild Islam. Zu den ersten Autorinnen und Autoren gehören beispielsweise Imam Attia (1994) und Kai Hafez (1996). Tödliche Anschläge auf türkeistämmige Familien (Mölln 1992 und Solingen 1993) wurden damals vor dem Hintergrund von Fremdenfeindlichkeit diskutiert und bewertet. Infolge der gestiegenen „Fremdenfeindlichkeit“, die vornehmlich auf Einwanderinnen und Einwanderer aus ökonomisch schwachen und muslimischen Herkünften zielte, konnte eine stetige „Kulturalisierung und Islamisierung“ der Einwanderungs-/Integrations-Debatten beobachtet werden (vgl. Tiesler 2006). Schließlich erreichte eine allgemeine dezidiert anti-islamische Einstellung durch die verheerenden Terroranschläge vom 11. September 2001 seinen ersten Höhepunkt.  
Die politische Instrumentalisierung und Ideologisierung des Islam zur Rekrutierung von Dschihadisten und ebenso zur Mobilisierung von Wählerinnen und Wähler in zahlreichen mehrheitlich muslimischen Ländern (so zum Beispiel durch die AKP und MHP in der Türkei) trug und trägt in der Außenperspektive zur Verfestigung des Feindbildes Islam nachhaltig bei. Infolge dessen hat sich das Feindbild Islam im Dilemma zwischen Gewalttaten und Terrorismus entwickelt und mittlerweile etabliert. Der Spannungsbogen des Dilemmas weist auf der einen Seite Gewalt und Terror im Namen ihres eigenwillig und einseitig interpretierten Islamverständnisses und auf der anderen Seite islamfeindliche Sprecherinnen und Sprecher, Organisationen und Parteien auf. Inmitten dieses Spannungsbogens finden sich die mehrheitlich liberalen Muslime. Diese muslimische Mehrheit, die von wie auch immer geartetem antimuslimischen Rassismus und Islamfeindlichkeit ebenfalls betroffen sind, wird allerdings selten „gehört“!
Mit Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland untersucht das Autorenteam der „Mitte-Studie“ (gefördert durch die Friedrich Ebert Stiftung) seit 2006 fortwährend Einstellungen der Bevölkerung und die Demokratiefähigkeit in der Bundesrepublik Deutschland unter Betrachtung anhaltender sozialer und politischer Deprivation. Bereits im Anschluss an die Erhebungen aus dem Jahr 2010 konnten die Phänomene Antisemitismus und Islamfeindlichkeit eindeutig als relevante antidemokratische Einstellungen mit hoher Zustimmung innerhalb der Bevölkerung identifiziert werden. Bezüglich der Islamfeindschaft und Islamkritik sind folgende Darstellungen aus der „Mitte-Studie“ beachtenswert: „Ausländerfeindlichkeit gilt als Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus. Bei näherer Betrachtung scheint dasselbe ebenfalls für den Sonderfall der Islamfeindlichkeit zu gelten. Rechtspopulistische Parteien setzten in den vergangenen Jahren nicht nur in Deutschland verstärkt auf antiislamische Propaganda in Wahlkämpfen und bei öffentlichen Veranstaltungen“ (Decker/Kiess/Brähler 2012: 86). Mittlerweile hat die islamfeindliche Einstellung durch die einschlägige Partei auch den Bundestag erreicht.
Anhaltende und immer wieder neu aufflammende politische Debatten, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder lediglich die in Deutschland lebenden Muslime (vgl. Innenminister Seehofer, CDU), befeuern antimuslimische Einstellungen in der Dominanzgesellschaft und können zu Ausgrenzungsgefühlen und kollektiven Kränkungen innerhalb der deutsch-muslimischen Bevölkerung führen. Ferner ermuntern islamfeindliche Diskurse rechtsextremistische Akteure zu gewalttägigen Aktionen gegenüber Muslimen oder muslimischen Einrichtungen.
Zum traurigen Gipfel islamfeindlicher Gewalttaten zählen die Morde des NSU-Trios (nationalsozialistischer Untergrund), einer rechtsextremistischen Terrorzelle, die zwischen den Jahren 2000 bis 2006 acht türkeistämmige Muslime und einen griechischstämmigen Einzelhändler sowie eine deutsche Polizistin ermordet haben. Die Opfer wurden gezielt nach ihrer Herkunft und Religion ausgesucht.
Seit 2017 werden islamfeindliche Straftaten gesondert registriert. Das Bundesinnenministerium gab in seinem Jahresbericht bekannt, dass im letzten Jahr (2017) ca. 950 Straftaten mit einem islamfeindlichen Motiv gegen Muslime und muslimische Einrichtungen zur Anzeige gebracht wurden (vgl. Zeit-Online, 3. März 2018). In fast allen Fällen seien die Täter dem rechtsextremistischen Milieu zuzuordnen. Bei den Übergriffen wurden 33 Menschen verletzt und die Behörden dokumentierten mindestens 60 Anschläge auf Moscheen und andere muslimische Einrichtungen. Die Straftaten reichen von Hetze im Internet bis zu körperlichen Übergriffen. Allerdings ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, weil ein Großteil der Übergriffe und Anschläge gar nicht angezeigt wird.





©Migazin


Veranstaltungskalender
Juni 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  01 02 03
04 05 06 07 08 09 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
26 27 28 29 30  

Pfeil nach rechtsAA





Pädagogisches Zentrum
Fritz Bauer Institut &
Jüdisches Museum Frankfurt

Seckbächer Gasse 14
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069-212 74237
pz-ffm[at]stadt-frankfurt.de





© ® 1999-2018 Pädagogisches Zentrum
Frankfurt am Main
Letzte Änderung: 21.08.2015