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Stichwort des Monats
Der Auschwitz-Prozess – und seine didaktische Bedeutung

Im Folgenden geht es um grundlegende Informationen zum Auschwitz-Prozess und es wird erläutert, weshalb es sich lohnt, ihn zum Unterrichtsgegenstand zu machen.
In Frankfurt am Main fand vom 20. Dezember 1963 bis 20. August 1965, zunächst im Rathaus Römer und dann im Haus Gallus der historische Frankfurter Auschwitz-Prozess statt. 21 SS-Männer und ein „Funktionshäftling“ waren angeklagt, die gemeinsam mit weiteren Personen für den Mord mehr als einer Millionen Menschen im nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz  von 1940 – 1945 verantwortlich waren. Im Verlauf der Verhandlung sagten 360 Zeugen aus. Davon waren 211 Überlebende aus Auschwitz, die zum Teil erstmalig über ihre grauenhaften Erlebnisse berichteten und dem Gericht und der deutschen Öffentlichkeit die Vernichtungsmaschinerie von Auschwitz vor Augen führten.
Vorgeschichte des Prozesses
Im ermordete das SS-Personal mehr als eine Million Menschen. Die meisten der Opfer des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz (1940–1945)waren als Juden Verfolgte, die aus ganz Europa an die Mordstätte verschleppt worden waren. Nach Angaben auf der Website des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau  waren etwa 20.000 der Ermordeten Sinti und Roma, etwa 10.000 nichtjüdische Polen ().
Circa 8.000 Angehörige der Waffen-SS und 200 SS-Aufseherinnen leisteten in dem Lager ihren Dienst. Allesamt waren sie an den Massenverbrechen beteiligt, die in dem Todeslager begangen worden sind.
In den ersten Jahren nach 1945 wurden wichtige Funktionsträger von Auschwitz vor Gerichten der Alliierten zur Verantwortung gezogen. Der erste Kommandant von Auschwitz, Rudolf Höß, wurde vom Obersten Gerichtshof der Volksrepublik Polen zum Tode verurteilt und auf dem Gelände von Auschwitz gehängt. Auch die Kommandanten Arthur Liebehenschel, Josef Kramer, Heinrich Schwarz und Friedrich Hartjenstein büßten für ihre Verbrechen mit dem Tod.
Die Justizbehörden der beiden deutschen Staaten, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, haben die Täter von Auschwitz nicht systematisch verfolgt.
Erst Ende der 1950er Jahre setzten in der Bundesrepublik Deutschland umfassende Ermittlungen ein, die 1963 zum 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess führten. Diese Ermittlungen wurden unter der Leitung des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer in Frankfurt geführt.
Der erste Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main
In dem Strafprozess gegen SS-Angehörige und einen einstigen Häftling wurden im Lauf von 20 Monaten  360 Zeugen vernommen. 211 Überlebende von Auschwitz kamen an den Gerichtsort Frankfurt am Main und sagten aus.
Einigen Angeklagten wurden Einzeltötungen zur Last gelegt, die sie eigenmächtig begangen hatten. Wer in Auschwitz ohne Befehl, also aus eigener Initiative, aus niedrigen Beweggründen und auf grausame und heimtückische Weise Menschen getötet hatte, war juristisch ein Mörder. Den meisten Angeklagten warf aber die Staatsanwaltschaft vor, dass sie verbrecherische Befehle der deutschen Staatsführung befolgt, sich an Massenverbrechen gemeinschaftlich mit anderen beteiligt hatten. Verantwortlich und somit schuldig waren diese willigen Befehlsvollstrecker, weil sie im Wissen um die Rechtswidrigkeit der Befehle gehandelt hatten und ihre Mitwirkung an den befohlenen Taten nicht aus einer Notstandslage heraus geschehen war. Wenn die Angeklagten zur Zeit der Tat kein Unrechtsbewusstsein hatten und ein unverschuldeter Notstand bestanden hätte, dann wären die Angeklagten entschuldigt gewesen. Strafrechtlich hätten sie nicht zur Verantwortung gezogen werden können.
Für die schwierige Frage, ob ein Angeklagter wegen der Mitwirkung an befohlenen Verbrechen als Mittäter oder als Gehilfe zu beurteilen war, mussten die Frankfurter Richter die „innere Einstellung“ der Angeklagten zu den Taten und ihre „Willensrichtung“ bewerten. Gelangten die Richter zu der Erkenntnis, dass ein Angeklagter sich die befohlenen Taten des NS-Regimes zu eigen gemacht hatte, dass er also mit den Zielen der Machthaber übereinstimmte, verurteilten sie ihn als Mittäter. War das Gericht hingegen der Auffassung, ein Angeklagter habe nur die Befehle anderer fördern und unterstützen wollen, die fremden Befehle sich nicht zur eigenen Sache gemacht, wurde er als Gehilfe qualifiziert und kam mit einer meist geringen Zuchthausstrafe davon.
Sechs Angeklagte wurden als Mörder zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt, ein Angeklagter (zur Tatzeit unter 21 Jahren) als Mörder zu zehn Jahren Jugendstrafe. Zehn Angeklagte wurden nicht als Täter bzw. Mittäter, sondern als Gehilfen qualifiziert und erhielten Zuchthausstrafen zwischen dreieinviertel und vierzehn Jahren. Drei Angeklagte wurden mangels Beweisen freigesprochen.
Didaktische Bedeutung und Unterrichtskonzepte
Nicht nur die inhaltliche Bedeutung des Strafprozesses in der Nachgeschichte des Holocaust macht den Auschwitz-Prozess zu einem historischen Ereignis, das sich für den Geschichtsunterricht besonders eignet. Die Überlieferung der Prozessdokumente in schriftlicher Form und als Tondokument (vgl. Website www.auschwitz-prozess.de), sowie die im Prozess verwendeten historischen Fotographien aus Auschwitz (vgl. Website Yad Vashem) bieten eine ungewöhnlich reiche Auswahl an Quellensorten (vgl. dazu den Unterrichtsvorschlag von Knellessen/Kößler). So wird es möglich, die grundlegend unterschiedlichen Erzählungen über den Holocaust, den Konflikt der Erinnerungen in einem Moment zu demonstrieren. Der kaum ermessbare Unterschied zwischen der Erfahrung und Verarbeitung der historischen Ereignisse durch die Verfolgten auf der einen Seite, die Verteidigungsstrategie der SS-Männer auf der anderen – und die Bemühungen des Gerichts, ein Urteil auf der Grundlage der Strafprozessordnung zu finden, können am Quellenmaterial erarbeitet werden. Die Einsicht in die Unvereinbarkeit der Erfahrung als Verfolgte mit der Erinnerung bzw. der verweigerten Erinnerung der Angeklagten bietet eine seltene Chance, die Dimensionen des Zivilisationsbruchs zu verstehen, den der Holocaust bedeutet.





Fotograf: Joachim Kügler, Copyright: Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main

Links:
Überblicksartikel zum Auschwitz-Prozess: www.bpb.de/apuz/204287/der-frankfurter-auschwitz-prozess
„Der Frankfurter Auschwitz-Prozess“. Website zur Dauerinstallation zum Auschwitz-Prozess im SAALBAU Gallus: www.auschwitz-prozess-frankfurt.de
Tonbandmitschnitt des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Mitschnitt der Zeugenvernehmungen in der »Strafsache gegen Mulka u.a.« vor dem Landgericht Frankfurt am Main (1963–1965), Herausgeber: Fritz Bauer Institut in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden und der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv (DRA): www.auschwitz-prozess.de
UNESCO-Weltdokumentenerbe Auschwitz-Prozess: https://landesarchiv.hessen.de/mow_auschwitzprozess_einleitung
Das Auschwitz-Album (Fotografien aus Auschwitz): https://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/album_auschwitz/lili-jacob.asp
Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau: auschwitz.org/en/history/

Unterrichtsvorschläge:

Gottfried Kößler, Der Auschwitz-Prozess. Ein Blick in deutsche Biographien, in: Geschichte Lernen, Heft 119/2007, S. 49-60
Dagi Knellessen / Gottfried Kößler, Dimensionen von Zeugnissen und Zeugenschaft. Überlebende des Holocaust als Zeugen vor Gericht, in Geschichte Lernen, Heft 152 / 2013, S. 40-50
Workshop „Perspektiven auf den Frankfurter Auschwitz-Prozess”: https://www.pz-ffm.de/220.html

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Letzte Änderung: 21.08.2015