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Stichwort des Monats
Ludwig Landmann


Die Ludwig-Landmann-Straße ist eine der wichtigsten Ein- und Ausfallstraßen Frankfurts, doch sehr vielen  dürfte es nicht bekannt sein, dass ihr Namensgeber einer der wichtigsten Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt war. Ludwig Landmann wurde 1924 in sein Amt gewählt und blieb es bis 1933, als ihn die Nationalsozialisten vertrieben. Seine Arbeit wurde von den Sozialdemokraten, der linksliberalen DDP und dem Zentrum, den Parteien der „Weimarer Koalition“ getragen. Landmann war seit 1919 Mitglied der DDP, der Partei der sich die überwiegende Zahl deutscher Juden während der Weimarer Republik politisch verbunden fühlte. Mit Sicherheit ist es auch Landmann zuzuschreiben, dass die linksliberale DDP in Frankfurt in den Zwanziger Jahren überdurchschnittlich erfolgreich in den Wahlen war. Landmanns uneingeschränktes Bekenntnis zu republikanischen Werten beinhaltete auch eine programmatische Kulturpolitik; denn – so der Oberbürgermeister – kulturelle Aktivitäten und innere Besinnung wären notwendig „zur Aufrechterhaltung des tätigen Lebens, um das Leben fernerhin lebenswert zu machen“. In diesem Sinne veranstaltete die Stadt 1927 den „Sommer der Musik“ und die international beachtete Ausstellung „Musik im Leben der Völker“; zwei Monate lang gab es täglich mehrere Konzerte.
Landmann wurde 1868 in Mannheim als Ältester von vier Kindern geboren. Dort besuchte er das Großherzogliche Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften in Heidelberg, Berlin und München. Zurück in Heidelberg, war Ludwig Landmann ab 1895 als Referendar, später als Referent des Oberbürgermeisters und Syndikus in der Verwaltung seiner Geburtsstadt Mannheim tätig. Im Alter von 48 Jahren wechselte der versierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler nach Frankfurt, wo er am 16. Januar 1917 als Stadtrat für Wirtschaft, Verkehr und Wohnungswesen in den Magistrat eingeführt wurde. Nur wenige Tage zuvor war Landmann aus der Jüdischen Gemeinde ausgetreten und lebte seither konfessionslos.
Als 1924 turnusgemäß die Wahl des Stadtoberhauptes anstand, entschied sich die Stadtverordnetenversammlung in einer Kampfabstimmung mit 35 zu 26 Stimmen gegen eine weitere Amtszeit von Oberbürgermeister Georg Voigt und zugunsten von Landmann. Unter dem visionären Motto „Das Neue Frankfurt“ legte der neue Oberbürgermeister sogleich ein kommunalpolitisches Gesamtkonzept vor. Konsequent verfolgte er dabei den Gedanken, Frankfurt gegen regionale und reichsweite Konkurrenz – vor allem die Berlins – wirtschaftlich, sozialpolitisch und kulturell als ein innovatives Zentrum, als einen „Vorposten der Demokratie“ zu profilieren. Auf dem Programm standen der Hafenausbau, die Nidda-Regulierung, die Errichtung einer Großmarkthalle sowie 1925 die Eröffnung des im Bau befindlichen Waldstadions – letztere verbunden mit der Feier der Ersten Internationalen Arbeiter-Olympiade in Frankfurt. Zum 1. April 1928 konnten die Eingemeindungen von Fechenheim, Griesheim, Nied, Sossenheim, Schwanheim und Höchst gesetzlich vollzogen werden; flächenmäßig betrachtet war Frankfurt damit reichsweit die drittgrößte Stadt.
Als Dezernenten für das gesamte Hochbauwesen holte Landmann den Architekten und Stadtplaner Ernst May nach Frankfurt. Dieser entwickelte ein Zehn-Jahres-Programm für den Siedlungsbau und realisierte bis 1928 mehr als 8.000 moderne Wohnungen zu erschwinglichen Mieten – etwa in der Römerstadt, in Westhausen, Praunheim, Niederrad oder am Bornheimer Hang.
Dass Frankfurt heute der wichtigste Verkehrsknotenpunkt Deutschlands ist, hat die Stadt Landmann zu verdanken. Unter seiner Schirmherrschaft wurde ein Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hamburg-Frankfurt-Basel, kurz „HAFRABA“, gründet – quasi die Geburtsstunde der deutschen Autobahn, die die nationalsozialistische Propaganda später als eigene Idee vereinnahmen sollte. 1926 konnte der Flugbetrieb auf dem neuen Flughafen am Rebstock aufgenommen werden und mit der „Südwestdeutschen Luftverkehrs AG“ rief der Oberbürgermeister gar eine regionale Fluggesellschaft ins Leben.
Nach der Machtübergabe an die NS-geführte Regierung am 30. Januar 1933 blieb Ludwig Landmann zunächst noch im Amt. Sechs Wochen später, genauer am 12. März, dem Tag der letzten Kommunalwahlen, fahndeten SA-Kommandos nach dem Stadtoberhaupt, um es zu verhaften. Hausdurchsuchungen bei Mitarbeitern und Freunden blieben ergebnislos, denn Landmann hielt sich auf Verwandtenbesuch außerhalb Frankfurts auf. Er folgte dem Rat seiner Freunde und suchte unter Beibehaltung seiner Altersbezüge sogleich um Eintritt in den Ruhestand nach. Ludwig Landmann kehrte nicht mehr nach Frankfurt zurück und entging vorerst dem braunen Terror.
Der Magistrat unter Führung des neuen nationalsozialistischen Oberbürgermeisters Friedrich Krebs verfügte im Juni 1933, die Pensionszahlung für Ludwig Landmann einzustellen. Der „Jude Landmann“, so die Begründung, habe durch seine „größenwahnsinnige Wirtschaftsführung“ der Stadt ungeheure Lasten aufgebürdet, die er nun allein zu verantworten habe. Später allerdings wies die Kommunalaufsicht die Fortzahlung der Bezüge an.
Das Ehepaar Landmann zog nach Berlin-Halensee; in der Anonymität der Großstadt hoffte es auf Schutz. Eine erste Herzattacke mündete bei Ludwig Landmann in chronische Krankheit; binnen kurzer Zeit waren die bescheidenen finanziellen Reserven aufgebraucht, nicht zuletzt durch die Zwangsabgaben „Reichsfluchtsteuer“ und „Judenvermögensabgabe“. Diverse Ausreiseversuche scheiterten; erst am 11. August 1939 konnten die Landmanns in das niederländische Exil fliehen. Ihr Restvermögen wurde 1940 beschlagnahmt; im Jahr darauf wurde Ludwig Landmann die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.
Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Niederlande im Mai 1940 war das Leben der Landmanns, wie das Tausender antisemitisch Verfolgter aus dem Deutschen Reich, erneut existentiell gefährdet. Mehrfach drohte die Deportation in ein Konzentrations- oder Vernichtungslager. Fast grenzte es an ein Wunder, dass es Freunden und Nachbarn gelang, Landmann über mehrere Jahre zu verstecken und das Ehepaar wenigstens notdürftig mit dem alltäglichen Bedarf zu versorgen. Aber kurz vor Kriegsende und der Befreiung reichte die Lebenskraft nicht mehr: Ludwig Landmann verstarb unter elenden Bedingungen – schwer herzleidend, unterernährt und mittellos -  am 5. März 1945 im Alter von 76 Jahren in Voorburg – im holländischen Exil.
Dass auf dem Hauptfriedhof ein Ehrengrab angelegt wurde, verdankt sich einem Beschluss des Magistrats; danach waren 1987 die sterblichen Reste Ludwig Landmanns aus Holland an seine ehemalige Wirkungsstätte Frankfurt am Main überführt worden; in die Stadt, aus der ihn die Nationalsozialisten 1933 so schäbig verjagt hatten.

Literatur


Ludwig Landmann (1868-1945) ©Wikimedia Commons


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Letzte Änderung: 21.09.2015